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Wer mit Schumacher Geschäfte machen will, kommt an Willi Weber nicht vorbei.
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Wer mit Schumacher Geschäfte machen will, kommt an Willi Weber nicht vorbei.

"Kein kleiner Boxenstopp"

Ausgebremst

  • Jürgen Ahäuser
    VonJürgen Ahäuser
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Wieder erwischt: Das Landgericht Koblenz verurteilt Willi Weber, den Manager von Formel-1-Legende Michael Schumacher, wegen Anstiftung zur Untreue.

Das Fürstentum am Mittelmeer ist gewiss einer der schillerndsten Flecken auf dem Globus. Entsprechend skurril gekleidet laufen die Menschen in Monaco herum, zumal wenn gerade die Formel 1 zu Gast ist. Willi Weber trägt zu solchen Ereignissen gerne Schwarz, auch wenn es sehr heiß sein sollte an der französischen Mittelmeerküste. Unvergessen sein Auftritt, als er mit sehr spitzen Schuhen, die eigentlich waffenscheinpflichtig sein müssten, und gestärktem Hemdkragen erschien: Der Manager von Formel-1-Legende Michael Schumacher hebt sich gerne von der Masse ab. Was ihn aber mit der bunten Menge verbindet, ist die Eitelkeit.

Viel Glanz ist in 20 Jahren auf den Stuttgarter Vermarkter gefallen, seit er in der Schumacher-Lotterie, wie er selbst sagt, 1988 das große Los gezogen hat. Zocken, das macht Weber am liebsten. Er nutzte in der Vergangenheit immer wieder geschickt seine Kontakte zu den Medien, brachte Schumacher bei verschiedenen Rennställen ins Gespräch, um den Marktwert des Rennfahrers zu steigern. Außerdem baute er ein Netz von Firmen zur Vermarktung auf.

Gestern ist der 66-Jährige in seinem Firmengeflecht wieder einmal hängengeblieben. Das Landgericht Koblenz verurteilte den Manager zu einer Geldstrafe von 720 000 Euro und einem Jahr auf Bewährung wegen Anstiftung zur Untreue. Sinnigerweise hat der Anwalt von Weber, Hanns W. Feigen, davon gesprochen, dass das Erscheinen vor Justitia "kein kleiner Boxenstopp" für seinen Mandanten gewesen sei. Die verbale Anleihe beim Motorsport war ganz sicher kein absichtlicher Hinweis auf Willi Webers nächsten unfreiwilligen Halt vor der Justiz in Stuttgart. Die dortige Staatsanwaltschaft hat ebenfalls Anklage erhoben.

Der Vorwurf ist dem der Koblenzer Ermittler nicht unähnlich. Willi Weber habe die von ihm gegründete Firma Pole Position Marketing zusammen mit drei mitangeklagten Mitarbeiterinnen seit 2001 sukzessive ausbluten lassen, um Verbindlichkeiten nicht bezahlen zu müssen. Der Schaden soll 2,1 Millionen Euro betragen.

In Koblenz ging es um 1,19 Millionen Euro, die noch in der Kasse der Pole Position Merchandising, mit Sitz in Dierdorf, verblieben waren. Weber habe veranlasst, diesen Betrag an seine Stuttgarter Firma PPM zu überweisen, obwohl der Westerwälder Firmenableger längst tief in den roten Zahlen steckte. Dadurch seien andere Gläubiger leer ausgegangen. "Durch diese Verrechnung hat Weber der PPM Dierdorf den Todesstoß versetzt. Und seine Schäfchen ins Trockene gebracht," sagte Staatsanwalt Rolf Kranz.

Der Schumacher-Manager entging einer möglichen härteren Strafe durch ein Geständnis und vielen Gespräche, die zuvor Staatsanwaltschaft und Verteidigung geführt hatten. Das es Kontakte zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung gab, bestätigte auch Richter Hans-Georg Göttgen. "Es tut weh, in meinem Alter noch eine Vorstrafe zu erhalten", erklärte ein bedröppelter Weber. Der gelernte Hotelkaufmann berief sich in seiner Verteidigung darauf, dass er die "verzwickten Paragrafen" nicht gekannt habe. Weber bedauerte nach dem Urteil "nicht vor 20 Jahren ins Ausland gezogen zu sein".

Willi wichtig, Willi windig

So bewegt sich das schillernde Leben des gebürtigen Regensburgers auch in seinem siebten Lebensjahrzehnt noch immer zwischen den Polen "Willi wichtig" und "Willi windig". Es ist eine Ironie der Erfolgsgeschichte Weber-Schumacher, dass der gewiefte Geschäftsmann ausgerechnet deshalb kurz vor der Gefängnistür steht, weil er sich im Wust der Fanartikelvermarktung und -lizensierung verheddert hat, die ihn und den siebenmaligen Formel-1-Weltmeister in die Gesellschaft der Superreichen gebracht haben. Zu besten Zeiten hat Weber mit den bis zu 350 Devotionalien aus der Schumacher-Kollektion, einschließlich eines roten Blutdruckmessgerätes, 100 Millionen Euro Umsatz pro Jahr erzielt. Für den gelernten Kraftfahrzeugmechaniker aus Kerpen handelte der einstige Stuttgarter Großgastronom mit allen Tricks und Kniffen bei Ferrari ein Jahresgehalt von 35 Millionen Euro aus. Michael Schumachers Vermögen wird heute auf knapp eine halbe Milliarde Euro geschätzt.

Ralf Schumacher brachte Weber noch für rund 17 Millionen Euro Gehalt bei Toyota unter, als der Kleine schon als Auslaufmodell in der Formel 1 galt. Von jeder Einnahme behielt Weber angeblich 20 Prozent, das ermöglichte ihm einen alles andere als bescheidenen Lebensstandard.

Der Ferrari- und Rolls Royce-Fahrer war schon in der Vergangenheit wegen dubioser Geschäfte mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Vorbestraft war er schon wegen Steuerhinterziehung, und er wurde wegen Förderung der Prostitution verurteilt. "Das Leben ist wie ein Krieg," sagt Weber gerne, "und ich will den gewinnen."

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