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Haben noch viel Arbeit vor sich:  HSV-Trainer Thorsten Fink (re.) und Manager Frank Arnesen.
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Haben noch viel Arbeit vor sich: HSV-Trainer Thorsten Fink (re.) und Manager Frank Arnesen.

Hamburger SV

Abschied vom alten HSV

Der Hamburger SV stolpert ins Ziel Klassenerhalt. Nach einem schweren Jahr ist für Sportchef Arnesen und Trainer Fink die Schonzeit nun vorbei. Baustellen gibt es beim HSV genug - aber auch Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Von Jan Christian Müller

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Am Ende fielen sich die Kumpels in ihren Lederjacken mit dem Aufdruck „Hanseatic Soccer Company“ erleichtert in die Arme. Längst sind sie gemeinsam bescheiden geworden in Hamburg, wo beim 0:0 gegen Mainz 05 ein Abziehbild einer gruselig anmutenden Saison reichen musste, um sich erst 90 Minuten vor Saisonschluss den Klassenerhalt zu sichern. „Etwas merkwürdige Stimmung“, hatte der weniger anspruchslose Mainzer Manager Christian Heidel ausgemacht, „ein Spiel geht 0:0 aus und das ganze Stadion feiert.“

Was auch daran lag, dass ein 0:0 für diesen verzweifelt nach Inspiration und Tempo im Spiel nach vorn und Stabilität nach hinten suchenden Hamburger Sportverein nach acht Heimniederlagen mehr ist, als man dort gewohnt ist.

„Es kann nur besser werden“

Zum ersten Mal seit 39 Jahren hat der HSV eine gesamte Saison auf zweistelligen Tabellenplätzen verbracht. „Es kann nur besser werden“, versprach Präsident Carl-Edgar Jarchow mit fester Stimme, „und das wird es auch.“

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Das muss es auch. Sportdirektor Frank Arnesen hatte seinem Arbeitgeber beim Amtsantritt vor einem Jahr avisiert, „mit diesem Klub in dieser Stadt müssen wir europäisch Fußball spielen“.

Arnesen prustet durch

Dass das im ersten Jahr nach Frank Rost, Ruud van Nistelrooy, Frank Mathijsen, Zé Roberto und Piotr Trochowski und einem um zehn auf knapp 40 Millionen Euro verringerten Personaletat schwierig werden könnte, hatte Arnesen vorausgesagt.

Die Schonzeit ist vorbei für den sympathischen Dänen, dessen Dienste sich der HSV nahezu zwei Millionen Euro kosten lässt und der einen großzügigen Mitarbeiterstab inklusive seines Sohnes Sebastian mitbringen durfte.

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Eingedenk des Klassenerhalts pustete der 55-Jährige erst mal kräftig durch: „Ich bin froh, dass ich nicht der erste Sportchef des HSV bin, der die zweite Liga absteigt. Aber ich bin gekommen, um europäisch Fußball zu spielen. Die Jungs können bald Urlaub machen, für mich geht die Arbeit jetzt erst recht los.“

Mit der Unterschrift von René Adler, ablösefrei aus Leverkusen, dafür mit stolzen 2,7 Millionen Euro im Unterhalt über vier Jahre nicht ganz billig, wird diese Woche gerechnet.

Die Trennung von Jarolim und Petric tut weh

Aber die Baustelle Torwart, wo der am Samstag verletzt fehlende Jaroslav Drobny eine ordentliche Saison hinlegte, ist voraussichtlich die kleinste. Trainer Thorsten Fink kann sich Verstärkungen für die Innenverteidigung vorstellen, Arnesen plant eher mit seinen bislang allenfalls durchwachsen erfolgreichen Chelsea-Transfers Michael Mancienne, Jeffrey Bruma oder Slobodan Rajkovic neben Heiko Westermann.

Für die sehr emotional, würdevoll und ohrenbetäubend laut von den Fans verabschiedeten David Jarolim und Mladen Petric muss Arnesen Ersatz finden, der den modernen Ansprüchen an direktes Passspiel und Laufarbeit näherkommt als die beiden unfreiwilligen Abgänger, die gerne länger beim HSV geblieben wären. Auch wenn die Trennung wehtun mag, sie erscheint mit Blick auf die Zukunft in beiden Fällen dennoch richtig.

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„So ein Abschied wie der von Jarolim ist immer auch eine Zäsur“, sagte Klubchef Jarchow. Es ist der Abschied vom alten HSV, den Fink (44) durch einen moderneren, flinkeren und aufregender Fußball spielenden Dino ersetzen will.

Der junge, anfangs etwas übertriebenes Selbstbewusstsein demonstrierende Trainer muss nun seinerseits beweisen, dass er in der Lage ist, der Mannschaft eine Spielidee zu verabreichen, ähnlich, wie es Bruno Labbadia nach einem halben Jahr Abstiegskampf mit dem VfB Stuttgart gelungen ist. „Wir haben hier gemeinsam eine schwere Last getragen, Sportliche Leitung, Präsident, Aufsichtsrat, Fans ? es gab von allen Seiten Unterstützung“, stellte der von einer Darmgrippe geschwächte Fink fest.

Hoffnung auf eine bessere Zukunft

Tatsächlich hat der HSV die Reihen derzeit geschlossener, als dass lange Zeit der Fall war. Jarolim, der nach zehn Jahren gehen muss, sich mit 33 noch fit fühlt und einen neuen Arbeitgeber sucht, versandte ein paar gut gemeinte Abschiedsgrüße. Er „wünsche dem Verein, dass es ein bisschen ruhiger wird, was Aufsichtsrat und Vorstand angeht, es war in den letzten Jahren schwer für uns.“

Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft erklärt sich vor allem damit, dass diese Saison der Entbehrungen, des Zitterns und mühevoll ins Ziel Stolperns wertvolle Erfahrungen geliefert haben soll: „So hart die Saison für alle Beteiligten war, die Jungs, die hierbleiben, und das sind eine ganze Menge, werden von dieser Saison profitieren“, glaubt Jarchow, „mit dieser Erfahrung bin ich sicher, dass wir zwei große Schritte nach vorne machen können“, ergänzt Arnesen, „wir haben den drittjüngsten Altersschnitt in der Liga“, untertrieb Fink, „und viele Jungs, die viel gelernt haben“, sie seien alle gemeinsam „in der Krise zusammengewachsen“.

HSV denkt über externe Investoren nach

Der Abstiegskampf könne fortan „nicht unser Ansporn sein“. Lieblingseinkauf von Fink und Arnesen wäre der Niederländer Dirk Kuyt vom FC Liverpool. Der 31-Jährige kostet nur eine Million Euro, verdient aber sicher mehr als vier Millionen Euro pro Jahr.

Frische Geldquellen müssten gefunden werden. Der HSV denkt ganz unhanseatisch über eine Prolongierung des Stadionkredits ebenso nach wie über externe Investoren.

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