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Pamela Reif, deutsche Fitness-Influencerin Nummer eins.

Sport in Corona-Zeiten

Wischmopps und Klopapier

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Die Sportwelt steht still. Aber nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten sieht man Menschen, auch Weltstars, die sehr kreativ werden, um die heimische Langeweile in den Griff zu kriegen. Eine Glosse.

Die Sportwelt steht still, zumindest überwiegende Teile der großen, jene viel beachtete in den Fußballstadien, Hallen oder Schwimmbecken dieser Corona-Welt. Im Kleinen aber, bei den vielen, vielen Menschen daheim, schickt sich das anders an. Fitness-Apps boomen, sie werden zurzeit mehr denn je auf die Smartphones heruntergeladen, fast ebenso häufig wie sportliche Youtube-Videos im Internet gefragt sind.

Pamela Reif zum Beispiel, die deutsche Fitness-Influencerin Nummer eins, verzeichnete in den vergangenen 24 Stunden alleine 800 000 Aufrufe ihrer Trainingsvideos, 90 000 gar zu Spitzenzeiten. Man muss sich das mal vorstellen: Mindestens 90 000 Menschen, die gleichzeitig im heimischen Wohnzimmer auf Isomatten und Teppichen der Kondition wegen den Hampelmann machen, die ihre Sixpacks (oder auch ein paar Packs weniger) formen, die ihren Bizeps stählen (oder ihn zumindest mal wieder fordern). Couchpotatos waren einmal, in Zeiten der Bewegungsarmut suchen die Menschen nach Lösungen – die denn auch mal besonders kreativ ausfallen können.

Da gibt es zum Beispiel Leute, die plötzlich mit ihrem Wischmopp dem eigenen Saugroboter im Curling-Stil den Weg frei schrubben. Oder andere, die offenbar finden, dass Liegestütze an sich noch nicht anstrengend genug sind (welch‘ Irrsinn) und sich stattdessen lieber noch ihre Kinder schultern. Und da sind natürlich noch die Fußballer, jene nahezu beschäftigungslosen Profikicker, die, ganz logisch, irgendwie ihren Spieltrieb ausleben wollen. Also ran ans Klopapier.

In den sozialen Medien ist in den vergangenen Tagen rasch eine Prüfung entstanden (zu finden unter: #stayathome), bei der die Athleten zeigen, wie sie in Corona-Zeiten sportlich am Ball bleiben – der Hamsterei sei dank. So postet beispielsweise der ehemalige Fußball-Weltmeister Jerome Boateng als einer von Tausenden ein Video, in dem er seine mehrlagige Abputzhilfe mal eben mit den Füßen gekonnt durch die Luft tritt, sie zwischendurch nach oben auf seinen Nacken kickt, um dann die weiße Rolle wieder kontrolliert mit seinen Füßen durch sein Wohnzimmer zu jonglieren.

„Ich sollte in diesen Tagen die Hymne der Champions League hören“, kommentiert der Münchner Manndecker in Anspielung auf das ausgesetzte Achtelfinalrückspiel des FC Bayern in der Königsklasse gegen den FC Chelsea, das eigentlich in dieser Woche hätte stattfinden sollen. „Stattdessen jongliere ich Toilettenpapier. Okay, Herausforderung akzeptiert.“ Und bestanden.

Hausarrest mit Humor

Doch des Humors in Zeiten des Hausarrests noch nicht genug, fordert Boateng seine Kumpels heraus, es ihm gleichzutun. Könnte ja sonst öde werden. Also probieren sich auch David Alaba, Boatengs Kollege beim FC Bayern, oder Kevin-Prince Boateng, der Halbbruder, in der ungewohnten Disziplin aus. Und nicht zuletzt soll auch Nationalspieler Leroy Sané noch ran – nicht mit dem Wischmopp (was ja rein frisur-technisch auch irgendwie Sinn ergeben hätte beim Wuschelkopf, aber das nur nebenbei), sondern mit der Abwischrolle. Bis gestern Nachmittag ist Sané der Boateng’schen Aufforderungen zwar noch nicht nachgekommen, er dürfte aber genug Ansporn haben, dies alsbald nachzuholen.

Warum? Nun, weil Thilo Kehrer, auch deutscher Nationalkicker, sich mal eben als Wetteinsatz die nächst anspruchsvollere Aufgabe ausgedacht hat. Er erklärte: „Wenn Leroy mit dem Klopapier zehn Kontakte schafft, dann fress‘ ich einen Besen.“ Na dann, los geht’s. Die Sportwelt wartet.

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