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Lange und Team im Viererbob
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Lange und Team im Viererbob

Viererbob-Silber

Nun beginnt das Leben für André Lange

André Lange beendet die erfolgreichste Bob-Karriere der Welt mit Silber. Die deutsche Serie beendet der US-Amerikaner Steven Holcomb. Der resümiert: "Ich werde André sehr vermissen." Von Stephan Klemm

Von Stephan Klemm

Es war der allerletzte Versuch. Thomas Schwab, der Sportdirektor, hatte am späten Samstagabend André Lange, den Athleten gefragt: Bleibt es wirklich dabei: Schluss, Ende, Aufhören? Langes Antwort fiel so knapp wie deutlich aus: "Es wird definitiv keine Fortsetzung meiner Karriere geben. Es ist vorbei." Doch es wird ein Rücktritt mit einem Erfolgserlebnis - einer olympischen Silbermedaille im Viererbob.

"So einen wie den André kriegen wir so schnell nicht"

Mit diesem zweiten Platz endete am Samstagnachmittag im Eiskanal von Whistler die erfolgreichste Bob-Karriere der Welt. Lange zählte selbst noch einmal alle seine Triumphe auf: "Acht Mal Europameister, acht Weltmeister-Titel, zahlreiche Weltcup-Erfolge, vier Olympiasiege, einmal Silber. Was soll ich da noch erreichen? Da kann man ruhig mal sagen: Auf Wiedersehen."

Lange ist nun 36 Jahre alt, und er spürt durchaus den körperlichen Verschleiß: "Die Augen werden schwächer, ich bin nicht mehr der Schnellste, die Hände werden langsamer. Ich werde alt." Schwab versteht das ja, aber er weiß eben auch, was dieser Abschied für den deutschen Bobsport bedeutet: "So einen wie den André werden wir so schnell nicht mehr wieder kriegen."

Gleich nach der letzten Zieleinfahrt seiner Karriere wurde Lange sentimental: "Da musste ich einfach mal alles plumpsen lassen und tief Luft holen. Dann kamen schon die Gefühle." Er meinte: Tränen und Wehmut.

Neben der Bahn warteten Kollegen, alle hatten feuchte Augen, Lange auch. Langes Team, die Anschieber Alexander Rödiger, Kevin Kuske und Martin Putze, hatten sich T-Shirts über ihre Ausrüstung gestreift mit der Aufschrift: "Thank you, André - for all the famous moments."

Thomas Schwab ist nun der entscheidende Mann für die Karriere nach der Lange-Karriere. Es ist verabredet, dass der Sportdirektor des Bob- und Schlittenverbandes eine Trainerstelle für den Ex-Piloten sucht. "Da lasse mich überraschen", sagt Lange. Diese Möglichkeit empfinde er als große Chance: "Das erleichtert mir den Übergang, denn ich weiß, was nun auf mich zukommt - das Leben."Sein Weg führt ihn aus der "rosaroten Welt eines Sportlers, die ich nun ja 17 Jahre im Bob genießen durfte, rein in die Realität". Das werde eine harte Prüfung.

Lange hat an fünf olympischen Bob-Rennen seit 2002 teilgenommen, vier hat er gewonnen, zwei im Zweier-, zwei im Viererschlitten, nur das letzte hat er verloren, Platz zwei. Der Amerikaner Steven Holcomb war am Samstag in Whistler im großen Schlitten insgesamt fast vier Zehntelsekunden schneller als sein deutscher Konkurrent. "Steven war nicht zu packen", sagt Lange.

Im letzten Lauf hatte der Thüringer allerdings den vor ihm liegenden Bob Kanada I von Lyndon Rush noch abgefangen - um den Hauch einer Hundertstelsekunde. Dabei konnte André Lange im zweiten Durchgang in der berüchtigten Kurve namens "Fifty-Fifty" im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen einen Sturz gerade noch abwenden. Das hat Zeit gekostet - aber: "Egal. Silber ist geil", sagte Lange.

Lob von Olympiasieger Holcomb

Steven Holcomb war einigermaßen gerührt, Lange bezwungen zu haben: "Ich werde André sehr vermissen. Er hat das Letzte aus mir herausgeholt." Vielleicht ist es ja das schönste Abschiedsgeschenk, wenn der Olympiasieger über seinen gerade eben bezwungenen Gegner sagt: "André Lange ist der beste Bobfahrer überhaupt." Doch genau das ist das Problem von Thomas Schwab. Der beste Bobfahrer überhaupt wird auch ihm jetzt fehlen.

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