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Patrick Lange auf der Radtstrecke in Hawaii.

Ironman Hawaii

Aufwühlende Nacht

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Wie die Darmstädter Patrick Lange und Jan Sibbersen mit ihren historischen Rekordmarken beim Ironman Hawaii umgehen.

Wer erfahren will, wie es eigentlich inzwischen im Kopf von Patrick Lange aussieht, der wird vom alten und neuen Ironman-Weltmeister nicht enttäuscht. Auf seinem Facebook-Profil hat der Darmstädter am Tag danach ein Bild eingestellt.

Es zeigt ihn mit erhobenem Zeigefinger im Zielkanal. Dazu gibt es vier einprägsame Sätze. „Wenn du in mein Gesicht siehst, kannst du einen Blick auf die Emotionen werfen, die ich gestern nach dem Ende des Rennens in weniger als acht Stunden durchgemacht habe. Diese Insel ist magisch! Jedes Mal, wenn ich meinen Fuß darauf setze, hat das einen enormen Einfluss auf mein Leben. Ich bin gespannt, was nächstes Jahr passieren wird!“ Aber ist das wirklich noch zu toppen? Streckenrekord und Heiratsantrag.

Lange selbst hat das schon negiert, und das Besondere ist ja auch, dass diejenige, die seine Social-Media-Aktivitäten koordiniert, künftig seine Frau sein wird: Julia Hoffmann. Dass der 32-Jährige direkt nach seinem Coup auf Kona um ihre Hand anhalten würde, „das hat niemand aus dem Team gewusst“, erzählt Jan Sibbersen.

Der Manager hatte am Tag nach dem Triumph keine vier Stunden geschlafen, zu aufgewühlt war auch er selbst. Gemeinsam mit Lange hatte er noch bis Mitternacht an der Ziellinie gestanden, um am Alii Drive mit den nächtlichen Ankömmlingen die Finisher-Party zu begehen, Sibbersen hatte für den zweiten Coup aus südhessischer Sicht gesorgt. Dass der frühere Leistungsschwimmer die Bestzeit im Schwimmen auf 46:30 Minuten drückte – nie war ein Profi oder Altersklassenathlet die 3,86 Kilometer im Pazifik schneller – ging im Lange-Hype fast unter.

Die alte Bestmarke hatte der US-Amerikaner Lars Jorgensen vor 20 Jahren aufgestellt. „Ich wollte das nicht groß rumposaunen“, sagte der 43-Jährige am Montag der FR, „aber das war mein Traum, und auf diesen Erfolg habe ich hart hingearbeitet. Jetzt habe ich auf der Insel alles erreicht. Jetzt ist als Aktiver hier Schluss.“ Sibbersen kam nach 10:37:37 Stunden ins Ziel, „ich habe mir an jeder Verpflegungsstation Zeit gelassen“. Auch der umtriebige Geschäftsinhaber, der die gesamten Aktivitäten des Weltmeisters auf Sponsoren- und Medienebene koordiniert, hatte von den einmaligen Bedingungen profitiert. „Das Meer war bretteben, es war fast windstill.“

Deshalb wischt Sibbersen auch Kritik beiseite, die am Fabelweltrekord vielleicht Zweifel anmelden wollen. „Patrick war beim Schwimmen und Laufen langsamer als im Vorjahr. Aber wenn alle eine Viertelstunde schneller Radfahren können, weil gar kein Wind geht, dann kommen solche Zeiten heraus.“ Dass es noch einmal bessere Begleitumstände für eine Rekordjagd gibt, kann er sich nicht vorstellen. Würde heißen, dass Lange eine Art Ewig-Rekord aufgestellt hat.

Sibbersen bestätigt auch die These, dass es zum Spezialistentum mit einem mehr als zehnköpfigen Helferstab keine Alternative mehr gebe, um den wichtigsten Triathlon der Welt zu gewinnen. Der eine Coach überwacht den Beinschlag im Wasser, der andere die Haltung auf dem Aerolenker, der nächste die Fußstellung beim Laufen. Und nicht zu vergessen mit Faris Al-Sultan einen Gesamttrainer, der tief in den Kopf eins Toptriathleten vordringen kann, weil er alles selbst erlebt hat.

Sibbersen betont erneut, dass Lange für Hawaii eine „gottgegebene Gabe“ besitzt: „Er ist leicht gebaut, ihm macht die Hitze nichts aus, er kann die Nahrung aufnehmen.“ Ob der vegetarische Ansatz dabei die Schlüsselrolle spielt, will der Manager weder bejahen oder verneinen, „aber es passt zu Patrick“.

In welchem Umfang der Heroe nun vermarktet werden soll, wird nach der für Donnerstag am Frankfurter Flughafen avisierten Rückkehr geklärt. „Die Anfragen werden nicht weniger, aber wir leisten uns den Luxus, nur das zu machen was wir möchten“, sagte Sibbersen. Abgemacht ist für Samstag der Besuch im ZDF-Sportstudio, schließlich hatte der Sender auch das historische Ereignis live übertragen. Die Quote lag bei 1,68 Millionen Zuschauern in der Spitze, danach waren noch 0,79 Millionen Zuschauer interessiert. Zum Vergleich: Das Fußball-Länderspiel Niederlande gegen Deutschland lockte 9,61 Millionen vor die Bildschirme.

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