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Lindsey Vonn verabschiedet sich.

Ski-WM

Abschied von der „Speed Queen“

Die langjährige „Speed Queen“ Lindsey Vonn verabschiedet sich in Are von der großen Ski-Bühne.

Lindsey Vonn sagte ihre erste Audienz kurzerhand ab. Weil es bis Montagmittag angesichts des Schneechaos auf zahlreichen Flughäfen in Europa zu wenig Publikum bis in den hohen Norden geschafft hatte, will die langjährige „Speed Queen“ erst nach dem Super-G zum Auftakt der alpinen Ski-WM im schwedischen Are am Dienstag (12.30 Uhr/ARD und Eurosport) über ihren Abschied sprechen. Die große Bühne, auf der Vonn Siege und Dramen wie keine andere zelebrierte, hat aber ohnehin längst ihre einstige „Kronprinzessin“ eingenommen.

Are 2019, da sind sich die Experten einig, werden die Titelkämpfe der Mikaela Shiffrin. Vonn, die nach vielen großen Triumphen, zahlreichen erstaunlichen Comebacks und noch mehr Tränen am Dienstag und Sonntag (Abfahrt) die beiden letzten Rennen ihrer ruhmreichen Karriere bestreiten wird, steht für die Vergangenheit. Shiffrin ist Gegenwart und Zukunft ihres Sports.

Mit zwei olympischen und drei WM-Goldmedaillen ist Shiffrin bei Großereignissen schon jetzt erfolgreicher, als es Vonn (einmal Olympia-, zweimal WM-Gold) je war. Und während die 34-Jährige ihrem letzten großen Ziel, Ingemar Stenmarks Weltcup-Siegrekord (86), vergeblich hinterherjagte, dürfte diese Marke für die immer noch erst 23 Jahre alte Shiffrin (56 Erfolge) nur eine Frage der Zeit sein.

Anders als Vonn definiert sich Shiffrin jedoch nicht über Bestmarken. „Als ich ein kleines Mädchen war, habe ich davon geträumt, die beste Skifahrerin der Welt zu sein. Die Rekorde sind nicht mehr als der Beweis dafür, dass ich meinen Traum lebe“, sagt sie, „mehr kann ich ihnen nicht abgewinnen. Ansonsten sind das nur Zahlen.“

Shiffrin und Vonn – die beiden Amerikanerinnen könnten unterschiedlicher kaum sein. Vonn gibt gerne die glamouröse Ski-Diva, die ihre Auftritte auch abseits der Piste inszeniert. Mal mit Hündchen Lucy, mal in knappen Outfits. Undenkbar, dass sich Shiffrin wie Vonn für die berühmte „Swimsuit Issue“ der Zeitschrift Sports Illustrated ausziehen würde. Sie taugt vielmehr als Vorbild der Generation “#Metoo“.

Als Shiffrin im Sommer vom Magazin Maxim auf die „Hot 100 list“ gewählt wurde, zog sie für das Foto demonstrativ ihre Skijacke über und hängte sich ihre beiden Olympiamedaillen von Pyeongchang um den Hals. „Ich sehe gerne nett aus“, sagt sie, „aber darauf liegt nicht mein Fokus. Ich bin eine der Schnellsten da draußen und stolz darauf!“ Athletinnen hätten das Recht, nicht auf ihr Äußeres reduziert zu werden.

Auch sportliche Rivalität lebt Shiffrin anders als Vonn zu ihrer besten Zeit. Diese lieferte sich mit ihrer schärfsten Rivalin Maria Höfl-Riesch trotz stets betonter Freundschaft einst einen nervigen Zickenkrieg, Shiffrin behandelt ihre Widersacherin Petra Vlhova (Slowakei) stets respektvoll bis herzlich. „Ich achte, dass sie immer ans Limit geht und mich zwingt, dasselbe zu tun“, sagt sie.

Übereinander verlieren Vonn und Shiffrin kein böses Wort. Die Jüngere aber lässt immer mal durchblicken, was sie von den Inszenierungen der Älteren hält. Etwa, indem sie andere für deren Unaufgeregtheit lobt.

Sieht sie sich als Nachfolgerin der langjährigen Ski-Königin? „Lindsey war für einige Zeit definitiv der größte Star im US-Skisport“, sagt Shiffrin, „aber es fühlt sich für mich nicht so an, als würde ich jetzt übernehmen.“ Mikaela Shiffrin schreibt längst ihre eigene (Erfolgs-)Geschichte – und ab Dienstag das nächste Kapitel in Are. (sid)

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