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Auswüchse: Spieler flüchtet - Dresden reist ohne Fans

Kein Tag ohne neue Schreckensmeldung über Gewalt im deutschen Fußball: Jetzt flieht aus Angst sogar der erste Spieler ...

Dresden. Kein Tag ohne neue Schreckensmeldung über Gewalt im deutschen Fußball: Jetzt flieht aus Angst sogar der erste Spieler - und Dynamo Dresden verzichtet auf seine Fans.

Ex- Kapitän Daniel Bauer vom abstiegsbedrohten Regionalligisten 1. FC Magdeburg hat nach Bedrohungen durch vermummte «Fans» die Stadt verlassen und will über eine Vertragsauflösung verhandeln. «Er kann jetzt auf gar keinen Fall nach Magdeburg zurück», sagte Bauers Berater Henry Hennig der Nachrichtenagentur dpa. Derweil hat Zweitligist Dynamo beschlossen, zum Spiel am 27. November beim FC St. Pauli ohne die eigenen Anhänger zu reisen.

«Wir hatten im Sommer den Dialog mit den Fans und haben dort Konsequenzen angekündigt. Die ziehen wir jetzt», sagte Geschäftsführer Volker Oppitz am Montag in Dresden bei der Vorstellung von Sofortmaßnahmen nach den schweren Ausschreitungen Dresdner Randalierer beim Pokalspiel in der vergangenen Woche in Dortmund. Der Magdeburger Bauer war in der Vorwoche von mehreren mit blauweißen Sturmkappen vermummten Fußball-Anhängern direkt an seiner Wohnungstür verbal attackiert worden.

Die Vereine werden von der zurückkehrenden Gewalt offenbar an ihre Grenzen gedrängt, auch wenn Detlef Ullrich, Sportlicher Leiter des 1. FC Magdeburg, versicherte: «Der Verein wird die Aufklärung des Vorfalls mit aller Kraft unterstützen.» Deutscher Fußball-Bund (DFB) und Deutsche Fußball Liga (DFL) stehen am Mittwoch beim «Anti-Gewalt-Gipfel» mit Polizeivertretern in Frankfurt unter Druck, mit schnellen Reaktionen und Maßnahmen die Spirale zu stoppen.

«Wir beobachten diese Vorgänge mit großer Sorge und nehmen sie sehr ernst», sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger im «kicker» (Montag). Die Koordinationsstelle der Fanprojekte (KOS) fordert die Einbeziehung der Fans in die Suche nach Lösungen und einen besseren Dialog: «Fußballfans müssen ein Teil der Lösung sein», sagte KOS-Leiter Michael Gabriel. Natürlich müsse Fehlverhalten sanktioniert werden, aber pauschale Verbote und Repressionen seien der falsche Weg.

Der bedrohte Bauer hat laut seinem Berater zwar keine Strafanzeige gestellt, die Behörden jedoch bereits vor einigen Wochen eingeschaltet, nachdem er eine schriftliche Morddrohung erhalten hatte. Nach Informationen der «Bild»-Zeitung hat der Verein Strafanzeige gestellt. Nach einer Morddrohung via Internet gegen Hessen Kassels Trainer Christian Hock musste die Polizei Anfang Oktober schon Ermittlungen in einem ähnlichen Fall aufnehmen.

In Magdeburg gingen die Täter noch einen Schritt weiter und suchten den Spieler direkt auf. Club-Präsident Peter Fechner war noch am vergangenen Donnerstag von Hennig telefonisch über den Vorfall informiert worden. Der Berater gab dem Verein eine Mitschuld an den jüngsten Auswüchsen: Bauer, der 2009 aus Rovaniemi (Finnland) zum einzigen Europapokalsieger der DDR gekommen war und dort noch einen Vertrag bis Juni 2012 besitzt, habe keine Rückendeckung erhalten von der Clubführung, nachdem dieser sich gegen rüde Attacken der Anhänger wie Bespucken verwahrt hatte.

«Wir wissen um das Problem und sind dabei auf die Strafverfolgung durch die Polizei und Staatsanwaltschaft angewiesen», erklärte Dresdens Geschäftsführer Oppitz. So sei auch die Umsetzung von Stadionverboten mitunter schwierig, da es eine Liste mit Namen und Adressen gebe, aber keine Bilder dazu. Wie schon im März 2010 der FC Hansa Rostock verzichtet auch Dynamo für einen Gastauftritt beim FC St. Pauli nun auf das Ticket-Kontingent. Zusätzlich zu den Sanktionen für die eigenen Fans reagierte der Zweitliga-Neuling präventiv: Neben Jan Männig wird ein zweiter hauptamtlicher Fanbetreuer eingestellt.

Die jüngsten Ausschreitungen sind laut Fan-Vertreter Gabriel alarmierend. Es sei aber falsch, Fans von Auswärtsspielen ihrer Mannschaften aussperren zu wollen. Das würde zu viele Unschuldige treffen: «Der Schlüssel liegt darin, mit den Leuten zu sprechen.» Auch Regional- und Landesverbände sind gefordert. Bei gewalttätigen Fan-Randalen nach der Begegnung der Berlin-Liga zwischen dem TSV Rudow 1888 und Tennis Borussia waren am Wochenende fünf Personen - darunter drei Polizeibeamte - verletzt worden. (dpa)

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