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Aufregung in Polen

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Beim Co-Gastgeber Polen sorgt die Mitteilung, dass die zuständige Agentur für die Vorbereitung der Fußball-EM 2012 in der Ukraine aufgelöst wurde, für Alarmstimmung.

Von KNUT KROHN

In der Ukraine versucht man, den Ball flach zu halten. Die Verantwortlichen in Kiew sind bemüht, es als normalen Vorgang darzustellen, dass die zuständige Agentur für die Vorbereitung der Fußball-EM 2012 aufgelöst wurde. Man werde die Organisation nun selbst in die Hand nehmen, ließ Vize-Regierungschef Iwan Wasjunik verbreiten.

Grund: die Agentur sei nicht in der Lage gewesen, die EM zu organisieren. Er werde daher selbst einen neuen Koordinierungsausschuss der Regierung mit 50 Experten leiten, so Wasjunik. Der sei zuständig für Fragen wie Infrastruktur, Sportkomplexe sowie rechtliche, finanzielle und wirtschaftliche Fragen der Europameisterschaft.

Beim Co-Gastgeber Polen löste die geschäftsmäßige Mitteilung Alarmstimmung aus. Seit Monaten kommen Chaosmeldungen aus der Ukraine. Die Arbeiten an den Stadien gehen nicht voran, der notwendige Straßenbau wird nicht begonnen, über fehlende Flughäfen und Hotels wir überhaupt nicht mehr gesprochen. Zu allem Übel wird das Land von einem politischen Dauerstreit gelähmt, und die Wirtschaft kann angesichts der globalen Finanzkrise nur durch einen Milliardenkredit des Internationalen Währungsfonds vor dem Kollaps bewahrt werden.

"Die Ukraine hat ein Eigentor geschossen und leider schlägt der Ball auch bei uns ein", sagte Ryszard Czarnecki, polnischer Europaabgeordneter und Mitglied des für die EM 2012 zuständigen Sportausschusses. "Dieses fatale Signal zeugt vom dramatischen Durcheinander, das in der Ukraine herrscht." Fast schon beschwörend klingen die Worte des polnischen Sportministers Miroslaw Drzewiecki. Der eilte am Mittwochabend, als die Nachricht bekannt wurde, in die nächste Radiostadion und erklärte: "Bitte, regen sie sich nicht auf. Ich denke, das ist nur ein Umbau in der Organisation."

Die Aufregung in Warschau ist begründet. Uefa-Chef Michel Platini hatte wegen der vielen Probleme bereits mehrfach gedroht, das Turnier den beiden Ländern zu entziehen. Als jüngst aus Polen die Idee kam, die Ukraine auszubooten und die EM zusammen mit Deutschland auszutragen, erklärte Platini, dass das Turnier in Polen und der Ukraine zusammen stattfindet - oder anderweitig vergeben wird.

In Kiew will man trotz des Durcheinanders keine Zweifel aufkommen lassen, dass die Ukraine weiter gewillt und in der Lage ist, die EM 2012 auszurichten. Sportminister Juri Pawlenko hat den mehrfach verschobenen Beginn der Umbauten des maroden Stadions in Kiew nun für den 1. Dezember angeordnet.

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