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Fand nicht zu seiner Form: Dennis Schröder (links), der Star des deutschen Basketballs.

Basketball

„Ich nehme das auf mich“

Dennis Schröder steht sinnbildlich für das Scheitern der Basketballer.

Es regnete in Shenzhen, wie so oft. Passend zur Stimmung im fürchterlich dunklen Raum Madrid 3 des Hotel Intercontinental, wo Dennis Schröder und die übrigen Nationalspieler ein „Meet and Greet“ mit den deutschen Fans abhalten durften. Ausgerechnet nach diesem so durch und durch deprimierenden Tag für den deutschen Basketball. 

„Es ist enttäuschend, natürlich ist jeder daran Schuld“, sagte Schröder bei der Ursachenforschung für das blitzschnelle Scheitern in China. Mit reichlich Vorschusslorbeeren war die deutsche Mannschaft ins Turnier gegangen, mit großen Hoffnungen – schon nach zwei Spielen ist (fast) alles vorbei. Die Mission ging gründlich schief, der Spielmacher schob die Verantwortung nicht weg: „Ich nehme das in erster Linie auf mich, ich bin ja der Leader der Mannschaft. Da habe ich gar kein Problem mit.“ 

Kein Sieg aus zwei Spielen, das hat noch keine deutsche Mannschaft bei einer WM „geschafft“. Statt in der zweiten Runde um den Viertelfinaleinzug zu kämpfen, spielt das hochgelobte und zweifellos hochtalentierte Team nach der Pleite gegen die Dominikanische Republik (68:70) um die Plätze 17 bis 32. Eine kräftige Ohrfeige, doch das Turnier ist nicht vorbei. Es geht noch um was. 

„Wir müssen auf jeden Fall einen Weg finden, damit wir alle noch einmal an einem Strang ziehen und jetzt wenigstens die Aufgabe erfolgreich lösen“, sagte Schröder. Und die Aufgabe ist es, sich für die Olympia-Qualifikation zu qualifizieren. Vom Direktticket waren Schröder und seine Mitstreiter in China so weit weg, wie es nur geht. 

Keine richtige Erklärung 

Aber warum? Schröder hatte keine richtige Erklärung, aber einen Ansatz, der tief blicken lässt. „Die Teamchemie bei uns war gut. Es war immer positiv im Training, aber im Spiel war es ein bisschen anders. Da hat jeder mit sich selbst gekämpft. Die Gegner hatten mehr Energie“, stellte der NBA-Profi fest, schob aber nach: „Ich will nicht sagen, dass es daran gelegen hat. Das würde zu weit gehen.“ 

Für Bundestrainer Henrik Rödl war „eine Kombination von ganz vielen Dingen“ der Grund für den überraschenden Absturz. Er habe das Gefühl gehabt, „dass wir unter der Last nicht funktioniert haben“. Einer möglichen Trainerdiskussion sieht der 50-Jährige gelassen entgegen: „Ich habe im Moment keinen Grund, mir darüber Sorgen zu machen. Ich werde versuchen, der Mannschaft zu helfen und die Chance auf Olympia offen zu halten.“ Auch für Schröder soll es weitergehen, ein Rückzug ist kein Thema. „Dafür bin ich ein zu großer Kämpfer. Wir können viel erreichen. Aber da müssen natürlich auch alle mitziehen. Solange auch alle mitziehen, bin ich dabei, keine Frage.“ 

Schon am Donnerstag kommt der erste Vertrauenstest. Gegen Jordanien (10.30 Uhr) muss der erste Sieg her, das Ergebnis geht wie alle vorherigen mit in die Platzierungsrunde. Nach dem Umzug nach Shanghai sind weitere Erfolge gegen Jordanien und den Senegal gefragt, sonst wird es eng. Für das Startrecht bei einem Qualifikationsturnier muss wohl mindestens Platz zwei in der neuen Vierergruppe her. 

„Das sind Gegner, die wir alle schlagen können“, sagte Rödl. Die Mannschaft müsse „sich jetzt einfach zusammenreißen, damit sie eine Chance auf den nächsten Sommer hat. Olympia ist ja eine Riesensache, für alle.“

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