Basketball

Debakel mit Folgen

Im US-Basketball werden die Rufe nach den Superstars für Olympia 2020 laut.

„Debakel“, „Weckruf“, „Quittung“ – das mediale Echo auf den krachenden K.o. des Teams USA fiel deutlich aus. Zum Selbstverständnis als Basketball-Supermacht passt das Viertelfinal-Aus bei der WM in China so gar nicht. Während Starcoach Gregg Popovich und Co. das schwächste Abschneiden bei einer Weltmeisterschaft noch verhindern wollen, werden bereits die Konsequenzen mit Blick auf Olympia 2020 diskutiert. 

„Das Leben geht weiter“, sagte Popovich nach der verdienten 79:89-Niederlage gegen Frankreich. Doch die große Frage, die auch die sportaffine Öffentlichkeit zwischen New York und Los Angeles bewegt, ist: Wie geht es weiter für das Aushängeschild des Basketball-Mutterlandes? Kehren nach dem Ende der 58 Siege währenden Erfolgssträhne bei FIBA- und Olympiaturnieren zu den Sommerspielen in Tokio Superstars wie LeBron James, Steph Curry oder James Harden zurück? 

„Von der WM bleibt vor allem ein Weckruf“, schrieb ESPN: „Amerikas Topspieler müssen ihre Pläne für den kommenden Sommer überdenken. Die Welt ist mittlerweile voll von Nationalmannschaften, die ein zerrissenes amerikanisches Team entlarven können.“ 

Vor dem Start der Vorbereitung im August hatte es für Popovich Absagen gehagelt. Zu unattraktiv schien den Topspielern die WM ein Jahr vor Olympia, das eine stärkere Anziehungskraft ausübt. Zu groß war die Sehnsucht nach einer Pause vor dem Beginn der nächsten kraftraubenden Saison im Millionenzirkus in Übersee. Übrig blieben am Ende zwölf NBA-Profis, die nicht zur absoluten Elite gehören. „Zu sagen, dies ist ein B-Team, ist eine Untertreibung“, schrieb USA Today. In China spielt eher ein C-Team – und das reicht auf internationalem Level nicht mehr. 

Level einfach zu hoch 

Die USA wirkten spätestens nach der Niederlage im Testspiel in Australien verwundbar, dann brauchte Popovichs Team in der Vorrunde eine Verlängerung gegen die Türkei, die das Turnier letztlich als 22. abschloss. Im K.o.-Duell war Deutschland-Bezwinger Frankreich angeführt vom überragenden NBA-Profi Rudy Gobert strukturierter, stärker. Das Level des europäischen Topteams war für einige US-Profis offenbar erstaunlich, dabei hatten die Amerikaner schon 2016 in Rio mit Kevin Durant, Kyrie Irving und Carmelo Anthony nur knapp (100:97) gegen die „Equipe Tricolore“ gewonnen. 

Nun räumte US-Profi Joe Harris ein, dass der Gegner die Partie von Beginn an dominiert hatte. Und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron, laut eigenen Angaben ein „stolzer Anhänger“ von „Les Bleus“, kann auf das Halbfinale gegen Argentinien am Freitag (14.00 Uhr) hoffen. 

Für Popovich, der in der NBA seit Urzeiten (1996) die San Antonio Spurs betreut, gilt es in den Platzierungsspielen dagegen, weitere Niederlagen zu vermeiden. Sein Start als Chefcoach erinnert schon jetzt an seine enttäuschende Zeit als Assistent beim Team USA von 2002 bis 2004 mit Platz Sechs bei der WM und Olympia-Bronze. (sid)

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