+
Abschied wider Willen: Harald Stenger.

DFB Harald Stenger

Abschied wider Willen

Der DFB trennt sich vom langjährigen Nationalmannschafts-Pressesprecher Harald Stenger. Der Vertrag des 61-jährigen Frankfurters wird nicht verlängert - gegen seinen Willen.

Von Jan Christian Müller

Der DFB trennt sich vom langjährigen Nationalmannschafts-Pressesprecher Harald Stenger. Der Vertrag des 61-jährigen Frankfurters wird nicht verlängert - gegen seinen Willen.

Harald Stenger hat die Befürchtungen schon bei langen Strandspaziergängen in seinem Urlaub im Juli in Frankreich mit am Meer entlang geschleppt. Seit Dienstag ist es nun Gewissheit für den 61-Jährigen: Der zum 31. August auslaufende Vertrag als Pressesprecher der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wird nicht verlängert. Nach dem Länderspiel gegen Argentinien am 15. August in seiner Heimatstadt Frankfurt wird er letztmals eine Pressekonferenz an der Seite von Bundestrainer Joachim Löw leiten. In den Tagen darauf muss Stenger nach elf Jahren in Diensten des DFB sein Büro räumen. Für den ehemaligen Fußballchef der Frankfurter Rundschau ist das ein trauriges, wenn auch nicht überraschendes Ende in Diensten des Verbandes. „Ich hätte gern weiter gemacht“, bekundete er enttäuscht, nachdem Manager Oliver Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw ihn über die Entscheidung unterrichtet hatten.

Gespanntes Verhältnis zu Niersbach

Stenger war zu einem prägenden Gesicht des DFB geworden, nachdem die TV-Anstalten bei der Weltmeisterschaft 2002 begonnen hatten, die Pressekonferenzen der Nationalmannschaft live zu übertragen. Mit unverkennbar hessischem Idiom leitete der 2001 vom damaligen Verbandschef Gerhard Mayer-Vorfelder verpflichtete Sportjournalist die Veranstaltungen und sorgte dabei für eine ausgesprochen familiäre Atmosphäre. Denn die mehr als hundert regelmäßigen medialen Begleiter des Teams spricht er allesamt namentlich an. Stenger kam als Nachfolger von Wolfgang Niersbach zum DFB, der seinerzeit an die Seite von Franz Beckenbauer ins Organisationskomitee für die WM 2006 rückte. Den jovialen Niersbach, seit März neuer DFB-Präsident, und den hemdsärmeligeren Stenger verband jedoch nie auch nur annähernd ein Vertrauensverhältnis.

Das ist bei Stengers Nachfolger Jens Grittner anders. Der 41-Jährige begleitete Niersbach als Pressechef des Organisationskomitees  auf dem Weg zur WM 2006 professionell und wortgewandt. Auch die Frauen-WM 2011 verantworte er medial erfolgreich. Grittner, seit 1999 im Verband,  ist jetzt auch Niersbachs Mann in der A-Nationalmannschaft. Nach der Weltmeisterschaft 2010 hatte Joachim Löw eine Demission Stengers noch verhindern können, diesmal kämpfte  der Bundestrainer nicht mehr um den treuen Wegbegleiter. „Die sportliche Leitung hat mir mitgeteilt, dass sie mit meiner Arbeit immer sehr zufrieden war, ich mich stets korrekt und loyal verhalten habe, die Zeit für einen Wechsel aber reif gewesen sei“, so Stenger. Zwei Jahre zuvor hatten sich führende Fußballreporter noch mit einem Offenen Brief an die DFB-Spitze erfolgreich für ihn eingesetzt.

Bestens vernetzter Krisenmanager

Der Machtverlust kam etappenweise. Noch im Jahr 2008 bezeichnete der damalige Präsident Theo Zwanziger den Mediendirektor als „Glücksfall für den DFB“. Stenger hatte den DFB-Präsidenten im Sommer 2004 entscheidend unterstützt, als sich der seinerzeit nur Insidern bekannte Zwanziger anschickte, auch mit Unterstützung einer Medienoffensive die Nachfolge von Mayer-Vorfelder anzutreten. Auch im Wettskandal um Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer hatte der in der deutschen Sportpresse bestens vernetzte, bienenfleißige Stenger als Krisenmanager funktioniert.

Bald darauf kühlte sich das Verhältnis des im Umgang mit seinen Mitarbeitern robusten Stenger zum Verbandschef aber ab. Der mitunter beratungsresistente Zwanziger fühlte sich nicht gut beraten. Schließlich verlor Stenger seinen Direktorentitel mitsamt Parkplatz vor der DFB-Zentrale an den von der Tageszeitung "Die Welt" verpflichteten Ralf Köttker (42). Die mediale Verantwortung für die Nationalmannschaft durfte Stenger jedoch bis jetzt behalten. Da ihn mit Köttker bald ein herzliches Nicht-Verhältnis verband, war diese Situation aus Verbandssicht aber alles andere als optimal. Jens Grittner ist nun, anders als sein Vorgänger, unmittelbar an Köttkers Mediendirektion angedockt und nicht mehr, wie zuletzt Stenger, an Bierhoffs Büro Nationalmannschaft. Eine politische Entscheidung, die die Machtfülle des Präsidenten unterstreicht. Man freue sich über „junge, frische Gesichter“, ließ Manager Bierhoff wissen.

Der alte Fahrensmann Stenger will seine reichlich bevorstehende Freizeit jetzt nutzen, fürchtet sich aber auch vor der Leere ohne den ständigen Kontakt zu den Nationalspielern, mit denen er sich mehrheitlich freundschaftlich verbunden fühlte: „Dieser Job, mit dem ich mich rund um die Uhr voller Leidenschaft identifiziert habe, war für mich kein Beruf, sondern eine Herzensangelegenheit.“ Die WM 2014 in Brasilien, es wäre seine zehnte, möchte er vor Ort erleben, „ob als Journalist oder in einer anderen Funktion in der Medienarbeit".

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion