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Guards im Gleichschritt: DaShaun Wood (l.) und Heiko Schaffartzik.
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Guards im Gleichschritt: DaShaun Wood (l.) und Heiko Schaffartzik.

Alba Berlin

Allianz der Rivalen

Albas Erfolge resultieren auch aus dem guten Zusammenspiel der Regisseure Wood und Schaffartzik

Von Christian Schwager

Turnschuhe, Shorts, ein T-Shirt, unter dessen Kragen eine Silberkette hervorschaut: Gordon Herbert erscheint wie immer zur morgendlichen Übungseinheit in Albas Trainingshalle. Er hält einen Becher in der Hand, der diesmal nicht mit Tee, sondern mit Kaffee gefüllt ist. Seine Stimme klingt belegt, er wirkt müde. Der Coach erzählt vom emotionalen Sieg am Wochenende beim FC Bayern und von der mental anspruchsvollen Aufgabe am heutigen Dienstag, wenn Turow Zgorzelec zum Eurocup-Duell in der Arena am Ostbahnhof gastiert (20 Uhr). Bisher haben sie ihr schweres Programm gut gemeistert. Irgendwann kommt Herbert auch auf einen der Gründe dafür zu sprechen. Er erzählt eine kleine Geschichte. Sie hat sich bei seinem Amtsantritt im Sommer zugetragen und beginnt mit der Frage: „Was ist mit Heiko?“

Heiko Schaffartzik, so weit ist die Sache damals klar, ist Spielmacher der Berliner Basketballer mit einem Vertrag für diese Saison. Er gehört zu dem Teil des Kaders, den Herbert übernimmt, weshalb er nun gefragt wird, was er mit Schaffartzik anzufangen gedenke. Schließlich hat der Coach Da-Shaun Wood von den Frankfurt Skyliners mit zu Alba gebracht, den MVP der abgelaufenen Saison, den Wertvollsten Spieler der Bundesliga (BBL) – ein Regisseur auch er. Herbert sagt: „Eine Spitzenmannschaft braucht zwei Spielmacher auf Spitzenniveau.“

Belebende Wirkung

Wenn dieser Tage davon die Rede ist, dass Alba immer besser in Gang kommt, fällt der Name Da-Shaun Wood. Er mache den Unterschied, eine Feststellung, die durch die Statistik untermauert wird. Gegen die Bayern erzielte er 27 Punkte, sammelte sechs Rebounds und gab fünf Korbvorlagen. Er ist mit 17,0 Punkten durchschnittlich bester Werfer der Berliner in der BBL, ihr bester Vorlagengeber (5,6) und Balldieb (1,4), er ist ihr Effektivster. Gleichzeitig jedoch profitiert Wood sehr vom zweiten Mann auf seiner Position.

Bereits im Training macht sich die Doppelspitze bezahlt, wie Schaffartzik berichtet: Wenn die beiden Lenker gegeneinander antreten. „Wenn gezählt wird, wenn es ums Gewinnen geht.“ Dann schenken sie sich keinen Zentimeter. Von einer belebenden Konkurrenzsituation spricht Trainer Herbert, die Wirkung aufs Berliner Spiel habe. Vor allem in umkämpften Phasen wie jetzt wieder bei den Bayern oder am Wochenende zuvor beim Heimsieg gegen den Meister Bamberg. Dann würden beide die Konkurrenzsituation auf den Gegner übertragen, sagt Herbert. „Very competetive“, findet der Kanadier seine Spielmacher; sie stünden exemplarisch für die Hartnäckigkeit des ganzen Teams.

Belebend wirken Wood und Schaffartzik auf Albas Spiel insbesondere dann, wenn sie gemeinsam auf dem Parkett stehen. „Man sieht, dass sie sehr gut harmonieren“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi. Zu Beginn der Saison hatte Gordon Herbert noch Bryce Taylor zum „energy-man“ unter den Guards ernannt: zum Rollenspieler, der in eine laufende Begegnung eingewechselt wird, um Impulse zu geben. Mittlerweile, sagt der Trainer, sei Schaffartzik sein Mann für die Energie.

Gespür fürs Tempo

„Er und Wood zusammen“, sagt Baldi, „das ist vor allem die Kombination, um unser Spiel zu stabilisieren.“ Zum Beispiel dann, wenn die gegnerische Defensive Wood massiv unter Druck setzt in der Annahme, mit Albas Anführer auch gleich sein gesamtes Team aus dem Takt zu bringen. „Heiko und DaShaun können sowohl das Spiel lenken als auch punkten“, sagt Albas Teammanager Mithat Demirel. Sich nur auf Wood zu konzentrieren, ist daher riskant. Als etwa Bamberg versuchte, mit einer Zonen-Deckung das Berliner Offensivkonzept zu durchkreuzen, war es Schaffartzik, der diese Strategie per verwandeltem Distanzwurf zunichte machte.

Demirel ist selbst in seiner aktiven Zeit ein Regisseur gewesen, aus seiner Warte sind sich Wood und Schaffartzik sehr ähnlich. „Sie haben das gleiche Gespür dafür, wann sie das Spiel langsamer machen müssen und wann schneller.“ Wood und Schaffartzik sind zudem stark in der Defensive, sie können mit vereinten Kräften den Aufbau des Gegners durcheinander bringen. Insgesamt findet Demirel: „Wir sind mit zwei guten Spielmachern schwerer auszurechnen.“

Am Anfang mussten sie sich selbst noch an das Rollenspiel gewöhnen. „Dass das nicht sofort reibungslos funktionieren kann, war klar“, sagt Demirel. Schaffartzik meint allerdings: „Wir haben uns inzwischen verbessert, aber wir können uns noch weiter verbessern.“ Und wie? Er zuckt mit den Schultern: „Keine Ahnung.“ Ein Spielmacher, der nicht über sein Spiel nachdenkt, der auf den Platz läuft, einfach so? „Genau.“ Soll wohl heißen: Den Kopf sollen sich andere zerbrechen. Auch eine Antwort auf die Frage: „Was ist mit Heiko?“

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