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Für acht Jahre gesperrt: Der chinesische Schwimmer Sun Yang.

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Sperre für Sun Yang: Ein gutes Urteil

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Der Schwimmer Sun Yang ist für acht Jahre wegen Verstößen gegen die Anti-Dopingregeln gesperrt worden. Das CAS-Urteil ist für den Schwimm-Weltverband Fina ein Schlag ins Gesicht, der die „Hammer-Affäre“ verschleiern wollte. Ein Kommentar.

Bei der Schwimm-Weltmeisterschaft im vergangenen Juli trat Sun Yang noch großspurig auf. Vom Briten Duncan Scott und Australier Mack Horton forderte der Chinese Respekt ein, nachdem diese das Siegerfoto mit dem frisch gekürten Weltmeister über 200 und 400 Meter Freistil verweigert hatten. Sie wollten nicht mit jemanden auf dem Podest stehen, der schon einmal wegen Dopings gesperrt war und im September 2018 mit einem Hammer eine Dopingprobe von sich hatte zerschlagen lassen. Sun Yang blaffte Duncan Scott an: „Du bist ein Verlierer, ich bin ein Gewinner“, und posierte stolz mit seinen Goldmedaillen. Das überhebliche Auftreten dürfte dem dreimaligen Olympiasieger seit Freitag aber endgültig vergangenen sein.

Der internationale Sportgerichtshof CAS verurteilte Sun Yang am Freitag zu einer Sperre von acht Jahren, was gleichzeitig das Karriereende für den 28-Jährigen bedeuten dürfte. Ein absolut begrüßenswertes Urteil und eine Genugtuung für alle sauberen Athleten. Einerseits. Andererseits wird die Kritik am Weltverband Fina nun massiv werden - und das vollkommen zurecht. „Die Hammer-Affäre“ ist nämlich nur nach einen Einspruch der Welt-Antidopingagentur (Wada) vor dem CAS gelandet, weil die Fina den Chinesen nach einer Anhörung freigesprochen hatte.

Dabei sprach das vom schwedischen Anti-Dopingdienstleisters IDTM aufgezeichnete und in einem 59-seitigen Report des Dopingpanels der Fina festgehaltene Protokoll Bände. Der Weltverband wollte das unter Verschluss halten, ein Informant spielte den skandalösen Vorgang jedoch der australischen Zeitung „The Daily Telegraph“ zu. Detailliert wird darin geschildert, wie Sun Yang sich erst stundenlang einer unangekündigten Dopingprobe verweigerte, dann doch Blut abgab, um später das Fläschchen von einem Wachmann zerstören zu lassen. Yang stand daneben und spendete mit seinem Handy das Licht.

„Ich werde auf jeden Fall Einspruch einlegen, damit mehr Menschen die Wahrheit erfahren“, sagte Yang jetzt chinesischen Medien. Doch handelt so jemand der sich nichts hat zu schulden kommen lassen? Ganz sicher nicht.

Die Fina-Verantwortlichen, die Yang immer protegiert haben, müssten jetzt von ihren Ämtern zurücktreten. Allen voran Fina-Generalsekretär Cornel Marculescu. Der Rumäne beschuldigte Mack Horton, wegen seiner Weigerung auf das Podest zu steigen, den Sport „in Verruf gebracht“ zu haben. Dabei hätte die Fina Yang von sich aus sperren müssen und ihn erst gar nicht bei der WM antreten lassen dürfen. Das hat für Negativ-Schlagzeilen gesorgt, nicht das couragierte Verhalten von Duncan Scott und Horton. Letzterer hat sogar einen Sponsor verloren. Nur weil er für das Einstand, was er für richtig hielt.

Die Schwimmverbände auf der ganzen Welt müssen sich nun zusammenschließen und eine gemeinsame Linie gegen Doping finden - und vor allem neue Entscheidungsträger an die Spitze wählen. Denn die aktuellen haben jegliche Glaubwürdigkeit verloren. Ärgerlich ist, dass weder Horton die Goldmedaille noch Scott die Silbermedaille bekommen werden. Weil die Fina Sun Yang nicht gesperrt hat, darf der Chinese seine Goldmedaillen trotz des CAS-Urteils behalten. Es waren hoffentlich seine letzten.

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