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Angelique Kerber: Deutschlands erste Wimbledon-Siegerin seit Steffi Graf

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Andreas Apetz

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Angelique Kerber hat bereits drei Grand-Slam-Siege geholt.
Angelique Kerber hat bereits drei Grand-Slam-Siege geholt. © Petr David Josek/dpa

Angelique Kerber ist aktuell die beste deutsche Tennisspielerin. Alles, was Sie über den Tennisprofi wissen müssen.

Bremen – Im deutschen Tennissport ist Angelique Kerber seit Jahren die unangefochtene Nummer Eins. Der Durchbruch gelang ihr 2016 nach ihrem Sieg bei den Australian Open. Seither gilt die Bremerin als deutsche Hoffnung bei jedem Grand-Slam-Turnier.

Die weltweiten Erwartungen an Angelique Kerber nahmen zu, als sie mit dem Gewinn der US Open die Tennisveteranin Serena Williams von der Weltspitze ablöste. Doch die Folgejahre verliefen holprig für Kerber und mittlerweile ist auch ein Platz in den Top-Ten der Weltrangliste alles anderes als selbstverständlich für „Angie“.

Angelique Kerber: Ihre Anfänge als Profi

Angelique Kerber kam am 18. Januar 1988 in Bremen zur Welt. Im Alter von drei Jahren stand sie bereits für ihre Tennisstunden auf Platz und schlug die ersten Bälle übers Netz. Damals wie heute führte Kerber ihren Schläger mit der linken Hand, obwohl sie Rechtshänderin ist. Laut eigener Aussage sei es eine Gewohnheitssache, die sie von Kindesbeinen an so gemacht und nie geändert habe.

In ihrer Jugendspielzeit war Kerber bereits sehr erfolgreich. Der mehrfache Gewinn der deutschen und polnischen Meisterschaft führten dazu, dass sie schon in jungen Jahren in der Weltrangliste aufgeführt wurde. 2003 spielte sie erstmals bei der Grand-Slam-Junior-Serie mit, wo ihr bei den Australian Open sogar der Einzug ins Viertelfinale gelang. Von nun an stand Kerber nur noch bei professionellen Turnieren auf dem Platz. Nach den Siegen bei mehreren Wettbewerben der ITF Women’s World Tennis Tour schaffte es Angelique Kerber 2006 endlich ins Hauptfeld der Women’s Tennis Association (WTA), der wichtigsten Vereinigung professioneller Tennisspielerinnen.

NameAngelique Kerber
Geburtsdatum18. Januar 1988 in Bremen, Deutschland
Größe und Gewicht173 cm, 68 kg
SpielhandLinks, beidhändige Rückhand
Karrierebilanz, Einzel (Stand: März 2022)662:355

Ein Jahr später nahm Angelique Kerber erstmals an den großen Grand-Slam-Turnieren teil. Doch der Erfolg blieb aus: Sowohl bei den French Open als auch bei den Wimbledon Championships und den US Open scheiterte die aufstrebende Tennisspielerin bereits in der ersten Runde. Ihre soliden Leistungen bei den anderen Turnieren der WTA brachten sie Ende 2007 jedoch auf den 67. Platz der Weltrangliste. Der ganz große Durchbruch wollte Kerber in den darauffolgenden Jahren nicht gelingen. Bis 2011 hatte sie sich im Mittelfeld der Top 100 der Weltrangliste festgesetzt. Ihre beste Leistung lieferte sie bei den US Open 2011 ab, wo sie nach 15 Jahren als erste Deutsche wieder das Halbfinale erreichen konnte.

Angelique Kerbers Durchbruch 2012: Wimbledon Halbfinale und der Aufstieg in die Top 5

Das Jahr 2012 sollte schließlich die Kehrtwende einläuten. Anfang Februar gewann Kerber ihr erstes WTA-Turnier in Paris und bewies sich bei weiteren Wettbewerben gegen die größten Namen der Tenniswelt. Bereits im März hatte sie sich auf den 14. Platz der Weltrangliste vorgekämpft. In Kopenhagen gelang ihr im April der zweite WTA-Turniersieg. Und das Jahr sollte erfolgreich weitergehen: Kerber erreichte mehrere Endspiele der WTA-Tour, zog in das Viertelfinale bei den French Open ein und schaffte es bei den Wimbledon Championships sogar bis ins Halbfinale. Am Jahresende stand Kerber nicht nur als beste deutsche Tennisspielerin da, sondern gehörte mit Platz fünf der Weltrangliste nun offiziell zur Elite der Tenniswelt.

Die darauffolgenden Jahre konnte Kerber an ihre Leistungen von 2012 weiter anknüpfen. Der große Coup sollte jedoch erst später kommen, bei den großen Turnieren war meist schon im Viertelfinale Schluss. Trotzdem etablierte sich der deutsche Tennisprofi weiterhin als Teil der Weltspitze und stand die folgenden Spielzeiten weiterhin immer in den Top-Ten der WTA-Rangliste. Die Saison 2015 beendete die Bremerin nach dem Gewinn von vier WTA-Titeln auf dem 10. Weltrang.

Tennissaison 2016: Kerbers Jahr für die Ewigkeit

2016 sollte das beste Jahr in Kerbers Karriere werden. Die Saison startete sie mit dem Einzug in das Finale bei den Brisbane International. Mit viel Rückenwind ging die Weltranglisten Zehnte in die Australian Open. Nachdem Kerber bereits in der ersten Runde kurz vor dem Aus gestanden hatte, erreichte sie schließlich doch das Finale. In Melbourne stand sie nun der Nummer Eins aus Amerika gegenüber – Serena Williams. In drei Sätzen gelang ihr die Sensation: Kerber schlug die Grand-Slam-Rekordgewinnerin und schnappte sich ihren ersten großen Titel.

Angelique Kerber nach ihrem Sieg bei den US Open 2016
Angelique Kerber nach ihrem Sieg bei den US Open 2016. (Archivfoto) © Shutterstock/Imago Images

Auf dem Rasenplatz der Church Road in Wimbledon trafen die beiden Kontrahentinnen erneut in einem Finalspiel aufeinander. Diesmal setzte sich die erfahrenere Williams gegen Kerber durch, welche zum ersten Mal in London das Finale erreicht hatte. Bei den Olympischen Sommerspielen holte sie dann für Deutschland die Silbermedaille. Gold ging an Karolína Plíšková, die für Tschechien angetreten war.

Beflügelt von dem Erfolg bei den Sommerspielen erreichte Angelique Kerber im Anschluss problemlos das Finale der US Open. Durch den Sieg von Karolína Plíšková im Halbfinale über die Weltranglistenerste Serena Williams stand fest, dass Kerber am 12. September 2016 als zweite deutsche Tennisspielerin nach Steffi Graf die Weltrangliste anführen würde. Mit dem Sieg im entscheidenden Match gegen Plíšková holte Kerber ihren zweiten Grand-Slam-Titel. Gekrönt wurde der Saisonabschluss mit dem Finaleinzug bei den WTA Championships.

Angelique Kerber: Wimbledon-Sieg und der Abstieg in die Top-20

Im Jahr 2017 hatte Kerber mit ihren eigenen Leistungen zu kämpfen. Das Anknüpfen an die sensationellen Erfolge der Vorsaison gelang ihr nicht. Erstmals seit 2012 war keine Steigerung, sondern ein deutliches Formtief bei der deutschen Tennisspielerin zu erkennen. Bei keinem Turnier konnte sie ihrer Favoritenrolle gerecht werden, geschweige denn ihren Titel verteidigen. Am Ende des Jahres stand Kerber auf einem enttäuschenden 21. Weltranglistenplatz.

Doch auf den Leistungseinbruch sollte eine kleine Erfolgsserie folgen: Kerber startete das Jahr 2018 mit 14-Einzelsiegen in Folge und gewann in Sydney ihr erstes WTA-Turnier seit den US Open 2016. Der Auftakt in die Rasenplatz-Saison erwies sich für Kerber als durchwachsen. Auf Mallorca schied sie bereits in der ersten Runde aus. Bei der „Generalprobe“ für Wimbledon beim Turnier in Eastbourne erreichte Kerber hingegen das Halbfinale. In London spielte sich die Deutsche bis ins Finale, wo sie wie 2016 auf Serena Williams traf. In zwei Sätzen bezwang sie die Amerikanerin deutlich. Damit gewann nach 22 Jahren und Steffi Grafs letztem Wimbledontitel 1996 erstmals wieder eine deutsche Spielerin das Turnier.

Angelique Kerber fehlen nach dem gewonnenen Finale bei Wimbledon 2018 die Kräfte.
Angelique Kerber fehlen nach dem gewonnenen Finale bei Wimbledon 2018 die Kräfte. (Archivfoto) © Xinhua/Imago Images

Der Sieg von Wimbledon 2018 war Kerbers letzter großer Erfolg. Seither kämpft die Bremerin um einen Platz in den Top Zehn der Welt. Ihr letzter sportlicher Höhepunkt war das Erreichen des Wimbledon-Halbfinals 2021. Einen Titel konnte Kerber seit 2018 zwar nicht mehr holen, trotzdem glauben ihre Fans an ihr Potenzial und einen erneuten Überraschungserfolg – so wie 2016.

Angelique Kerber: Alle Titel und Erfolge (Stand: 25. März 2022)

Grand-Slam-Bilanz (Einzel):3 Titel
Australian Open (1 Sieg)2016
French Open (0 Siege)-
Wimbledon Championships (1 Sieg)2018
US Open (1 Sieg)2016
WTA-Bilanz (Einzel):10 Titel
WTA Finals-
WTA 1000-
WTA Tour10 Titel
Gesamt-Bilanz (Einzel):13 gewonnene Titel

Angelique Kerber: Vermögen, Persönliches und Privatleben

Angelique Kerber hat polnische Wurzeln väterlicherseits und ist mit dem deutschen Nachbarland sehr verbunden. Kerber bezeichnet Puszczykowo an der Warthe in Polen als ihr „zweites Zuhause“ und verlegte Ende 2012 ihren Wohnsitz von Kiel dorthin. 2007 stand die junge Sportlerin in der Kritik, da sie das Angebot des polnischen Tennisverbands, für das Heimatland ihres Vaters aufzulaufen, ignoriert hatte.

Nach ihrer überragenden Saison 2017 stand Angelique Kerber mit Einkünften in Höhe von 12,6 Millionen US-Dollar hinter Serena Williams auf Platz zwei der bestverdienensten Athletinnen der Welt des Forbes-Magazines. Ihr gewonnenes Karriere-Preisgeld wird auf rund 31,5 Millionen US-Dollar geschätzt. (Andreas Apetz)

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