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Thomas Kurschilgen.

Schwimmen

„Den Aktiven laufen ihre Ziele davon“

DSV-Chef Thomas Kurschilgen spricht über die Herausforderungen für die Schwimmer in Zeiten von Corona und wie der Verband reagiert.

Herr Kurschilgen, wie lange noch werden Schwimmer und Badende auf dem Trockenen sitzen?

Der Leistungssport konnte bereits unter strengen Auflagen an zentralen Standorten trainieren. Nun gibt es eine schrittweise Öffnung für den organisierten Vereins- und Breitensport, der in vielen Facetten in Bewegung kommt.

Welche Vorbereitungen treffen Sie als Verband?

Wir hatten sehr frühzeitig eine Taskforce gebildet, unter anderem mit Experten aus der Medizin. Sie entwickelte Übergangsregeln für leistungssportliches Training und stimmte sie mit den Ländern ab. Dem Vereins- und Breitensport liegt ein DSV-Leitfaden mit sportartspezifischen Corona-Regeln vor als Orientierungsrahmen für die Abstimmungen mit Behörden und Badbetreibern.

Sie fordern für Athleten und Trainer gerade jetzt Aussichten auf Wettbewerbe und Herausforderungen. Warum?

Zur Person

Thomas Kurschilgen (59) ist seit September 2018 Leistungssportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes. Der Offenbacher war Stabhochspringer, er diplomierte als Sportwissenschaftler, Trainer und Betriebswirt. Bis 2017 war er Sportdirektor bim Deutschen Leichtathletik-Verband. FR

Den Aktiven laufen gerade ihre Ziele davon. Durch den Ausfall der Wettbewerbe gibt es zeitnah keine Chance, wettkampfbezogene Prognosen zu erarbeiten und zu überprüfen. Und es fehlt das Wettkampferlebnis. Beides ist aber wahnsinnig wichtig für die Kompetenzentwicklung. Da stehen jetzt sehr viele Fragezeichen.

Wie stellen Sie sich die von ihnen angeregten nationalen Wettbewerbe ab September konkret vor?

Niemand kann sagen, ob es dann Wettbewerbe mit Zuschauern und internationalen Begegnungen geben wird. Dennoch ist es jetzt geboten, für das vierte Quartal ein Wettkampfformat für die olympischen Sportarten in der Spitze und im Nachwuchs zu erarbeiten, das die jeweiligen Deutschen Meisterschaften integriert. Im Schwimmen könnten sie ein erster Qualifikationsschritt für Olympia 2021 sein. Wettkampfnahe Trainingsformen und Wettbewerbe sind wichtig und unerlässlich, um sich zu entwickeln. Das funktioniert auf Dauer alleine über ein Athletik- oder Grundlagentraining nicht.

Der DSV hatte große Ausgaben für Trainingslager die zum Teil abgebrochen werden mussten oder ausfielen, Aktive mussten heimgeholt werden. 2020 ist finanziell gesichert, 2021 auch?

Nach allen Gesprächen mit dem Bundesministerium des Inneren und dem DOSB sehen die Perspektiven für 2021 gut aus. Bereits in diesem Jahr konnten wir durch überzeugenden Konzepte und die WM-Ergebnisse 2019 einen erheblichen Mittelaufwuchs im hohen sechsstelligen Bereich erzielen. Diesen sehen wir auch für 2021 als gesichert an.

Interview: Gerd Schaumburg

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