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Ja, wo schwimmen sie denn? Florian Wellbrock ist über die 1500 Meter Freistil nicht zu schlagen.

Schwimmen

Auch mit Handbremse der Beste

Obwohl geschwächt von einem Infekt, baut Florian Wellbrock beim Schwimm-Weltcup in Berlin seine Siegesserie weiter aus.

Florian Wellbrock hatte sich vermutlich in eine dicke Decke gehüllt und kurierte zu Hause seinen leichten Infekt aus, als am Sonntag beim Schwimm-Weltcup in Berlin die letzten Bahnen gezogen wurden. Vor seiner vorzeitigen Abreise nach Magdeburg hatte der angeschlagene Doppelweltmeister der Titelkämpfe in Südkorea aber seine gute Frühform in der Olympiasaison bestätigt.

Obwohl der 22-Jährige nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war, ließ er der Konkurrenz auf seiner Paradestrecke über 1500 Meter Freistil am Samstag keine Chance. Wellbrock blieb mit seiner Siegerzeit von 15:10,82 Minuten zwar um 13 Sekunden über seiner in der Vorwoche in Budapest aufgestellten Saisonbestmarke, doch das war eingeplant.

„Schwimmerisch saustark“

„Es war vernünftig, dass ich heute nicht unter 15 Minuten geschwommen bin“, sagte Wellbrock, der seine Starts über 200 Meter Schmetterling (Samstag) und 200 Meter Freistil (Sonntag) abgesagt hatte. Zum Auftakt am Freitag war der Magdeburger über 400 Meter auf einen geteilten zweiten Platz gekrault.

„Das war schwimmerisch saustark“, lobte Wellbrocks Heimtrainer Bernd Berkhahn, der nach der leichten Erkrankung aber kein Risiko eingehen wollte, „um die Vorbereitung in der Höhe nicht zu gefährden“. Am Mittwoch reist der Weltmeister im Freiwasser (10 Kilometer) und Becken (1500 Meter) ins erste von insgesamt drei Höhentrainingslagern in der Sierra Nevada.

Dort sollen auch die erste Reize im Ausdauerbereich gesetzt werden, während bislang vor allem im Kraftbereich trainiert wurde. „Stand jetzt bin ich sehr zufrieden“, sagte Berkhahn über Wellbrocks Auftakt in die Olympiasaison, in der Deutschlands neuer Vorschwimmer in Tokio seinen historischen Doppel-Triumph von der WM wiederholen will. Auch nach den großen Erfolgen sei sein Schützling „so wie vorher“, versicherte Berkhahn: „Es stellt sich jetzt keine Überheblichkeit oder Verängstigung ein.“ Mental sei die Aufgabe in Berlin aber eine Herausforderung gewesen, verriet Berkhahn: „Es ist ihm auch ein bisschen viel Druck und Stress.“

Wellbrock war das große Zugpferd des Weltcups. Das Zuschauerinteresse im Europasportpark war dennoch enttäuschend, was auch daran lag, dass viele andere deutsche Topschwimmer wie Freiwasser-Staffelweltmeisterin Sarah Köhler oder Ex-Europameisterin Franziska Hentke bei der parallel ausgetragenen Profi-Liga ISL in Neapel am Start waren.

Top-Leute lieber beim ISL

„Leider haben wir wenig Zuschauer, das ist sehr bedauerlich“, sagte Berkhahn: „Wenn man wie wir direkt aus Budapest hierherkommt, ist das schon ein krasser Wechsel. Da waren die Ränge annähernd voll, die Stimmung war sehr gut.“

Berkhahn, in Personalunion Teamchef der deutschen Nationalmannschaft, hätte zwar gerne „ein paar mehr“ deutsche Top-Schwimmer in Berlin gesehen. Seinen Athleten einen ISL-Start verbieten wollte Berkhahn aber auch nicht, „weil das auch ein wirtschaftlicher Faktor für die Sportler ist“.

Dort starteten unter anderem Supersprinter Caleb Dressel aus den USA und die schwedische Ausnahmschwimmerin Sarah Sjöström. Bei so viel Konkurrenz kann nicht mal Florian Wellbrock mithalten. (sid)

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