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Bruchpilot: Stephan Keppler entschied sich für eine besonders riskante Linie und landete auf dem Hosenboden.
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Bruchpilot: Stephan Keppler entschied sich für eine besonders riskante Linie und landete auf dem Hosenboden.

Ski alpin

Ausrutscher auf der Kandahar

Bei der Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen fahren die Deutschen nur hinterher. DSV und Organisatoren sind derweil genervt: Aufgrund fehlender Unterstützung im Ort kokettieren sie mit Weltcup-Aus für das Traditionsrennen.

Von Christian Andiel

Mit dem Risiko im alpinen Skisport ist das so eine Sache. Traut man sich zu wenig zu, erreicht man zwar das Ziel, aber mehr liegt nicht drin. Ein gutes Resultat schon gleich gar nicht. Wagt der Fahrer freilich zu viel, kommt er noch weniger weit. Stephan Keppler verlor bei diesem Balanceakt am Samstag wieder einmal das Gleichgewicht: Der Deutsche wählte bei der Abfahrt eine enge Linie wie kein anderer, er blieb am Tor hängen und schied aus.

Keppler zeigte hinterher eine erfreuliche Selbsteinschätzung, sprach vom fehlenden technischen Können im Vergleich zur Konkurrenz, „das kann ich nur mit mehr Risiko ausgleichen“. Denn war nützt ihm auf Dauer ein 15. oder 20. Rang?

Kampf mit dem Risiko

Dass sich hinterher der ARD-Moderator (Markus Othmer) und sein Experte (Markus Wasmeier) auf Kepplers Kosten amüsierten und sein Scheitern hämisch begleiteten, wird dem Fahrer nicht helfen. Was ihm helfen könnte, wären intensive Trainingseinheiten auf Abfahrtsstrecken, denn der Kampf mit dem Risiko ist vor allem auch Erfahrungssache – die besten Abfahrer sind in der Regel 30 Jahre und drüber.

Didier Cuche, der am Samstag erneut gewann, siegte zwar mit 24 Jahren erstmals, beim zweiten Abfahrtssieg war der Schweizer aber schon 30. Da hat Keppler, der am 1. Februar 29 wird, also noch ein bisschen Zeit. Und womöglich hilft ihm dabei gerade die Strecke, die ihm am Samstag zum Verhängnis wurde: Die Kandahar in Garmisch wurde im Hinblick auf die WM 2011 mit viel Geld ausgebaut und soll nun das neue alpine Zentrum des deutschen Skiverbandes (DSV) sein.

DSV-Präsident genervt von Störfaktoren

Soll? „Wir haben in diesem Winter noch nicht einen einzigen Trainingstag hier auf der Kandahar absolvieren können“. Es war in diesem Zusammenhang ein erstaunlicher Satz, den DSV-Präsident Alfons Hörmann in Garmisch sprach. Er sagte ihn bei einer Medienkonferenz, in der es um die Zukunft des Weltcups im Ort am Fuße der Zugspitze ging. Es bietet sich ein Vergleich mit Keppler an: Auch hier findet ein Spiel mit dem Risiko statt, das möglicherweise zu einem Ausscheiden führen kann – zum Aus als Weltcuport.

Es geht um das Bekenntnis der Garmischer zum Leistungssport. „Wir müssen wissen, ob wir an der Kandahar als Störfaktor gelten oder als gern gesehener Gast“, sagte Hörmann. Ihn nervt es, dass wichtige Partner, wie vor allem die Bergbahnen, nicht gewillt sind, den Event mitzutragen. Ein Event wohlgemerkt, das viel zum positiven Image von Garmisch beigetragen hat.

Die Organisatoren lassen gerade in einer Studie eruieren, wie hoch der Werbewert des Weltcups ist. Kitzbühel zum Beispiel weist eine Wertschöpfung der Rennen auf der Streif von 40 Millionen Euro aus. In Garmisch verrechnen die Bergbahnen die Lifttickets für die Teams und die Parkplätze dem Verband, das ist einzigartig im Weltcup.

Für die Bahnen sei der Tourismus wichtiger als der Leistungssport, heißt es von maßgeblicher Seite der Zugspitzbahnen.

Deshalb ist es zum Beispiel wichtiger, Beschneiungsanlagen für öffentliche Pisten zu verwenden, und nicht für die Kandahar zu Trainingszwecken für Keppler und Co.

Weltcup als Spielball

Der DSV verlangt ein klares Votum der Garmischer zum Weltcup, der in der Gemeinde längst zum politischen Spielball geworden ist. Und Hörmann findet dabei Unterstützung der Organisatoren: „Es ist zermürbend, jedes Jahr um diese Veranstaltung kämpfen zu müssen“, sagt OK-Chef Peter Fischer.

Von Günter Hujara, dem Rennsportdirektor des internationalen Skiverbandes (FIS), bekommt er Rückendeckung, der Schwarzwälder spricht von einem „Klassiker“, er lobt die Bemühungen, auch bei widrigem Wetter eine gute Piste zu präparieren.

Für die Absage des Super-G am Sonntag wegen Nebels können die Organisatoren auch nichts. Aber diese Hilfe nützt nicht viel: Die FIS vergibt die Renndaten an die nationalen Verbände, diese wählen schließlich den Veranstaltungsort aus.

Hörmann brachte bereits die neu als Weltcupstrecke akzeptierte Piste am Oberjoch ins Gespräch.Ein wenig Druck, dachte sich Hörmann wohl, könne nicht schaden. Am 1. Juni beginnt die jährliche Kalenderkonferenz der FIS, bis dahin will der DSV-Präsident eine längerfristige Lösung in Garmisch.

Für Montag wurde übrigens der erste Trainingstag auf der Kandahar angesetzt.

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