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Spitzenspiel ohne Pointe

  • Jakob Böllhoff
    VonJakob Böllhoff
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Warum RB Leipzig vor dem Heimspiel gegen den FC Bayern gerade nicht viel richtig machen kann.

Oliver Mintzlaff, Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten RB Leipzig, hat dieser Tage eine Lehrstunde in Sachen Boulevard-Journalismus erfahren müssen. Lektion: Die Erfindung einer knackigen Überschrift, ohne über einen knackigen Inhalt zu verfügen. Vor dem Spiel beim Meister Bayern München am Samstag hatte Mintzlaff dem Springer-Blatt „Sportbild“ ein Interview geben, und er wurde dabei gefragt, „an wie vielen Tagen“ er dem vor der Saison von Leipzig nach München gewechselten Julian Nagelsmann „hinterhergetrauert“ habe. „An keinem einzigen“, antwortete der Leipziger da intelligenterweise, um nicht seinen aktuellen Trainer Jesse Marsch zu blamieren. Was in der Überschrift eines Online-Portals dann so verknackwurstet wurde: „Harte Worte gegen Bayern-Coach: ‚Trauere Nagelsmann an keinem Tag hinterher‘“.

Hach ja, sie haben es gerade nicht leicht, die Leipziger. Selbst wenn man es richtig macht, macht man es noch falsch. Hätte Mintzlaff (vielleicht sogar wahrheitsgemäß) gesagt, er trauere seinem alten Trainer hinterher, hätte die Boulevard-Maschinerie nicht einmal eine leicht verdrehte Übertreibung anwenden müssen, um die Headline klickgerecht fürs Internet aufzumotzen. Denn das wäre wirklich ein irrsinniger Wahnsinns-Hammer gewesen, um das mal der Sache angemessen reißerisch zu formulieren: Mintzlaff weint Nagelsmann nach! Gibt er Marsch bald den Marschbefehl?

Leipzig sucht sich selbst

Es ist gerade verzwickt für die Leipziger. Sie haben durchaus mitbekommen, dass ihnen die Bayern nach guter alter Bayern-Tradition nicht nur einen Toptrainer entwendet haben, sondern auch zwei Topspieler (Dayot Upamecano, Marcel Sabitzer). Sie erkennen an, dass das nicht schön ist und dass es, fürs Gesamtgefühl, alles andere als verkehrt gewesen wäre, mit neuem Trainer und irgendwie halb umgebrochener Mannschaft einen ordentlichen Saisonstart hinzukriegen. Und dass drei Punkte nach drei Spielen nicht unter „ordentlicher Saisonstart“ firmiert, das ist dem sächsischen Emporkömmling aus dem Marketingimperium von Red Bull schmerzlich bewusst.

Die derzeitigen Machtverhältnisse legen nahe, dass die Leipziger Selbstsuche nach diesem „Spitzenspiel“ gegen erst einmal tief unten in der Tabelle fortgesetzt werden muss. Jesse Marsch, der gut beleumundete US-Amerikaner aus der RB-Trainerschule, hat jetzt schon alle Hände damit zu tun, aus dieser Nagelsmann-Mannschaft eine Marsch-Mannschaft zu formen, während die Bayern genüsslich seine Spieler angraben (auch Konrad Laimer haben die Münchner bereits schöne Augen gemacht).

Während Traditionalisten sich über jedes Gebrechen dieser Litfaßsäule von einem Fußballklub freuen, dürften die Ligavermarkter die Entwicklung eher mit Bauchschmerzen verfolgen; sie können ja jeden gebrauchen, der eine Art Konkurrenz darstellt zum Münchner Primus, egal, wer ihn sich ausgedacht hat. So bleibt nur eine vage Hoffnung auf einen Funken Spannung im Meisterrennen: Dass der Trainer in München sich doch schwerer tut als gedacht, aus der Hansi-Flick-Mannschaft eine Julian-Nagelsmann-Mannschaft zu machen. Es wäre ein echt wahnsinniger Irrsinns-Hammer.

Bericht Seite 29

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