Einer der Teilnehmer: Kilian Frankiny im Homeoffice. dpa
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Einer der Teilnehmer: Kilian Frankiny im Homeoffice. 

Tour de Suisse

Als 3D-Avatar durch die Schweiz

  • vonManuel Bonke
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Die Radprofis strampeln in den eigenen vier Wänden die virtuelle Tour de Suisse. Die Rundfahrt endet am Sonntag.

Es kommt wie eine Art Tour-de-France-Vorbereitung 2.0 daher: Die „Digital Swiss 5“ – eine Serie von fünf virtuellen Einzelrennen, die auf Teilstrecken der Tour de Suisse ausgetragen werden und in Zeiten der Corona-Pandemie versucht, die beliebte Schweizer Landesrundfahrt zumindest digital zu ersetzen. Normalerweise nutzt die Radsport-Elite die Tour de Suisse im Juni gerne, um sich die nötigen Rennkilometer und den letzten Schliff für die Tour de France zu holen. Wegen Corona liefern sich die Fahrer nun mit 3D-Avataren eine virtuelle Verfolgungsjagd in den eigenen vier Wänden.

Seit Mittwoch und noch bis Sonntag finden Rennen auf Teilabschnitten der original Tour-de-Suisse-Strecken statt. Die jeweiligen Rollentrainer der Teilnehmer sind mit einer Radsport-Plattform im Internet verbunden. Diese verarbeitet die Live-Daten der Athleten (Geschwindigkeit, Wattzahl, Tritt- und Herzfrequenz). Gibt es einen Anstieg, tritt es sich für den Fahrer automatisch schwerer. Aus all diesen Daten werden das Renngeschehen und die Platzierungen errechnet. Das Schweizer Fernsehen überträgt die Veranstaltung sogar live.

Für den Raublinger Radrennstall Bora-hansgrohe gehen unter anderem die Österreicher Patrick Gamper und Lukas Pöstlberger an den Start. Gamper erreichte am zweiten virtuellen Renntag auf dem relativ flachen Rundkurs mit einer Länge von rund 46 Kilometern einen passablen zwölften Platz. Nach 58:24 Minuten war der 23-Jährige im Ziel – und somit knapp vier Minuten langsamer als der Etappensieger Stefan Küng (Schweiz) von der französischen Mannschaft Groupama-FDJ. „Das war mein erstes Online-Rennen, und es war schwerer, als ich angenommen hatte: Ich musste die ganze Stunde Vollgas geben, und das macht man normalerweise eben nicht sehr oft“, berichtet Gamper.

Steffen Radochla, Sportlicher Leiter bei Bora-hansgrohe, findet: „Das Rennen ist wie ein virtuelles Zeitfahren. Meiner Meinung nach sind solche Rennen nicht die perfekte Lösung, aber da es im Augenblick einen Stillstand im Radsport gibt, hat man es doch geschafft, den Teams und Fans etwas anzubieten.“

Und auch einige Profis können den digitalen Trainingsmöglichkeiten ein bisschen was abgewinnen. „Ich war nicht so begeistert. Ich fahr‘ lieber richtige Rennen“, sagte Simon Geschke dem SWR. Der 34-Jährige gab aber auch zu: „Früher, ohne diese Software, war ich nach einer Stunde schon hirntot. Jetzt, mit der Software, vergeht die Zeit schon schneller.“

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