Doping

Ein Arzt, zwei Zeugen und die Kavallerie

Fortsetzung der Operation Aderlass: Ulrich Haegele soll Langläufer im Österreichischen Skiverband mit Dopingmitteln versorgt haben.

Ulrich Haegele (79) hatte den Besuch weder erwartet noch erwünscht – und doch öffnete er bereitwillig seine Tür. Nicht nur den 13 Beamten, die im Auftrag der Innsbrucker Dopingstaatsanwaltschaft vor seinem Haus im bayrischen Grainbach auftauchten, sondern auch dem Team der ARD-Dopingredaktion. Haegele sagt, er habe doch nichts zu verbergen: „Ich habe in meinem ganzen Leben nie Epo-Präparate bestellt, gekauft oder verkauft.“ Genau darum drehen sich jedoch die Ermittlungen der österreichischen Behörden in Zusammenarbeit mit der Münchner Schwerpunktstaatsanwaltschaft. Haegele ist Beschuldigter im Zuge der Operation Aderlass, er soll Langläufer im Österreichischen Skiverband (ÖSV) mit Dopingmitteln versorgt haben.

Belastet hatten Haegele zwei bekannte Akteure des Dopingskandals, der seit der Nordischen Ski-WM in Seefeld Ende Februar seine Kreise zieht. Johannes Dürr, Ex-Langläufer und Kronzeuge der Ermittlungen, sowie Gerald Heigl, ehemaliger Cheftrainer im ÖSV, sagten aus, Haegele habe ihnen Epo verkauft. Nach Mark S. ist er der zweite deutsche Arzt, der ins Visier der Behörden geraten ist, der Erfurter sitzt in München-Stadelheim in Untersuchungshaft.

Haegele geht davon aus, dass ihm ein solches Schicksal erspart bleibt. „Meiner Ansicht nach kommt da gar nichts“, sagte er. Die „große Kavallerie“, wie er das Dutzend Ermittler in seinem Haus nannte, habe ja nichts gefunden, selbst nicht zwischen den Unterhosen seiner Frau. Die Beamten beschlagnahmten jedoch Mobiltelefone und Computer, sie hoffen auf weitere Beweise neben den Aussagen der beiden Zeugen.

Die zieht zumindest Haegele in Zweifel. Vor allem Dürr beschuldige „ja jeden. Das ist mal 'n Kroate, mal 'n Serbe, mal Mark S., mal der, mal der. Der profiliert sich da. Der kriegt sicher für jeden Zeitungsartikel so und so viel Euro“, sagte Haegele der ARD. Daher sei es auch naheliegend, „dass er mich beschuldigt. Ich war der gesamtverantwortliche Teamarzt im Österreichischen Skiverband für den Ausdauerbereich.“

Auch für Heigls Aussage fand der Beschuldigte eine Erklärung. Er nehme an, „dass er mich nahm, weil ich einen deutschen Pass habe“, sagte Haegele der „SZ“. Heigl habe ja von Mark S. gewusst, „wenn er dann einen weiteren Deutschen angibt, klingt es zumindest glaubwürdig“. Haegele rechnete bereits mit der Hausdurchsuchung, ihn wundert nur, dass die Ermittler so spät gekommen sind.

So gelassen er sich vor der Kamera gab, so sicher sind sich die Behörden aus Österreich ihrer Vorgehensweise. Staatsanwalt Thomas Willam sagte der „SZ“: „Für uns ist es eine verdichtete Beweislage, sonst hätten wir kein so massives Mittel wie die Durchsuchung gewählt.“ (sid)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion