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Der Ausfall von Wimbledon ist nicht wirklich tragisch.

Kommentar

Ausfall von Wimbledon: Erdbeeren auf Eis

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Der Ausfall schmerzt zwar, doch Wimbledon ist reich, man muss sich bestimmt keine Sorgen um den Fortbestand des Turniers machen. Ein Kommentar.

Es ist weder überraschend, noch, angesichts der weltweiten Entwicklung rund ums Coronavirus, sonderlich tragisch, dass das Tennisturnier von Wimbledon ersatzlos gestrichen wurde für 2020. Auch die Ladies und Gentlemen vom All England Lawn Tennis and Croquet Club in London, die mit ihren tausend Traditionen nur allzu gerne den Eindruck vermitteln, sie könnten der Zeit Einhalt gebieten, mussten schließlich einsehen, dass das nicht funktioniert: Fröhlich ein Tennisturnier durchzuziehen, während Stadt und Gesellschaft drumherum unter den Folgen einer Pandemie ächzen und stöhnen. Was ja, vermutlich mehr als bisher schon, auch Ende Juni noch so sein wird, wenn Wimbledon eigentlich beginnen sollte.

Ganz oder gar nicht – das waren von Anfang an die einzigen Optionen für die Londoner, weil der empfindliche Rasenbelag nur für kurze Zeit im Sommer bespielbar ist. Und vielleicht haben die Macher auch deshalb so merkwürdig lange gebraucht für ihre Entscheidung, an der es kein vorbeikommen gab.

Der Ausfall schmerzt zwar, doch Wimbledon ist reich, man muss sich bestimmt keine Sorgen um den Fortbestand des Turniers machen, das sogar durch einen speziellen Pandemie-Versicherungsschutz abgefangen wird. So gut steht kein anderer Standort auf der Tennistour da. Viele kleinere Turniere drohen dagegen für immer verschluckt zu werden von Corona, und Veranstalter werden den Ruin bisweilen nur abwenden können, indem sie die millionenschwere Turnierrechte in andere Städte veräußern. Auch auf der Tennislandkarte wird die Pandemie Narben hinterlassen.

Natürlich darf man es schade finden, dass die Legenden Roger Federer und Serena Williams, die beide 39 werden in diesem Jahr, durch den Ausfall von Wimbledon vielleicht nie wieder bei ihrem Lieblingsturnier aufschlagen werden. Dringlicher sind die Probleme aber weiter hinten in den Tennisweltranglisten, bei jenen Profis, die nach einem Erstrundenaus irgendwo im Nirgendwo mit 15 Dollar (nach Steuern) dastehen. Diese Spielerinnen und Spieler, die ohnehin unter den massiven Verteilungslücken im Profitennis zu leiden haben, werden schnell substanzielle Sorgen dadurch bekommen, dass nun über einen längeren Zeitraum keine Turniere stattfinden. Hier müssen die Verbände reagieren, finanziell unterstützen. Vergleichsweise überhaupt nicht schlimm ist da, dass in Wimbledon die berühmten Erdbeeren mit Sahne mal für ein Jahr auf Eis liegen.

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