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Aufstand der Außenseiter

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Von: Frank Hellmann

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Famagusta, Borissow, Aalborg, Cluj oder Donezk: Die Champions League ist ein Tummelplatz der Namenlosen.

Es war ein Mittwochabend, der so ganz nach dem Geschmack von Michel Platini gewesen sein dürfte. Denn was hatte der französische Uefa-Präsident noch am Vorzeigeprodukt Champions League jüngst stets beklagt? "Das Problem ist, dass fast immer die gleichen Klubs vertreten sind. Wir brauchen mehr Wettbewerb."

Deshalb wurde längst eine Reform verabschiedet, die 2009 greift und die Klubs der großen Nationen künftig nicht per Zufallslos, sondern per Setzliste zusammenführt. Betrachtet man indes die dritte Qualifikationsrunde des diesjährigen Wettbewerbs, dann fragt man sich, ob die Reform nötig gewesen wäre. Denn noch nie haben so viele Außenseiter Zutritt zur Königsklasse erlangt.

"Wir sind aus dem Häuschen"

Willkommen, Anorthosis Famagusta. östliches Zypern, 40.000 Einwohner, ehemals türkisch besetzt. Nie hat eine Niederlage wie das 0:1 bei Olympiakos Piräus solchen Jubel ausgelöst. Tausende strömten nach der Direktübertragung des zypriotischen Fernsehens auf die Straße, feierten mit Feuerwerk und Autokorso. "Wir sind aus dem Häuschen", sagte Trainer Temuri Ketsbaia. Eine rationale Erklärung fürs Wunder? Gibt es eigentlich nicht.

Historisches geschah auch in Weißrussland, genauer im Gradski-Stadion von Bate Borissow. Hafenstadt an der Beresina, Gebiet Minsk, 151 000 Einwohner. Die erste Ausscheidungsrunde gegen Valur Reykjavik zu überstehen, war eine Pflicht, die zweite gegen RSC Anderlecht eine Überraschung, die dritte gegen Levski Sofia eine Sensation. Zumal die Weißrussen beim 1:1 vor 6000 Zuschauern lange in Unterzahl spielten.

Die Globalisierung des internationalen Fußballs hat auch Aalborg BK geholfen. Dänische Stadt am Limfjord, 195.000 Einwohner, die Autobahn führt unter dem Meer entlang. Obenauf ist der heimische Fußballklub, weil die litauische Überraschungsmannschaft von FBK Kaunas in Schach gehalten wurde. Insgesamt setzt sich der Trend fort, dass finanzstarke Vereine aus Osteuropa im Kommen sind. Man wird sich daran gewöhnen müssen.

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