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Leidenschaft Tartanbahn: Benjamin Brömme, Gründer von „Mainathlet“.

Leichtathletik-Podcast „Mainathlet“

Auf Augenhöhe mit den Athleten

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Vor einem Jahr hat Ex-Kurzsprinter Benjamin Brömme aus Frankfurt den ersten Leichathletik-Podcast aus der Taufe gehoben. Über einen Mann, den die Leidenschaft zum Sport antreibt.

Tipps hat er keine bekommen. Eine Sprecherausbildung schon gar nicht. Wenn Benjamin Brömme in seinem Podcast Mainathlet seinen Gegenübern Fragen stellt, klingt es trotzdem so, als spricht da ein voll ausgebildeter Radiojournalist. Der 35-Jährige hat eine sanfte, klare, und gleichzeitig kraftvolle Stimme. Und Ahnung von der Leichtathletik hat der ehemalige Kurzsprinter sowieso.

Der mittlerweile wöchentlich erscheinende Podcast ist für den Kriminaloberkommissar der Polizei Frankfurt aber ein reines Privatvergnügen. Eines, das ihn genauso erfüllt, wie der Sport selbst, den er jahrelang betrieben hat. „Ich möchte schon, dass sich der Name des Podcasts in der Leichtathletikszene etabliert“, sagt Brömme. Zu seinen prominentesten Gästen zählen bislang Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler, 3000-Meter-Hindernis-Ass Gesa Felicitas Krause oder Zehnkämpfer Kai Kazmirek. Aber auch zu Spezialthemen wie Ernährungsberatung, Mental- oder Krafttraining hat er schon Experten zum Interview gehabt. Bis zu 5000 Downloads hat Brömme jede Woche, gestern jährte sich die erste Folge. Kürzlich ist Mainathlet für den Deutschen Podcastpreis nominiert worden, bis zum 29. Februar können alle interessierten Hörer unter www.deutscher-podcastpreis.de abstimmen.

„Ich war auf der Suche nach einem Hobby“, erzählt der Sohn eines Kubaners und einer Deutschen über die Anfänge. Seine Tochter war vor eineinhalb Jahren zur Welt gekommen, er hatte Elternzeit genommen und so ein bisschen mehr Freizeit. „Ich hab mich mit meiner Frau hingesetzt und eine Liste mit Sachen erstellt, die mich interessieren.“ Als die Liste fertig war, habe ihm seine Frau gesagt, er solle noch Podcast darauf setzen. „Was soll ich denn daraus machen?“, fragte Brömme, der selbst seit Jahren Podcasts zu technischen Themen, Politik und Reisen hört. Trotz der Skepsis ließ er es auf der Liste stehen.

Kurz darauf ging er mit einem Kumpel aus alten Leichtathletik-Tagen ein paar Tempoläufe an der Sportanlage Hahnstraße machen. Zufällig war auch Gesa Krause vor Ort, mit der er ein bisschen mittrainierte. „Sie ist eine der bekanntesten und beliebtesten Athletinnen in Deutschland und ich habe das Glück, sie seit Jahren zu kennen.“ Dann ist ihm aufgefallen, dass es gar keinen Leichtathletik-Podcast in Deutschland gibt. Die Eindrücke von der Tartanbahn, seine Recherchen, all das hat aus dem letzten Punkt auf der Liste eine echte Idee werden lassen, für die es sich lohnte, Zeit zu investieren.

Ursprünglich wollte Brömme hinter den Kulissen bleiben: Die Homepage aufbauen oder die Audiodateien schneiden, das wollte der Polizist, der im Bereich Internetkriminalität arbeitet selbst machen, aber das Moderieren traute er sich nicht so recht zu. Ein möglicher Mann vor dem Mikrofon sagte ihm jedoch kurzfristig aus beruflichen Gründen ab. Zu diesem Zeitpunkt hatte Brömme das Logo und den Jingle gekauft und stand vor der Frage: „Was machst du jetzt? Hinschmeißen oder es einfach selbst machen?“

Der Termin mit dem ersten Gast, dem ehemaligen 400-Meterläufer Kamghe Gaba, war schon ausgemacht. „Er ist ein sehr guter Freund von mir und ich habe ihn gefragt, ob wir einfach aufnehmen sollen. Wenn es nichts ist, müssen wir es auch nicht veröffentlichen“, berichtet Brömme. Gesagt, getan. Er war rund vier Stunden mit dem Schneiden beschäftigt, um die Verhaspler sowie die Ähs zu entfernen. „Nachdem ich es einigen Leuten vorgespielt habe und die gesagt haben, klingt gut, du kannst es veröffentlichen, habe ich es getan“.

Seit dem Sprung ins kalte Wasser ist Brömme ganz froh, dass er alleine für den Podcast verantwortlich ist. „Es war eine gewisse Hürde, aber man wächst an solchen Aufgaben.“ Durch seine Kontakte und weil er auf Augenhöhe mit den Athleten sprechen kann, hatte er schnell prominente Gäste wie Gesa Krause und Marathonläuferin Katharina Steinruck, so war es auch einfacher weitere Interviewpartner zu gewinnen.

Ein wichtiger Grund für ihn den Podcast zu machen ist, dass er so der Leichtathletik etwas zurückgeben kann. „Mir hat es in der Persönlichkeitsentwicklung und im Selbstbewusstsein sehr geholfen“, sagt Brömme, der in der ehemaligen DDR in Wolfen, heute Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt geboren ist. Dabei kam er selbst erst sehr spät zur Leichtathletik. Als Jugendlicher spielte er Fußball in Mittelhessen, im kleinen Ort Greifenstein-Allendorf. „Ich war schnell, hatte aber keine Ausdauer und konnte nicht zielen“, erzählt Brömme lachend. Mit 16 hatte er keine Lust mehr, ständig zu verlieren und machte erst einmal drei Jahre gar keinen Sport mehr.

Irgendwann schlug er dann mit 19 in Wetzlar beim Leichtathletikverein auf und fragte, ob er mitmachen könne. „Nach zehn Minuten einlaufen war ich schon kaputt und musste nach Hause.“ Doch er kam wieder und lief schon kurze Zeit später bei den Nachwuchssprintern vorne mit. In Deutschland gehörte er irgendwann zu den Top Ten, war sieben Jahre lang in der Sportfördergruppe der hessischen Polizei.

Mit 21 zog er nach Frankfurt und startete für die LG Eintracht Frankfurt. Bei Deutschen Meisterschaften wurde er über die 100 Meter einmal Sechster und über die 200 Meter einmal Siebter. Seine Bestzeiten liegen über 100 Meter bei 10,49 Sekunden, über 200 Meter bei 21,11 Sekunden. „Meine Schwäche war am Start. Ich konnte die Technik nicht umstellen“, erklärt Brömme, warum es nicht für die nationale Spitze gereicht hat. Kurzzeitig versuchte er nochmal auf die 400 Meter zu wechseln, doch irgendwann passten Aufwand und Ertrag für ihn nicht mehr zusammen. „Und meine Frau wollte irgendwann auch mal mit mir in den Urlaub fahren.“

Der Leichtathletik ist er immer verbunden geblieben und findet es schade, dass in der Berichterstattung Doping, Korruption oder die Behauptung, die Leichathletik sei tot, die dominierenden Themen sind. „Ich kann mich darüber ärgern oder es selbst in die Hand nehmen und ein Gegengewicht aufbauen. Ich habe das Gefühl, dass ich die Lücke schließen konnte“, sagt Brömme. Die Hörerzahlen und das Feedback der Athleten und Trainer geben ihm recht.

Theoretisch könnte er sogar irgendwann Geld damit verdienen. „Aber das ist nichts, worum ich mich gekümmert habe“, so Brömme. Ihm macht es einfach Spaß, weiter Teil der Leichtathletikszene zu sein. Langweilig, so viel ist klar, wird ihm dieses Hobby ganz sicher nicht.

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