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„So kannst du nicht spielen“: Serena Williams kritisierte ihre eigene Leistung deutlich. 

Australien Open

Australien Open: Ein Tag für Abschiede

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Caroline Wozniacki und Serena Williams scheiden bei den Australien Open aus - die eine zieht danach einen Schlussstrich, die andere will für ihren großen Traum weiterkämpfen.

Es war einer der klarsten, schnellsten und einfachsten Siege, die Serena Williams jemals gefeiert hatte. Vor gut vier Monaten, unter den Flutlichtstrahlern des Arthur-Ashe-Stadions in New York. Nach 44 Minuten verließ Williams an jenem Abend den Centre Court wieder, ein spielerisch leichter Grand-Slam-Spaziergang lag hinter ihr, ein demütigender 6:1, 6:0-Sieg gegen die Chinesin Wang Qiang, die ganze 15 Punkte gewann. Und keinen einzigen direkten Siegschlag in ihrer Bilanz stehen hatte.

Tennis könne manchmal ein „sehr verrücktes Spiel sein“, sagte Williams am Freitag nun in Melbourne, „es passieren Dinge, die du nicht wirklich voraussiehst.“ Was hinter ihr lag, war tatsächlich einigermaßen abenteuerlich, schien kaum fassbar: Denn das vielleicht bitterste Grand-Slam-Ausscheiden seit ihrer Rückkehr in den Tourbetrieb als Mutter ging hier und jetzt auf genau das Konto jener Spielerin, die in New York noch wie eine verschüchterte Novizin gewirkt hatte. Auf das Konto von Qiang (28), der plötzlich äußerst tatendurstigen, zupackenden und letztlich auch nervenstarken Rivalin, die nach 161 Minuten als frappierende 6:4, 6:7, 7:5-Drittrundensiegerin über die Ziellinie ging. „Ich bin schon ein bisschen vor den Kopf gestoßen“, sagte Williams später konsterniert, „aber als Profiathletin kannst du so nicht spielen und auftreten.Das ist unprofessionell, das ist nicht cool.“ Dabei hatte Williams mit ihrem Turniererfolg in Auckland zu Saisonbeginn noch die Erwartung geweckt, wieder in Schlagdistanz zum Grand-Slam-Glück zu sein.

Das früheste Ende aller Träume in Melbourne seit 2006, noch in der ersten Turnierwoche, war nicht nur der Höhepunkt eines turbulenten Wettkampftages mit Drama, Spannung und Abschiedstränen der in Rente gehenden Dänin Caroline Wozniacki. Er befeuerte, im Fall von Williams, auch die Spekulationen, wie es mit der Karriere der größten Spielerin dieser Epoche weitergehen könne. Die Jagd nach dem ewigen Grand-Slam-Rekord, der Einstellung der Bestmarke von 24 Major-Titeln der Australierin Margaret Court, entwickelt sich für die 38-jährige Amerikanerin allmählich zum Trauma. „Ich bin zuversichtlich, dass ich noch einmal einen großen Pokal gewinnen kann“, sagte Williams. Es klang eher wie eine Phrase des Durchhaltens.

Auch Görges scheidet aus

Womöglich ist Williams eher nicht mehr weit entfernt von einem Meilenstein-Moment, wie ihn die beste Freundin Wozniacki auch an diesem ereignisstarken Freitag erlebte. Denn die 5:7, 6:3, 5:7-Niederlage gegen die Tunesierin Ons Jabeur war zugleich auch das Abschiedsspiel für die frühere Weltranglistenerste, der Schlussstrich nach 15 harten Jahren im Wanderzirkus. „Jetzt beginnt ein neues Kapitel“, sagte Wozniacki, 29, und verdrückte „ausnahmsweise“ ein paar Tränen der Rührung. Vor zwei Jahren hatte die blonde Dänin ihren ersten und einzigen Grand-Slam-Titel in Melbourne gewonnen, zuletzt hatte sie sich wegen einer schwereren Autoimmunkrankheit, der Rheumatoiden Arthritis, schon langsam aus dem Tennisgeschäft zurückgezogen. „Ich habe keine Rechnungen mehr offen“, sagte Wozniacki, die insgesamt 30 Turniere gewann. „Ich habe meinen Frieden mit dem Tennis gemacht.“ Ein offizielles Abschiedsspiel gibt es im übrigen noch für Wozniacki, im Mai daheim in Kopenhagen. Die Gegnerin: natürlich Serena Williams.

Derweil verabschiedete sich Julia Görges nach einer Berg- und Talfahrt bei der 6:1, 6:7, 2:6-Drittrundenniederlage gegen die kampfstarke Amerikanerin Alison Riske aus dem Turnier - nach einer ordentlichen Leistung. „Ich weiß jetzt nicht, ob es schmerzhaft ist“, sagte Görges: „Ich kann das gut einschätzen und meine Leistung bewerten.“ Nach einem hervorragenden ersten Satz hatte sie sich im zweiten Satz in den Tiebreak gekämpft, knallte dort frustriert ihren Tennisschläger auf den blauen Hartplatz und zeigte einen von ihr ungewohnten Wutausbruch. Drei Matchbälle wehrte sie in grandioser Manier noch ab, dann aber musste sie Riske gratulieren. „Ich bin, wie ich mich spielerisch entwickele, sehr zufrieden“, so die Nummer 39 der Welt.

Während Görges also raus ist, kündigte sich Cori Gauff, die 15-jährige Himmelsstürmerin, bei ihrem Melbourne-Debüt ebenso furchtlos wie unerschrocken gar als potenzielle Titelkandidatin an. Als Nachfolgerin einer gewissen Naomi Osaka, die sie am Freitag mit Courage, Kühnheit, aber auch klarem Kopf 6:3 und 6:4 besiegte. „Es kommt mir ein wenig unwirklich vor“, sagte Gauff. Womit sie nicht alleine war, immerhin hatte die Teenagerin noch bei den zurückliegenden US Open eine bittere Abschiedsvorstellung erlebt, beim 3:6 und 0:6 gegen keine andere als Osaka.

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