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Kira Weidle gehört zu den Medaillenkandidatinnen.

Wintersport

„In der Angreiferrolle“

Kira Weidle bringt „alles mit“ für eine Medaille in der Abfahrt.

Als Schülerin war Kira Weidle noch Ruderin, bei ihrer ersten Abfahrt kugelte sie sich gleich mal die Schulter aus. Dann aber „bin ich so reingewachsen in die Materie“, sagt sie – und das gelang der 22-Jährigen Starnbergerin derart gut, dass sie bei der WM-Abfahrt am Sonntag (12.30 Uhr/ARD und Eurosport) in Are zu den Medaillenkandidatinnen gehört.

Viktoria Rebensburg, die auf ihrem „Lieblingsschnee“ ebenfalls hoffen darf, sah Weidle bereits Mitte Januar „auf dem Weg zur Geheimfavoritin“ in der Königsdisziplin. Doch über diesen Status ist Weidle nach Platz drei bei der Generalprobe in Garmisch-Partenkirchen inzwischen hinaus. Alpinchef Wolfgang Maier will die Medaillenträume nicht zu sehr befeuern, er habe schon viele Hoffnungsträgerinnen fallen sehen, sagt er, aber: „Natürlich hat Kira das Potenzial, ums Podium mitzufahren.“

Auch am Berg Areskutan? Weidle will sich nicht zu weit aus der Deckung wagen. „Schaun mer mal, schaun mer mal, schaun mer mal“, sagt sie, aber: „Ich fühle mich auf jeden Fall wohl hier.“ Als Jahrgang 1996 ist Weidle die mit Abstand Jüngste in der Weltspitze, erfahrenere Athletinnen wie Titelverteidigerin Ilka Stuhec (28/Slowenien) oder Olympiasiegerin Sofia Goggia (26/Italien) haben andere Ansprüche. „Topfavorit bin ich nicht, deshalb kann ich auch entspannt an die Sache rangehen“, sagt sie, „ich bin absolut in der Angreiferrolle. Am Ende zählen die Medaillenränge – und die werden auch Vollgas attackiert.“

Die letzte Lockerheit holte sie sich am freien Freitag, als sie auf einen Start in der Kombination verzichtete. „Ausschlafen, Kombi anschauen, keine Verpflichtungen. Ich will für das Highlight parat sein“, sagt sie. Aus Sicht ihrer Teamkolleginnen bringt die gebürtige Stuttgarterin alles mit für einen Coup. Michaela Wenig nennt sie „jung, frech, unbekümmert“, Meike Pfister meint: „Die Kira ist eine coole Socke und scheißt sich nix.“ Anders formuliert: Weidle traut sich was – und das ist für eine Abfahrerin nicht die schlechteste Eigenschaft.

„Das Mädel“, sagt Cheftrainer Jürgen Graller, „bringt für die Abfahrt alles mit. Sie hat enormes Potenzial. Wenn bei ihr alles zusammenpasst, haben wir mit ihr noch viel Freude.“ Das deutete Weidle spätestens zum Saisonstart an, als sie in Lake Louise/Kanada als Dritte erstmals aufs „Stockerl“ raste.

Siegeswille, Professionalität, mentale Stärke – Weidle besitze alle Charakteristika eines Champions, sagt Graller: „Das habe ich alles so in dem Alter selten erlebt.“ Auch bei ihrer erst zweiten WM spüre er keine Nervosität bei Weidle. „Sie ist fokussiert, sie ist cool, sie weiß, dass sie die Strecke im Griff hat“, sagt er.

Damit im letzten Moment nicht doch noch ein bisschen Unruhe aufkommt, hat Graller Weidle geraten, „dass sie mit Spaß fahren und das genießen soll. Keiner erwartet, dass sie aufs Podium fahren muss. Sollte es nicht funktionieren, geht überhaupt nicht die Welt unter.“ Weidle, betont er, sei schließlich erst 22. (sid)

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