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Martina Voss vom FCR Duisburg: früher Spielerin, heute Trainerin.
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Martina Voss vom FCR Duisburg: früher Spielerin, heute Trainerin.

Frauen-Pokalfinale

Abschied von Berlin

Zum letzten Mal spielen die Frauen ihr Pokalfinale im Olympiastadion, als künftiger Austragungsort werden Frankfurt oder Leverkusen favorisiert.

Von MATTHIAS KITTMANN

Nach 25 Jahren ist alles vorbei. 1985 bestritten die Frauen zum ersten Mal gemeinsam mit den Männern das DFB-Pokalfinale in Berlin. Nun, am 30. Mai ist Schluss damit. Die Frauen sollen ihr eigenes "Cup-Final" erhalten. Ebenfalls am Samstag soll entschieden werden, wo und in welcher Form. Nach FR-Informationen haben von den fünf Bewerbern Frankfurt und Leverkusen die besten Chancen. "Bei beiden stimmt das Gesamtpaket aus Stadion und Marketingkonzept", hört man aus der DFB-Zentrale.

Mit der Partie des Uefa-Cup-Champions FCR Duisburg gegen den Bundesliga-Zweiten Turbine Potsdam gibt es eine würdige letzte Paarung in Berlin. Zwei Teams auf Augenhöhe, zwei Spitzenmannschaften. Denn nicht immer waren die Endspiele hochklassig. Gleich dreimal stieg ein Finalist später sogar ab. Zuerst ereilte dieses Schicksal den SC Klinge Seckach 1997, dann stieg 2001 der FFC Flaesheim-Hillen ab und zuletzt der 1. FC Saarbrücken 2008.

Doch das bislang vielleicht beste Pokalendspiel war wohl das zwischen dem FSV Frankfurt und dem FCR Duisburg 1998. Der FSV hatte nach 1995 erneut überlegen die Meisterschaft gewonnen. An Bord waren schon Stars wie Birgit Prinz, Sandra Smisek oder Sandra Minnert. Im offenen Schlagabtausch mit dem FCR-Team um Martina Voss und Inka Grings (sie schoss drei Tore) erwischte Duisburg den besseren Start. Am Ende war dann jeder Schuss ein Treffer, 6:2 gewann Duisburg. Katja Kraus, damalige FSV- und Nationaltorfrau und heute Vorstandsmitglied des Hamburger SV erinnert sich noch mit Grausen: "Wir waren zu arrogant und haben böse dafür bezahlt." Martina Voss sieht es natürlich anders: "1998 war ein Traumspiel! Das beste aller Zeiten!"

Ohnehin schließt sich für Martina Voss vom FCR Duisburg der Kreis. 1985 war sie als Spielerin bei der ersten Auflage in Berlin dabei, bei der letzten nun als Trainerin des FCR Duisburg. "Das ist schon verrückt", sagt sie, "das hätte ich mir nie träumen lassen." Dabei wechselten bei ihr Pleiten und Triumphe in schöner Regelmäßigkeit. In der 80er Jahren waren eigentlich der SSC Bergisch-Gladbach und später der TSV Siegen die dominierenden Teams. Doch 1985 brachte den ersten Wechsel. Im Finale standen der schon länger im Aufwind stehende FSV Frankfurt (nicht zu verwechseln mit dem jetzigen 1. FFC) und der KBC Duisburg (auch der kein Vorgänger des aktuellen FCR Duisburg). Beide hatten sich schon 1983 im Pokalfinale getroffen, aber noch nicht in Berlin. 1985 in Berlin stand es nach 120 Minuten 1:1, die Entscheidung musste im Elfmeterschießen fallen. "Wir haben unsere Torschützinnen ausgewählt, als plötzlich die Männer des FC Bayern München über den Platz liefen. Die hat das Frauen-Spiel kein Stück interessiert", erinnert sich Martina Voss: "Aber wir waren plötzlich so nervös, dass wir im Elfmeterschießen nichts mehr getroffen haben."

Der 1. FFC Turbine Potsdam hat dagegen mit drei siegreichen Finalteilnahmen nur positive Erinnerungen an das Endspiel vor der eigenen Haustür. Auf dem ersten Höhepunkt der eigenen Entwicklung entzauberten sie 2004 den 1. FFC Frankfurt, der zuvor fünf Mal in Folge gewonnen hatte, beim 3:0 regelrecht. "Frische und Hunger auf Erfolg gegen Müdigkeit und Sattheit" hieß damals das Motto. Und auch ein bisschen "Ost gegen West", auch wenn das niemand so richtig zugeben will. Auch 2005 gab es ein 3:0 gegen Frankfurt, 2006 ging es gegen den gleichen Gegner knapper zu, trotzdem gewann erneut Potsdam. Im nun letzten Berliner Finale hat Martina Voss noch eine Mission zu erfüllen. 1999 musste sie nach fünf Minuten wegen einer Wadenverletzung raus und Duisburg verlor. Noch bitterer wurde es für Voss 2003, im letzten Spiel ihrer Karriere. 0:0, 89. Minute, Freistoß Renate Lingor von links. "Ich konnte nicht mehr reagieren, der Ball prallte auf meinen Kopf und wir haben verloren." Dennoch hat sie auch gute Erinnerungen an das Finale. Auf der späteren Verlierer-Party lernte sie ihren Lebensgefährten kennen.

25 Jahre Berlin. Was bleibt? Die Meinungen sind unterschiedlich. "Man darf das Gesamtpaket nicht vergessen", mahnt Bernd Schröder von Turbine Potsdam an, "hier haben wir die Medienaufmerksamkeit, hier haben wir 4 Millionen TV-Zuschauer, das ist interessant für Sponsoren." Dagegen steht der Eindruck, dass die Fans im Olympia-Stadion das Frauen-Spiel keine Bohne interessiert.

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