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Will das Jahr toppen: Alexander Zverev. Foto: Imago images
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Will das Jahr toppen: Alexander Zverev.

Tennis

Angriff auf den Thron

  • VonJörg Allmeroth
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Auf letzter großer Mission: Alexander Zverev will beim ATP-Finale in Turin ein außergewöhnliches Jahr noch einmal toppen.

Wenn Alexander Zverev in diesem Herbst auf seinen Tennisreisen unterwegs war, hatte er immer auch ein paar besondere Kleidungsstücke mit im Gepäck. Beim Trainieren konnte man dem 24-jährigen Weltklassespieler oft im T-Shirt mit dem Aufdruck „Team Deutschland“ zusehen, auch anderswo ließ sich der gebürtige Hamburger gern mal im schwarz-rot-goldenen Dress blicken. Es hatte wohl auch ein wenig mit Aberglauben zu tun, der im Wanderzirkus ohnehin weit verbreitet ist. Aber Zverev erinnerte sich selbst und die Beobachter eben nur zu gern an seine sportliche Sternstunde, die sich am 1. August 2021 in Tokio ereignete – mit dem Sieg im olympischen Einzelfinale gegen den Russen Karen Khachanov, mit dem triumphalen Moment als Goldschürfer, mit dem insgesamt wohl beeindruckendsten Auftritt eines deutschen Individualisten in Japans Kapitale. „Es war der emotionalste und schönste Augenblick, den ich als Sportler erlebt habe“, sagt Zverev, „bis heute denke ich jeden Tag an Tokio, an diesen Sieg.“

Zverevs olympischer Erfolg war der herausragende Moment eines ohnehin schon starken Jahres mit wenigen Tiefen und vielen Höhen. Der ehemals launische Riese mit den großen Talenten ist endgültig zum stabilen Akteur in der engeren Weltspitze gereift – zu einem, dem überall und jederzeit auf der Tingeltour ein Titel zuzutrauen ist. Und das gilt auch für das ATP-Finale der acht Saisonbesten, das nach über einem Jahrzehnt rauschender Aufführungen in Londons Millennium-Dome nun im italienischen Turin stattfindet. Zverev geht als Mitfavorit auf den Titel ins Rennen, bei einem Championat, das wie nie zuvor in jüngerer Vergangenheit den Generationenwandel in der Szene illustriert. Ohne die angeschlagenen Altvorderen Roger Federer und Rafael Nadal ist der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic (34) der einzige Spieler im Klassement, der älter als 25 Jahre ist. Im Rampenlicht stehen stattdessen neben Zverev auch US Open-Champion Daniil Medwedew (25), der Grieche Stefanos Tsitsipas (23) und Lokalmatador Matteo Berrettini (25) – gegen ihn tritt der Hamburger auch am Sonntagabend um 21 Uhr im ersten Gruppenspiel an. Neben Berrettini sind Medwedew und der Pole Hubert Hurkacz die Vorrundengegner Zverevs. „Ich fühle mich gut, bin bereit für ein starkes Turnier“, sagt Zverev, der sich nach einer Parforcejagd durch Europas Hallen in den vergangenen Tagen regenerieren konnte.

„Papa ist der Häuptling“

Der Deutsche nimmt im Kreis der Stars der inoffiziellen WM eine durchaus herausragende Stellung ein.Das hat auch mit der Konstanz zu tun, die ihn mittlerweile bei seinen globalen Einsätzen in der Abenteuerbranche des Herrentennis auszeichnet. Und diese Konstanz hat wiederum auch und besonders mit dem stabilen Umfeld zu tun, in dem sich Zverev sportlich bewegt. Zverev beschäftigte in den vergangenen Jahren wiederholt hochkarätige Coaches – legendäre Figuren wie Großmeister Ivan Lendl. Oder den ehemaligen Nummer-eins-Spieler Juan Carlos Ferrero (Spanien). Und zuletzt dann auch noch dessen Landsmann David Ferrer, den womöglich intensivsten Fleißarbeiter, den das moderne Tennis kannte.

Aber während die namhaften Trainer kamen und gingen, blieb immer Papa Alexander als denkende und lenkende Kraft an den Schalthebeln. Er ist der große Schweiger im Hintergrund, der stets grimmig und verbissen die Matches beobachtet – und gleichzeitig ist der frühere russische Topspieler derjenige, der das Sagen hat. Zverevs älterer Bruder Mischa brachte das kürzlich so auf den Punkt: „Papa ist der Häuptling.“

Spätestens seit seinem Olympiasieg ist Zverev regelmäßig Gesprächsthema in Deutschland. Der Hamburger, der sich in Tokio mühelos ins Team D integrierte und die Zeit mit anderen deutschen Sportlern genoss, wurde nicht müde zu betonen, „zuallerletzt“ für sich selbst, sondern „für das ganze Land und die Menschen zu Hause“ gespielt zu haben: „Diese Medaille gehört nicht nur mir.“ Das war auch keineswegs taktisch oder strategisch gemeint, sondern wirkte ehrlich bei Zverev, der sich in früheren Daviscup-Kämpfen schon wohl in mannschaftlicher Umgebung gefühlt hatte. Zverev sei keineswegs der Egomane, als den ihn manche nur zu gerne und argwöhnisch betrachten, meint der deutsche Männertennis-Chef Michael Kohlmann. Der 24-jährige hat auch durchaus gute Chancen, sogar zum „Sportler des Jahres“ gekürt zu werden.

In Turin könnte er jetzt als starker Einzelkämpfer einen letzten, markanten Schlusspunkt unter diese Saison setzen. Knapp war Zverev mehr als einmal 2021 auch an Grand-Slam-Glorie dran, aber der Olympiasieg und insgesamt fünf Turniersiege trösteten ihn mehr als genug über die verpassten Major-Chancen hinweg. Zuletzt rauschte er, aufmerksam verfolgt von seiner neuen Freundin, zum Titelcoup in Wien durch – mit 18 Wettbewerbstiteln zog mit Michael Stich gleich, nur Boris Becker rangiert in der Heimat noch weit vor ihm mit 49 Siegen. Der deutsche Tenniskanzler räumt Zverev für die WM fast schon selbstverständlich gute Chancen ein: „Er hat so viel Stabilität gewonnen, dass die Titelvergabe über ihn führt.“ Becker sieht für den Weltranglisten-Vierten auch die Möglichkeit, in der kommenden Saison nach den Sternen in der Hitparade der ATP zu greifen: „Sammelt er auch beim ATP-Finale gut Punkte ein, hat er eine ordentliche Ausgangsposition, um 2022 nach Platz eins zu greifen.“ Und König Djokovic vom Thron zu stoßen.

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