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Leipzig's forward Timo Werner (C) and Mainz' French midfielder Jean Philippe Gbamin vie for the ball during the German first division Bundesliga football match between RB Leipzig and Mainz 05 in Leipzig, eastern Germany, on November 6, 2016.  / AFP PHOTO / John MACDOUGALL / RESTRICTIONS: DURING MATCH TIME: DFL RULES TO LIMIT THE ONLINE USAGE TO 15 PICTURES PER MATCH AND FORBID IMAGE SEQUENCES TO SIMULATE VIDEO. == RESTRICTED TO EDITORIAL USE == FOR FURTHER QUERIES PLEASE CONTACT DFL DIRECTLY AT + 49 69 650050
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Leipzig's forward Timo Werner (C) and Mainz' French midfielder Jean Philippe Gbamin vie for the ball during the German first division Bundesliga football match between RB Leipzig and Mainz 05 in Leipzig, eastern Germany, on November 6, 2016. / AFP PHOTO / John MACDOUGALL / RESTRICTIONS: DURING MATCH TIME: DFL RULES TO LIMIT THE ONLINE USAGE TO 15 PICTURES PER MATCH AND FORBID IMAGE SEQUENCES TO SIMULATE VIDEO. == RESTRICTED TO EDITORIAL USE == FOR FURTHER QUERIES PLEASE CONTACT DFL DIRECTLY AT + 49 69 650050

RB Leipzig

Achtung, FC Bayern!

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Der Bundesliga-Aufsteiger RasenBallsport bringt fast alles mit, was eine Spitzenmannschaft auszeichnet. Nur reden sollen darüber bitte andere.

Ab auf die Couch. Beine hochlegen und kräftig durchatmen. Es scheint fast so, als hätte Ralph Hasenhüttl die wertvolle Einlassung eines gewissen Uli Hoeneß wörtlich genommen, der den aktuellen Höhenflug von RB Leipzig vor einigen Tagen damit begründete, die Vollspeed-Fußballer würden sich unter der Woche auf dem Sofa lümmeln. Zumindest dann, wenn sich der FC Bayern in der Champions League abarbeitet. Das war ungefähr eine so kluge Erklärung, als helfe beim Brauseklub ein kräftiger Schluck aus der Dose.

Der begnadigte Steuersünder Hoeneß muss beim Branchenprimus erst noch offiziell ins Präsidentenamt zurückkehren, um ihn wirklich wieder ernst zu nehmen, doch dass Leipzigs Trainer gerade zwei freie Tage gewährt und für die Länderspielpause nur „dosiertes Training“ ankündigt, passt ins Bild.

Dieser Typus lässig-listiger Fußballlehrer hatte schon vor dem Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 (3:1) keine Lust, vertiefend auf Hoeneß einzugehen. Nur so viel: Man dürfe davon ausgehen, dass hinter verschlossenen Türen im Trainingszentrum am Cottaweg „hart gearbeitet“ werde. Zum imaginären Fernduell wollte sich der 49-Jährige im durchgestylten Presseraum des alten Sportforums gar nicht äußern. „Wir können uns für den zweiten Platz nach zehn Spieltagen nichts kaufen. Es gibt uns aber die Garantie, dass wir uns in ruhigen Gebieten aufhalten, und deswegen macht es gerade so viel Spaß.“ Da gibt einer den Elder Statesman, der politisch korrekte Antworten liefert, sobald der Begriff „Bayern-Jäger“ fällt.

Viele erinnert der forsche Ritt des Brauseklubs an die sensationelle Herbstmeisterschaft des Dorfvereins TSG Hoffenheim vor acht Jahren. Strippenzieher war dereinst der heutige RB-Sportdirektor Ralf Rangnick, der die Bayern-Bosse zwang, sich 2008 mit ihm intensiver auseinanderzusetzen. Vielleicht auch weil sich der Ehrgeizling zeitweise auf die Muskelspiele einließ, verloren die Kraichgauer in der Rückrunde den Fokus und purzelten sogar noch aus den Europapokalrängen.

Diesmal ist der gebürtige Schwabe so klug, sich jede Spitze gen München zu verkneifen, auch wenn er in jedem Interview darauf angesprochen wird. Die verbale Kraftmeierei mit einem Gegner, der eigentlich für einen Aufsteiger keiner sein kann, kostet nur unnötige Energien. „Nach zehn Spieltagen werden keine Europa-League- oder Champions-League-Plätze vergeben. Ich glaube, dass den Bayern über die gesamte Saison gesehen gar keiner gefährlich werden wird“, sagte der 58-Jährige. „Für uns ist wichtig, dass wir unser Ding weiter durchziehen.“

Über die Münchner wird Rangnick wohl erst vertiefend reden, wenn zum Jahresabschluss am 21. Dezember das direkte Duell steigt. Vorher muss Leipzig noch in Leverkusen und Freiburg, gegen Schalke, in Ingolstadt und gegen Hertha antreten.

Der nachhaltig geförderte Novize scheint sich auf jede einzelne Herausforderung zu freuen, tritt er doch mit einer Selbstsicherheit und einer Lerngeschwindigkeit an, die einigen so genannten Traditionsvereinen gerade den Spiegel vorhält. Wo bitte stände der Hamburger SV, wenn er seine rund 90 Millionen Euro Investitionssumme allein aus der Ära Dietmar Beiersdorfer in die Spieler gesteckt hätte, die in der sächsischen Metropole gerade das Selbstwertgefühl seiner ganzen Region heben? Mittlerweile steigen an den ICE-Bahnhöfen in Eisenach, Gotha oder Erfurt Anhänger aller Altersklassen in Trikots mit Bullenlogo zu. Weil sie wissen, dass selbst in erstklassigen Stadien nirgendwo so auf die Tube gedrückt wird wie in der Arena an der durchgeweichten Festwiese in Leipzig.

Der von den überragenden Timo Werner (2) und Emil Forsberg veredelte Vortrag vom Sonntag hatte Hasenhüttl gerade deshalb so gut gefallen, weil ihn vor Jahren das erste Meisterstück des Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund inspiriert hat. Daran habe er sich orientiert, „und zwar zu der Zeit, als der Dortmunder Fußball so beeindruckend war mit seinem schnellen Umschaltspiel“, wie er der „FAZ am Sonntag“ erklärte. Er selbst habe sich seit dem Engagement beim FC Ingolstadt allerdings weiterentwickelt. so selbstbewusst ist der Österreicher inzwischen, um das von sich behaupten.

Seine hungrigen Bullen werden nicht nur mit ganz unterschiedlichen, oft spontan entwickelten Motivationstechniken bearbeitet, sondern arbeiten ganz verschiedene Matchpläne ab. Die jüngsten der letzten fünf Siege in Folge bieten das beste Beispiel: Sie können einen kompakten Gast wie Werder Bremen (3:1) zermürben; sie können eine tief stehende Heimelf wie Darmstadt 98 (2:0) mit gepflegtem Ballbesitzspiel geduldig bearbeiten oder aber auch wie nun gegen Mainz sich als Überfallkommando ausgeben.

„Wir haben gerade wirklich viele Lösungen parat, der Trainer stellt uns jedes Mal aufs Neue perfekt ein“, lobt Kapitän Dominik Kaiser, der übrigens klaglos seine Rückversetzung zum Edelreservisten hingenommen hat. Unter dem Red-Bull-Dach zählt nur das große Ganze: Jeder dieser dynamischen Auftritte scheint gespeist von einem kollektiven Erfolgswillen. Nicht umsonst schrubbt die jüngste Mannschaft der Liga die meisten Laufkilometer. Und deswegen muss sie zur Erholung zwischendurch zwingend auf die Couch. Trainer wie Hasenhüttl wissen, was sie tun. Andere hingegen nicht, was sie sagen.

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