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Trainiert ab nächster Woche in Polen: Angelique Kerber.

Angelique Kerber

"Alles fängt bei mir an"

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Angelique Kerber will mit ihrem neuen Trainer Rainer Schüttler konstant erfolgreich sein.

Die erste Frage betraf dann doch nicht den neuen Mann an ihrer Seite, sondern es ging um die andere „Angie“ der Republik. Und Angelique Kerber vermittelte im Konferenzsaal „Gereon 3“ eines Kölner Bürohauses den Eindruck, als ob sie es kaum erwarten könne, über die Begegnung der besonderen Art zu berichten. Kerber und Merkel, die beiden landesweit wohl bekanntesten „Angies“, waren sich am vergangenen Wochenende am Rande einer Sponsorenveranstaltung in Berlin erstmals über den Weg gelaufen.

„Wir haben nur ganz kurz gesprochen, und sie hat mir zum Wimbledonsieg gratuliert. Sie sagte, sie hätte das Turnier verfolgt“, berichtete Kerber, die seit dem Wochenende ihren Urlaub unterbrochen hatte, um ein paar Termine wahrzunehmen. Dass Bundeskanzlerin Merkel beim Plausch mit der 30-Jährigen die berühmte Raute formte, durfte die Weltranglistenzweite durchaus als Kompliment betrachten.

Rainer Schüttler allerdings, der neue Coach an der Seite von Kerber, verpasste am Mittwoch die Ausführungen seiner Chefin im Rahmen einer Präsentation. Der Hesse urlaubt derzeit mit seiner Familie auf den Malediven. Genau dort hatte auch Kerber nach einer für sie so besonderen Saison 2018 zehn Tage lang die Seele baumeln lassen. Ohne allerdings ihren neuen Coach zu treffen.

Die identische Wahl des Ferienziels ist vielleicht nur Zufall, ein Randaspekt – aber irgendwie auch ein Indiz dafür, wie ähnlich die Beiden doch ticken. „Rainer erfüllt alle Kriterien. Er hat als Spieler und Coach schon selbst Erfahrungen gesammelt. Er hat zwar noch niemanden auf der WTA-Tour trainiert, aber das wird kein großer Wechsel für ihn“, betonte die Linkshänderin. Auch menschlich passe es. „Mit Rainer kann man Spaß haben – und ihm vertrauen.“ Ganz wichtig für eine wie Kerber.

Die dreimalige Major-Siegerin stellte aber auch klar, dass sie selbst natürlich weiter die tragende Rolle im „Team Angie“ spielen werde. „Alles fängt bei mir an. Wenn ich nicht motiviert bin, ist es egal, ob es der beste oder schlechteste Trainer ist.“ Sie brauche Schüttler nicht, um erfolgreich Tennis zu spielen, „sondern um konstant erfolgreich zu bleiben.“

Bevor Schüttler eingreift, wird sein neuer Schützling ab nächster Woche in Polen erst einmal fünf Tage lang intensive Fitnesseinheiten absolvieren. Die Mission 2019 startet offiziell, wenn am ersten Weihnachtsfeiertag der Flieger in Richtung Australien abhebt. In Perth bildet Kerber zusammen mit ATP-Weltmeister Alexander Zverev das „Team Germany“. Per WhatsApp hatte sie ihm am Sonntag zu seinem bislang größten Titel gratuliert.

Schüttler war Kerbers Wunschtrainer

Mit Unverständnis nahm die Wimbledon-Queen Behauptungen zur Kenntnis, Zverev und sie würden die deutschen Fans nicht berühren. Kerber spürt, dass sie die Herzen der Menschen erreicht, „Zverev und ich sind gute Vorbilder für die jungen Spieler.“ Auch Schüttler war einer, der sich abseits des Courts mit großen Sprüchen zurückhielt und auf dem Platz Taten sprechen ließ. „Der Rainer“ sei der „perfekte Coach für Angie“, findet Bundestrainerin Barbara Rittner.

Kerber und Schüttler sind auch charakterlich aus demselben Holz geschnitzt sind. Menschlich top, aber manchmal auch Typ Trotzkopf mit dem Hang zur Selbstzerstörung auf dem Court.

Schüttler war der absolute Wunschtrainer von Kerber und ihrem Manager Aljoscha Thron. Internationale Coaches wie der ehemalige Scharapowa-Einflüsterer Sven Goeneveld kamen nicht infrage, weil die Kielerin mit ihrem wichtigsten sportlichen Mitarbeiter auf deutsch kommunizieren möchte.

DTB-Vizepräsident Dirk Hordorff, der Schüttler einst zum Weltklassespieler formte und dem inzwischen promovierten Mediziner Thron das ABC des Tennis-Managements beibrachte, ist sich sicher: „Für keine andere als Angie wäre Rainer auf die Frauentour gewechselt“. 

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