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Im Vorteil: Der Mannheimer Cody Lampl (l.) gegen Yasin Ehliz.

Adler Mannheim

Dem Thron so nah

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DEL-Rekordmeister Adler Mannheim kann den Titel gewinnen.

Nach menschlichem Ermessen müsste es das gewesen sein. Drei von vier Finalspielen um die Deutsche Eishockey-Meisterschaft hat der EHC München verloren, eine Niederlage noch und der Titel, gewonnen 2016, 17 und 18 wäre weg. Heimrecht in Spiel fünf heute (19.30 Uhr) haben die Adler Mannheim, deren Anhänger am Mittwochabend am Münchner Oberwiesenfeld ein mächtiges Transparent in ihrer Kurve aufgespannt hatten: „Vollendet das Stück. Holt euch den Thron zurück.“ Mannheim ist immer noch der DEL-Rekordmeister und war der letzte Champion, bevor vor drei Jahren die EHC-Ära begann.

Für die Fans ist klar: Heute wird die Serie zum 4:1 vollendet. Weil einfach alles für Mannheim spricht. Der bessere Torhüter: Dennis Endras brillierte mit dem zweiten Shutout der Finalspiele, während sich der Münchner Danny Aus den Birken nach dem 0:4 im vierten Spiel auswechseln ließ. Die Adler bringen einen vollen Kader aufs Eis, zwei Nationalspieler, Marcus Kink und Brent Raedeke, schaffen es nicht mehr unter die besten zwölf Stürmer, sie erleben das Finale von der Tribüne aus. München fehlen fünf Stammspieler (Konrad Abeltshauser, Jason Jaffray, Maximilian Kastner, Justin Shugg, Mark Voakes). Mannheim hat Kraft und verlässliche Scorer wie Andrew Desjardins, Markus Eisenschmid und Ben Smith, München hat ein Abschlussproblem. „Schon die ganzen Playoffs schießen wir wenig Tore“, so Kapitän Michael Wolf. In den vier Finals drei. Und zwei der vergangenen drei Partien blieben torlos.

Doch menschliches Ermessen und Buchmacherdenken (Wer hat den Lauf, wer ist deshalb Favorit?) zählen nicht um diese Jahreszeit der Entscheidungen im Eishockey. Mehr als um alles andere geht es um Mentalität. Darum, unbeeindruckt zu sein von dem, was war. „Es hat sich für uns nichts geändert“, sagt EHC-Trainer Don Jackson, „es ist die ganze Saison nicht anders: Wir bereiten uns immer auf ein Spiel vor. Das nächste.“

Und wenn Jackson denn an etwas denken wollen würde, was in der Vergangenheit liegt, dann an die Finalserie vom vorigen Jahr. Allerdings muss er dafür einen Perspektivwechsel vor-, die Sichtweise des damaligen Gegners annehmen. Die Eisbären Berlin waren in der Serie gegen den EHC mit 1:3 Spielen ins Hintertreffen geraten und mussten nach München. In der Olympia-Eishalle war alles für die Meisterparty bereitet, doch es gewann Berlin, brachte die Serie noch einmal in die Hauptstadt zurück und glich dort aus. 3:3 nach 1:3 und Spiel sieben – so stellt sich das der EHC nun für sich vor. „Good idea“, findet Jackson. Mit der einzigen Abweichung, dass er das letzte Match dann gewinnen würde. Bis dahin wären es aber drei Siege. Unvorstellbar?

Moritz Seider, Verteidiger der Adler Mannheim, gibt zu: „Es schwirrt schon im Hinterkopf, was am Freitag sein könnte.“ Das Supertalent, gerade 18 geworden, ist noch nicht vertraut mit der Sprachregelung in den Playoffs. Verbale Defensive. Sein Trainer Pavel Gross. für seine Nüchternheit berühmt, lebt sie vor. In sein Gesicht schleicht sich keine Spur von Vorfreude – an die Chance, die mit diesem Spiel verbunden ist, „denken wir nicht. Das ist unsere Philosophie.“ Wie immer wird er seinen Spielern in der letzten Besprechung aufzeigen, „wo wir uns verbessern können“.

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