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Heißblütig: Fans im Stadion von Werder Bremen (Symbolfoto)
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Heißblütig: Fans im Stadion von Werder Bremen (Symbolfoto)

Angriff auf linke Werder-Fangruppe

Amtliches Angebot an Hooligans

  • VonEckhard Stengel
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Vier Jahre nach dem Überfall auf die linke Werder-Fangruppe „Racaille Verte“ im Weser-Stadion stehen sieben rechte Hooligans vor Gericht - und dürfen ein mildes Urteil erwarten.

Vier Jahre nach dem Überfall auf die linke Werder-Fangruppe „Racaille Verte“ im Weser-Stadion stehen sieben rechte Hooligans vor Gericht - und dürfen ein mildes Urteil erwarten.

Es war ein brutaler Überfall aus politischen Motiven – aber die mutmaßlichen Täter kommen strafrechtlich wohl mit einem blauen Auge davon, wie nach einer Kneipenprügelei. Heute entscheidet das Amtsgericht Bremen, ob ein Prozess gegen sieben rechte Hooligans mit milden Geldstrafen endet.

2007 hatten etwa 20 Rechte eine Feier der linken Werder-Fangruppe „Racaille Verte“ („Grünes Gesindel“) im Weserstadion überfallen und einige Gäste verletzt. Die Opfer trauten sich erst nach Monaten, als Zeugen auszusagen. 2010 wurden sieben Verdächtige wegen gefährlicher Körperverletzung und schweren Hausfriedensbruchs angeklagt. Das Landgericht schätzte den Fall als nicht gravierend ein und gab ihn ans Amtsgericht ab.

Dessen Richter schlugen schon am ersten Prozesstag einen Deal vor: Wenn die Angeklagten geständen, bekämen sie nur Geldstrafen von 30 bis 90 Tagessätzen in noch unbestimmter Höhe, zum Teil auf Bewährung – die denkbar mildeste Bestrafung. Das Gericht begründete seinen Vorschlag mit der „nicht unproblematischen Beweislage“; außerdem wirke die lange Verfahrensdauer strafmindernd. Im Klartext: Lieber ein mildes Urteil sofort als monatelanges Prozessieren mit über 60 Zeugen und unklarem Ausgang.

Schlag ins Gesicht

Für die „Racaille Verte“ ist das ein Schlag ins Gesicht. Statt eines klaren Zeichens gegen gewalttätige Neonazis würden deren Gegner im Stich gelassen, sagen sie. Auch die Linke klagte: „Amtliche Milde für neonazistische Hooligans verhöhnt die Opfer rechter Gewalt.“

Der Fraktionschef der mitregierenden Grünen, Matthias Güldner, sah sogar einen handfesten Justizskandal - wegen der angebotenen „lächerlichen Strafen“ für teils „altbekannte Neonazis“ und auch wegen der Umstände im Gerichtsgebäude: Rechte hätten ungehindert Linke bedroht und fotografiert.

Das Gericht wies diesen Vorwurf zwar zurück, hat aber Vorkehrungen für den Verhandlungstag am heutigen Donnerstag getroffen. Besucher müssen Fotohandys abgeben, bevor sie mitverfolgen dürfen, ob Anklage und Verteidigung dem Deal zustimmen.

Justiz-Staatssekretär Matthias Stauch (SPD) wirbt um Verständnis für die „äußerst erfahrenen Richter“. Er könne zwar die Opfer verstehen, sagte er der FR. Aber drastische Strafen seien ohnehin nicht zu erwarten gewesen. Die meisten Angeklagten seien nicht groß vorbestraft und die Körperverletzungen nicht schwerer als ein Nasenbeinbruch und ein blaues Auge.

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