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Sein Vertrag läuft noch bis 2016. Es stellt sich die Frage: Wie lange spielt Bastian Schweinsteiger noch für den FC Bayern München?

Bastian Schweinsteiger

Anführer auf Abruf

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Für Bastian Schweinsteiger scheint nicht nur vor dem DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund im zentralen Mittelfeld von Bayern München kein Platz zu sein.

Es dauerte eine ganze Weile, bis Bastian Schweinsteiger vom Rasen schritt. Da wollte einer partout nicht im Souterrain der Arena verschwinden. Erst als seine Kollegen nach dem Meisterstück am Samstag abgetaucht waren, Schweinsteiger auch die letzten Huldigungen der Fans aufgesaugt hatte wie ein Honigbienchen den leckeren Nektar, schlich der 30 Jahre alte Titelhamster mit erhobenem Daumen vom Platz. Niemand weiß, was Bastian Schweinsteiger in diesem Moment dachte. Der Mann redet momentan nicht viel. Schon gar nicht mit Journalisten. Irgendwie vermittelte da einer den Eindruck, als wisse er nur zu gut, dass er trotz seines gelungenen Comebacks inklusive Siegtor in der Liga gegen Hertha BSC heute Abend im Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund (20.30 Uhr, ARD) aller Voraussicht nach seinen Platz nur auf der Bank findet.

Es klingt im ersten Moment verblüffend und ist doch real: Bastian Schweinsteiger ist beim FC Bayern München im Frühjahr 2015 nicht mehr erste Wahl. Das hängt zum einen natürlich mit seinem jüngsten gesundheitlichen Problemen zusammen. Ein Kapselriss am Fuß und ein grippaler Infekt warfen ihn mal wieder zurück. Das ist aber eben nur ein Grund. Der andere heißt Pep Guardiola. Der Trainer des FC Bayern lobt den Kapitän der deutschen Nationalmannschaft zwar gerne als „große Persönlichkeit“. Das war auch am Samstag nicht anders. In Guardiolas ganz persönlichem Matchplan für die großen Spiele in den kommenden Wochen ist Schweinsteiger nicht mehr erste Wahl im dicht besiedelten Mittelfeld des FC Bayern.

Bei Löw unumstritten

Nicht erst seit dem grandiosen 6:1-Sieg im Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Porto sind die Rollen klar verteilt. Die Antwort auf die zentrale Frage im Mittelfeld heißt Thiago. Er ist und bleibt des Trainers Liebling. Mit seiner überragenden Vorstellung gegen den portugiesischen Meister festigte er seinen ohnehin unumstrittenen Stammplatz. Neben ihm überzeugte Philipp Lahm ebenso wie Xabi Alonso dahinter auf der Sechs. Wo also wäre da noch Platz für einen wie Schweinsteiger?

In der Nationalmannschaft ist er der Sechser, der Anführer, der Kapitän. Anders als Guardiola setzt Bundestrainer Joachim Löw auf Schweinsteigers Qualitäten. Dessen aufopferungsvoller Auftritt im WM-Finale im Maracanã hat deutliche Spuren hinterlassen. Tränenreich lagen sich Löw und Schweinsteiger nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft in den Armen. Aus diesem Triumph erwuchs eine echte Männerfreundschaft. Eine eng geknüpfte Bande, die zumindest bis zur Europameisterschaft im kommenden Jahr in Frankreich untrennbar scheint.

Zu Hause in München ist das anders. Beobachter wollen atmosphärische Störungen zwischen Guardiola und Schweinsteiger ausgemacht haben. Die starke spanische Fraktion innerhalb des FC Bayern hat längst das Kommando übernommen an der Säbener Straße. Das Duell um die Sechser-Position hat Schweinsteiger gegen Alonso vorerst verloren. In allen Spielen, in denen Schweinsteiger und der Spanier gemeinsam auf dem Platz standen, durfte der ehemalige Stratege von Real Madrid im zentralen defensiven Mittelfeld die Fäden ziehen, Schweinsteiger hingegen wich auf die ungeliebte offensivere Position auf der Acht aus. Und selbst da ist eben nach Thiagos Rückkehr mit Grandezza kein Platz mehr für den erfolgreichsten deutschen Titelsammler. Achtmal ist Schweinsteiger nun schon deutscher Meister geworden, dazu gewann er siebenmal den DFB-Pokal. Insgesamt 15 nationale Titel – das hat vor ihm noch keiner geschafft. Sein Vertrag läuft noch bis 2016. Weitere Pokale könnten also noch folgen. Könnten, müssen aber nicht.

Verhandlungen auf Eis

Die bereits vor der WM in Brasilien angekündigten Vertragsverhandlungen liegen offenkundig auf Eis. Das ist ungewöhnlich bei einem Mann seines Kalibers. Dieser Umstand befeuert natürlich Gerüchte, Schweinsteiger könnte schon bald den FC Bayern verlassen. Der „Kicker“ berichtete unlängst von Avancen aus der US-amerikanischen Major League Soccer. Schweinsteiger machte nie ein Hehl daraus, auch mal im Ausland spielen zu wollen. „Ich bin nicht mit dem FC Bayern verheiratet“, sagte er schon vor Jahren in einem Interview. „Ich möchte auf jeden Fall noch die Auslandserfahrung machen.“

Wann es soweit sein könnte? Ex-Bayern-Star Didi Hamann geht jedenfalls davon aus, „dass Schweinsteiger im kommenden Jahr nicht mehr für den FC Bayern spielen wird“. Eine sehr ambitionierte Sicht. Viel wahrscheinlicher erscheint nämlich, dass der seit seinem 13. Lebensjahr für den FC Bayern spielende Schweinsteiger sich erst nach der EM einer neuen Herausforderung suchen wird. Bis dahin möchte und muss er sich auf höchstem Niveau beweisen. Vorausgesetzt, Pep Guardiola lässt ihn.

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