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Bayerische Kompagnons

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Der DOSB erhält eine 80-Millionen Unterstützung aus Berlin. Ein Kommentar.

Besonders viel Zeit für des Volkes liebstes Hobby, den Sport, dürfte Horst Seehofer (CSU) in den vergangenen Tagen nicht gehabt haben. Der Bundesinnenminister war dann doch arg gefordert, um das politische Beben in seiner Heimat Bayern irgendwie plausibel zu erklären. Dennoch wurde in dieser politisch so aufregenden Zeit eine Entscheidung bekannt, die der vollen Aufmerksamkeit des Sportministers Seehofer bedurft hatte, bei der er eine sehr zentrale Rolle gespielt haben dürfte: Der Spitzensport in Deutschland, genau genommen dessen Dachverband, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), erhält ab 2019 vom Bund wohl satte 80 Millionen Euro per annum mehr an finanzieller Unterstützung. Einen „gewaltigen Aufwuchs“ nannte das Detlev Pilger von der SPD ziemlich treffend. 

Die Entscheidung, die noch am 8. November im Deutschen Bundestag abgesegnet werden muss, könnte eine wegweisende für den deutschen Sport darstellen. Denn eines ist klar: Eine hochwertigere Ausbildung von Trainern, bessere Trainingsstätten und Ausrüstungen helfen, um Leistungen zu steigern und mehr Medaillen bei Olympischen Spielen zu sammeln.

Vor allem hilft die Unterstützung aus Berlin aber dem in Frankfurt ansässigen DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann. Der Allgäuer hat es geschafft, innerhalb weniger Wochen vom Wackelkandidaten zum Gewinner seines Verbands aufzusteigen. Noch Anfang Oktober hatte sich im DOSB eine Opposition formiert, die Hörmann gerne in der nächsten Mitgliederversammlung als Präsident stürzen wollte. Zwar ohne Erfolg, setzte sich Hörmann doch schon vorab in einer Probeabstimmung durch, dennoch war das Misstrauen nicht ganz unbegründet: Denn Hörmann, diesem fleißigen, intern aber nicht immer wohlgelittenen Arbeitertyp, ist in der Vergangenheit einiges misslungen. 

DOSB erhält 80 Millionen

Beispiele? Die Olympiabewerbung für die Sommerspiele 2024 in Hamburg war zur Chefsache ausersehen, sie scheiterte jedoch krachend. Auch schafften es die Athletenvertreter, sich im Frühjahr mit einer eigenen Organisation vom DOSB abzunabeln. Und nicht zuletzt stand die von Hörmann forcierte Spitzensportreform auf der Kippe. Knapp 200 Millionen Euro erhält der DOSB derzeit vom Bund jährlich, 114 Millionen mehr forderte er. Lange schaltete die Politik auf stur, empfand die Summe als unangemessen – auch weil Seehofers Vorgänger Thomas de Maizière (CDU) nicht allzu viel für Hörmann übrig gehabt haben soll.

Das ist nun anders. Hörmann und Seehofer, die beiden Ur-Bayern, verstehen sich. Sie halten sich zwar öffentlich mit Statements zurück, intern – so hört man – sollen die Drähte aber glühen. Insofern überrascht es nicht, dass das Innenministerium nun das 80-Millionen-Euro-Paket schnüren will. Für Alfons Hörmann bedeutet das vor allem eines: Der 58-Jährige sitzt trotz aller Vorbehalte in den eigenen Reihen tiefer denn je in seinem Chefsessel – auch dank seines bayerischen Kompagnons Horst Seehofer.

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