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Alex Alves ist im Alter von 37 Jahren gestorben.

Ex-Hertha-Star erleidet Krebsleiden

Alex Alves: Ein Held bis zum Schluss

Der ehemalige Hertha-Profi Alex Alves, Schütze des Tor des Jahres 2000, ist im Alter von 37 Jahren an Leukämie gestorben. Er hinterlässt seine Ex-Frau Nadja Franca und Tochter Alexandra, die 1999 in Berlin geboren wurde.

Von Michael Jahn

Es war ein unglaublicher Schuss, den viele Zuschauer im Berliner Olympiastadion gar nicht richtig mitbekommen hatten, weil er so überraschend kam. Als der Brasilianer Alex Alves an jenem 30. September 2000 im Bundesligaspiel von Hertha BSC gegen den 1. FC Köln nach einem Kölner Treffer beim Wiederanstoß am Mittelkreis das kurze Zuspiel von Michael Preetz annahm, ausholte und ohne Anlauf den Ball in hohem Bogen Richtung Kölner Tor schoss, hatte er den kuriosesten Treffer seiner Karriere erzielt. "Das war das schönste Tor in meinem Leben", sagte Alves später einmal im Rückblick.

Dieser Schuss, abgegeben aus exakt 52,10 Metern Entfernung, wie akribische Nachmessungen ergaben, machte Alves in Berlin und in der Bundesliga berühmt. Der Treffer wurde zuerst zum Tor des Monats September gewählt und später in der ARD zum Tor des Jahres 2000 gekürt. Nun ist der Schütze am Mittwoch im Alter von nur 37 Jahren in seiner Heimat gestorben.

Alves war schon lange an Leukämie erkrankt. Der Tod sei am Mittwoch früh um 8.40 Uhr (Ortszeit) eingetreten, bestätigte eine Sprecherin des Hospitals Amaral Carvalho in Jaú im Bundesstaat São Paulo. Alves lag seit Oktober im Krankenhaus.

Als sein ehemaliger Verein Hertha BSC, wo er von 2000 bis 2003 spielte und in 81 Erstliga-Duellen 25 Tore schoss, vor wenigen Wochen von der schweren Krankheit erfuhr, richtete der Klub ein Spendenkonto unter dem Motto "Herthaner helfen Alex" ein.

Heinz Kressin, einst Hertha-Angestellter, treuer Betreuer und Chauffeur von Alves, der oft wegen Geschwindigkeitsüberschreitung seinen Führerschein verloren hatte, wollte die Original-Medaille für das Tor des Monats, die ihm der Profi geschenkt hatte, versteigern und den Erlös dem verarmten ehemaligen Profi zukommen lassen. Zu spät.

Der Hämatologe des Hospitals in Jaú, Mair Pedro des Souza, sagte dem Internetportal globoesporte.com: "Alves hat heldenhaft gekämpft und in allen Aspekten mitgearbeitet, aber es gab viele Schwierigkeiten." Eine Transplantation sei zwar erfolgreich gewesen, das Knochenmark habe sich erholt, "doch es war zugleich die Ursache dafür, dass der Körper es wieder abstieß."

Alves, der zuletzt ohne größere finanzielle Mittel in Rio de Janeiro lebte, hinterlässt seine ehemalige Frau Nadia Franca und Tochter Alessandra, die 1999 in Berlin geboren wurde.

Teuerster Transfer der Vereinsgeschichte

Michael Preetz, Manager von Hertha BSC, der einst gemeinsam mit Alves stürmte, sagte: "Ich bin total erschüttert. Wir Herthaner hatten alle gehofft, dass sich der Zustand durch die Stammzellenbehandlung bessert und er diese schwere Situation übersteht. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie."

Alves war der erste Brasilianer, den Hertha BSC, damals sogar in der Champions League vertreten, verpflichtete. 15,2 Millionen Mark (rund 7,6 Millionen Euro) überwies Hertha an Cruzeiro Belo Horizonte. Noch heute gilt Alves als der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte. Alves kassierte für einen Dreijahresvertrag mit Gehalt und Handgeld mehrere Millionen Euro.

Doch die Integration des extrovertierten Mannes, der aus einfachen Verhältnissen stammte, gestaltete sich sehr schwierig. Immer wieder fiel er durch Undiszipliniertheiten auf, die man ihm verzieh, weil er immer wieder auch große Momente auf dem Rasen zelebrierte. Sein ehemaliger Mitspieler, der Ungar Pal Dardai, sagte gestern: "Fußballerisch hatte er mit das größte Potenzial von allen Profis, die je in Berlin gespielt haben." Doch es gab eben auch die andere Seite des Alex Alves.

130.000 Euro an Strafen musste er insgesamt wegen Verstößen an den Klub entrichten. Legendär sind seine Ausreden, wenn er zu spät zum Training erschien. Einmal hatte er die Umstellung auf die Sommerzeit verpasst, ein anders Mal ging die Schranke im Parkhaus nicht in die Höhe. Beim Arzt kroch er während eines MRT sogar aus der Untersuchungsröhre, weil er Hunger verspürte.

Alves, der 2003 Berlin verließ und bei seinen anderen Klubs nie wieder richtig Fuß fasste, konnte die Trennung von seiner Frau Nadia nicht verkraften – seelisch und auch finanziell. Im Juni 2007 tauchte er in Deutschland auf und spielte bei Alemannia Aachen zur Probe vor. Dort wurde bei ihm ein äußerst schlechter Gesundheitszustand festgestellt, aber Alves ist damals entgegen des Rates der Ärzte nach Brasilien geflogen und hat sich einer Blutwäsche unterzogen.

Nach seiner letzten Station als Profi beim griechischen Zweitligisten AO Kavala, beendete er 2009 seine Laufbahn. Sein bester Freund bei Hertha BSC, Heinz Kressin, sagte gestern, dass Geld vom Spendenkonto solle doch nun Alves’ Tochter Alessandra zukommen. Sicher eine gute Idee.

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