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Unterhaltsamer Talk: Anne Haug, Dan Lorang und Jan Frodeno (von li.).

Triathlon-Night in Langen

Applaus auf dem Sofa

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Jan Frodeno und Anne Haug sind die gefeierten Helden der Triathlon-Night in Langen.

Dan Lorang hat auf der Bühne nicht lange überlegen müssen. Das Pappschild mit dem Konterfei von Jan Frodeno ging ruckzuck in die Höhe und jenes von Anne Haug blieb auf Höhe der Sofakante, als der Trainer der beiden deutschen Ironman-Weltmeister die Frage beantworten sollte, wer denn eitler sei. Beide Gesichter erschienen, als der 40-Jährige beiden das Potenzial zuschrieb, ihren Coup von Kona in 2020 zu wiederholen. Direkte Begegnungen zwischen Trainer und Triathlet wie am Samstagabend auf der zehnten Auflage der Triathlon-Night sind die Ausnahme geworden, seit sich Lorang hauptberuflich für das Radsportteam Bora-Hansgrohe betätigt. Haug vertraut ihm, nachdem sich beide vor 16 Jahren an der Uni München kennenlernten, „er hat mich zu dem gemacht, was ich bin.“

Nun ist die erstmalige Hawaii-Siegerin auch „Triathletin des Jahres“, die genau wie Frodeno als „Triathlet des Jahres“ unter Ovationen die Bühne der Stadthalle Langen betrat, wo die vom Darmstädter Jan Sibbersen organisierte Veranstaltung von Jahr zu Jahr feierlicher wirkt. Nur eine Frage, betonte Haug, sollte ihr bitte niemand mehr stellen: Ob es nicht besser Ironwoman heißt? Reichlich Applaus gab es auch, als Frodeno die Lorang-Aussage, er würde heutzutage einen dopenden Athleten verklagen, als „sensationelles Statement“ wertete.

Ansonsten war deutlich zu spüren, dass dem 38-Jährigen die gemeinsame Inszenierung mit Haug eigentlich nur bedingt gefällt. Denn: „Wir könnten unterschiedlichere Charaktere kaum sein.“ Haug erzählte vom „Vakuum im Kopf“, das ihr beim Hawaii-Sieg geholfen hat, „ein Rennen wie aus einem Guss“ zu absolvieren. Und weil die am Olympiastützpunkt Saarbrücken beheimatete Triathletin einen strukturierten Tagesablauf benötigte, hat die 36-Jährige wieder mit dem Training angefangen.

Frodeno wiederum erzählte, dass er die Schimpfkanonade seines britischen Konkurrenten Alistair Brownlee beim Radfahren deswegen wortstark gekontert habe, „weil die Abneigung auf Gegenseitigkeit beruht.“ Zum Runterkommen hat „Frodo“ mit seinem Trainingspartner Nick Kastelein zuletzt eine mehrtägige Mountainbike-Tour in die Pyrenäen gemacht, „um mal mit sich und den Rädern alleine zu sein.“ Er verbuchte für sich zuletzt als größten Erfolg, „dass mein Sohn jetzt Fahrradfahren gelernt hat“.

Einmal fiel das Scheinwerferlicht anfangs auf den entthronten Patrick Lange, als der glänzend aufgelegte Moderator Hartwig Thöne vom Triathlet des DSW Darmstadt nach einer Schulnote fürs Jahr 2019 verlangte. „Fünf, ganz klar“, sagte der 33-Jährige, dem der schwere Radsturz seiner Frau Julia und die verpasste Anreise seines Ex-Trainer Faris Al-Sultan mehr zugesetzt haben, als er noch auf Kona zugab. Sein Motto: Es kann nur wieder besser werden.

Boom an der Basis

Insgesamt erlebt die Sportart einen Boom. Die Deutsche Triathlon Union (DTU) ist mit inzwischen 59 000 Mitgliedern der am schnellsten wachsende Einzelsportverband innerhalb des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). 270 000 Triathleten haben in 2019 an 500 Rennen teilgenommen. Dass sich das Stelldichein der deutschen Ironman-Stars am 28. Juni 2020 in Frankfurt versammelt, ist allerdings nicht sicher. Und zwar nicht, weil erneut die Konkurrenz vom Challenge Roth zum bereits neunten Mal zur beliebtesten Langdistanz-Veranstaltung gewählt wurde, sondern weil eine Gruppe namens „Professional Triathletes Organisation“ (PTO) die Übernahme der Ironman-Rechte vom chinesischen Multikonzern Wanda plant. Kommt ein ganz neues Veranstaltungsformat? Sebastian Kienle, Dritter auf Hawaii und Zweiter in Frankfurt, sagte am Samstagabend der FR: „Es wird neben Hawaii eine zweite hochkarätig besetzte Veranstaltung geben.“ Das muss offenbar nicht mehr zwangsläufig die Europameisterschaft in der Mainmetropole sein.

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