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Aufatmen in Stuttgart

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Die Vorgaben aus Berlin für den Bundeszuschuss zur Straßenrad-WM werden leichten Herzens geschluckt

Von JANA SCHULZE

Wenn Christina Kapp mit Kollegen in der Schweiz, in Frankreich oder Belgien spricht, können die nicht recht verstehen, warum die Radweltmeisterschaft in Stuttgart auf der Kippe stand. "Über Doping wird nirgends so heftig diskutiert wie bei uns", sagt die Sprecherin des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR). Sie will nicht falsch verstanden werden: "Das ist in unserem Sinn." Aber Kapp ist doch froh, dass nicht alle Rädern stillstehen werden vom 25. bis 30. September in der Hauptstadt im Ländle. Darauf haben sich Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, der Präsident des Radsportweltverbands UCI, Pat McQuaid, und BDR-Präsident Rudolf Scharping am Montag in Berlin verständigt. "Es wäre das falsche Signal gewesen, die WM abzusagen", sagt Kapp.

Kontrollen und Blutprofile

Alle WM-Teilnehmer sollen nun - analog zum Vorgehen des Weltverbands UCI vor der Tour de France - eine strafbewehrte Ehrenerklärung unterschreiben. Zudem wird bald ein Gremium mit Vertretern der Welt-Antidopingagentur (Wada), der Nationalen Antidopingagentur (Nada), der UCI und des BDR gebildet. Es soll für unangemeldete Trainingskontrollen vor der WM sorgen und die Blutprofile aller Starter kontrollieren. Unklar ist, wer die hohen Kosten für die Erstellung der Profile übernimmt. Angeblich hat sich die UCI dazu gestern bereiterklärt.

Die Erleichterung bei den WM-Organisatoren in der baden-württembergischen Landeshauptstadt ist spürbar. "Wir sind mit dem Gesprächsergebnis von Berlin sehr zufrieden", sagt der Generalsekretär des Organisationskomitees, Rolf Schneider. Scharping war unmittelbar nach dem Treffen in Berlin nach Stuttgart geflogen, um Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) und Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann das Ergebnis zu erläutern. Die nickten die Einigung von Berlin leichten Herzens ab. "Wenn dieses Paket so umgesetzt wird, dann wird die WM stattfinden", hieß es gestern im Rathaus. Bei Eisenmann hatte das jüngst noch anders geklungen: "Die Sportstadt Stuttgart könnte ein schlechtes Image bekommen, wenn die WM zu einem Dopingfestival wird." Die Zweifel sind offenbar zerstreut. Dass klare Vorgaben formuliert wurden, um das Sportereignis zu retten, kann OK-Generalsekretär Schneider verstehen: "Die Rahmenbedingungen waren so, dass man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen konnte. Man muss schauen, dass man eine gewisse Glaubwürdigkeit hinbekommt. Nur so ist die Verwendung öffentlicher Gelder zu rechtfertigen."

Eine Absage käme teuer

Noch hat Schäuble die Drohung, den Bundeszuschuss von 150 000 Euro zu streichen, nicht zurückgenommen. Allerdings käme eine Absage die Stadt erheblich teurer: Stuttgart steht für 2,3 der gut fünf Millionen Euro des WM-Etats gerade. Drei Millionen sind angeblich schon ausgegeben. Und im Fall einer Absage stünden wohl Regressforderungen der UCI in siebenstelliger Höhe ins Rathaus.

Schäuble will das Treffen der Weltelite in ein Fanal für sauberen Sport verwandeln. Die Weltmeisterschaft, sagt er, müsse ein Neuanfang sein. OB Schuster will seinerseits "Maßstäbe setzen, an denen sich auch andere internationale Sportverbände künftig orientieren können." Die Stuttgarter Zeitung hat da Zweifel und fragt lieber ihre Leser: "Soll Stuttgart die WM absagen? Stimmen Sie ab!"

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