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Alle, wirklich alle, hören auf sein Kommando: Otto Rehhagel.
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Alle, wirklich alle, hören auf sein Kommando: Otto Rehhagel.

Griechenland bei der EM

Alles wie gehabt

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Bei den Griechen ist Otto Rehhagel nach wie vor unumschränkter Herrscher - die Methoden sind die alten.

Für Rotsias Apostolos bietet sich dieser Tage eine vortreffliche Gelegenheit, Nützliches und Angenehmes miteinander zu verbinden. In der Geleitstraße in Offenbach führt der gebürtige Grieche einen Kiosk, doch anzutreffen ist der 51-Jährige derzeit eher vor der Wintersporthalle in Frankfurt an der Otto-Fleck-Schneise.

Apostolos ist Fan der griechischen Nationalmannschaft, er trägt ein verwaschenes hellblaues Torwarttrikot mit der Aufschrift "Nikopolidis", in der Hand hält er eine Auswahl griechischer Zeitungen. Die verkauft er seinen Idolen beim Einsteigen in den Bus, nachdem die Herren zuvor unter Anleitung von Otto Rehhagel auf einem abgeschirmten Platz vor der Frankfurter Arena geschwitzt haben.

Nur wenige in der Mainmetropole wissen von der Präsenz des amtierenden Europameisters - die Termine sind geheim und das Training sowieso. Rehhagel mag keinen Rummel. Da bleibt der gebürtige Bergarbeitersohn aus Essen seinen Methoden und Marotten treu. Hotel und Trainingsplatz sind Tabuzonen - das Kempinski Hotel in Gravenbruch, mag betreten, wer will: bloß keine Journalisten.

Verängstigt weisen selbst die Spieler auf diesen Umstand hin, den Andreas Naumis, der Reporter vom staatlichen TV-Sender ERT, klaglos akzeptiert. "Wir kennen Otto nicht anders: Er hat damit Erfolg." Naumis und Kollegen stehen die Spieler nur kurz am Seiteneingang Rede und Antwort, während Rehhagel wort- und grußlos in den Bus hastet. Vor dem Testspiel am Sonntag in Offenbach gegen Armenien (20.15 Uhr) möchte Rehhagel nicht reden.

Pressekonferenzen, bei anderen EM-Teilnehmern obligatorisch, halten die Griechen nicht für notwendig - auf Geheiß von König Otto. Hatte er nicht nach dem 2:3 in Budapest gegen die Ungarn genug gesagt? "Wir haben geglaubt, es ist ein Freundschaftsspiel, aber die Ungarn haben gekämpft, als wär's die Europameisterschaft. Diese Niederlage war eine Warnung zur rechten Zeit." Mehr muss die Öffentlichkeit nicht wissen.

"Rehakles" thront bei den Hellenen über allen. "Otto ist unser Chef und unser wichtigster Mann", berichtet Angelos Charisteas, der den Außenseiter vor vier Jahren mit drei Toren zum Titel schoss. "Wir hören alle auf ihn." Zehn der Helden von 2004 sind wieder berufen. Den 18-jährigen Überflieger Sotiris Ninis schickte der große Meister heim - nachdem der Youngster gegen Zypern nach fünf Minuten ein Tor geschossen hatte.

Charisteas ist seit dem Titelgewinn von Bremen über Amsterdam und Rotterdam nach Nürnberg gewechselt, doch wirklich glücklich war er in dieser Zeit immer nur unter Rehhagels Obhut. Nun sucht er wieder einen neuen Klub - und die EM ist sein Schaufenster. "Wir sind sogar stärker als 2004", glaubt Charisteas. "Aber das ist Theorie. Entscheidend ist auf dem Platz." Das hätte der Übervater nicht besser formuliert.

Die Übereinstimmung ist kein Zufall: Wenn Rehhagel nicht gerade mit seinem Deutsch sprechenden Co-Trainer Ioannis Topalidis kommuniziert, tauscht er sich mit Charisteas aus. Der Altmeister kann noch immer kein Griechisch. Als sich Traianos Dellas und Sotirios Kyrgiakos, seine hünenhafte wie unbewegliche Innenverteidigung, falsch positionieren, brüllt Rehhagel: "Change, change!" Alle Viertelstunde unterbricht der 69-Jährige den Kick. Dann ruft er seine Spieler im Kreis zusammen und redet auf sie ein - emotional, lebhaft, gestenreich.

Nach einem Foul an Charisteas entbrennt eine Diskussion um einen Strafstoß. Rehhagel rennt auf den Platz: "Foul im Strafraum. Elfmeter, ist doch klar!" Dann belehrt er nacheinander Torwart, Schütze und Verteidiger. Von moderner Trainingslehre hält der Mann nicht viel, der Inhalt des Übungsbetriebs 2008 sieht aus wie in den 80er- und 90er-Jahren in Bremen oder Kaiserslautern: Aufwärmen, Spielen. Letzteres ausufernd lang. Kioskbesitzer Apostolos glaubt, dass es damit auch am 10. Juni zum EM-Auftakt in Salzburg gutgeht: "Wir schlagen im ersten Spiel die Russen und kommen wieder ins Finale. Diesmal gegen Deutschland." Er lacht.

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