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Aufwärmen für ein ganz besonderes Derby: Die Eishockeyspieler des EC Bad Nauheim beim Training in Offenbach. Bild: Hübner

Eisfläche im Offenbacher Fußballstadion

Spektakel zur Unzeit

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Auf dem Bieberer Berg treffen die Frankfurter Löwen am Samstagabend in der DEL2 auf den EC Bad Nauheim

Am Donnerstagnachmittag zog sich Franz-David Fritzmeier höchstpersönlich eines der eigens für dieses spezielle Nachbarschaftstreffen entworfenen Trikots über und griff zum Eishockeyschläger. So groß ist die Personalnot bei den Frankfurter Löwen nun noch nicht, dass der Sportdirektor selbst ins Spiel kommen muss. Für ein Foto mit Andreas Ortwein, dem Geschäftsführer des EC Bad Nauheim und damit dem Hauptverantwortlichen des Spektakels, ging Fritzmeier aber gerne einmal auf die mitten auf dem Rasen des Offenbacher Fußballstadions erschaffene Eisfläche, mit einer guten Portion Vorfreude: Wenn am Samstag (20.30 Uhr/live im HR) dort die Puckjäger der beiden DEL-2-Klubs aufeinandertreffen, wird es zumindest für die als Gastgeber firmierenden Bad Nauheimer das größte Spiel ihrer 73-jährigen Vereinsgeschichte sein, ein spezielles Erlebnis aber ist es gewiss für alle Beteiligten.

„Das ist schon ein einmaliges Event, das nicht jeder noch einmal erleben wird“, meinte Fritzmeier und lobte die Vorarbeiten: „Tolles Stadion, toller Aufbau.“ Während sich René Rudorisch beeindruckt zeigte, „was hier auf die Beine gestellt wurde“. Der Geschäftsführer der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys verspürte gestern schon ein vorfreudiges Kribbeln. Auch für die DEL 2 ist es ein wichtiger Tag, hat die Liga doch sogenannte Eventgames dieser Art ausgeschrieben, um für sich und den Sport mehr Aufmerksamkeit zu erwecken.

Vor drei Jahren spielten die Löwen vor 30 000 Zuschauern in der Frankfurter Fußballarena gegen die Kassel Huskies, nun sind sie als Gäste eingeladen. „Das Spiel gibt uns die Chance, mal aus dem Schatten des Fußballs herauszutreten“, sagt EC-Chef Ortwein. Soviel Öffentlichkeit ist dem Klub aus der Kurstadt noch nie zuteil geworden, die bislang knapp 15 000 verkauften Karten sorgen für das größte Publikum der Bad Nauheimer Historie.

Die Vorbereitungen sind getroffen, einschließlich eines bunten Rahmenprogramms, bis hin zum ersten Bully: Den Puck ins Spiel bringen wird kein Geringerer als Erich Kühnhackl, Deutschlands Jahrhundertspieler, mit Beziehungen in die Region. Ende der 1990er Jahre hatte er in Bad Nauheim kurz als Trainer ausgeholfen, später stand er in Diensten der Frankfurt Lions.

Löwen enttäuschten bisher

Für die Löwen kommt dieses Spektakel zur Unzeit. Auf die lange Ausfallliste sind jetzt noch die drei zur U-20-WM abgereisten Junioren-Nationalspieler um Leon Hüttl gekommen, und ihre aktuelle Form spricht nicht eben für auf einen enttäuschenden achten Tabellenrang abgerutschte Frankfurter. „Wir haben viele Punkte verschenkt, jetzt ist die Lage prekär“, sagt Fritzmeier. Mit dem aus Kaufbeuren verpflichteten Mike Mieszkowski dürfte ein neuer Angreifer zum Kader gehören – und dass Kapitän Adam Mitchell ein überraschend frühes Comeback gibt, ist gut möglich.

Die Löwen gehen heute erstmals aufs Offenbacher Eis, die Bad Nauheimer trainierten gestern schon auf der in NHL-Maßen gehaltenen und so etwas schmaler als gewohnten Fläche. „Alles ist enger. Da bleibt keine Zeit“, hat Teufel-Verteidiger Huba Sekesi festgestellt und folgert: „Man sollte vorausdenken und wissen, wohin man die Scheibe spielen will, wenn man sie bekommt. Die Mannschaft, die das besser umsetzt, wird erfolgreich sein.“

Zuletzt ist Bad Nauheim vieles besser gelungen als Frankfurt, zur Hauptrunden-Hälfte ist man unverhoffter Dritter. Daraus etwas für Samstag abzuleiten, kommt Christof Kreutzer aber nicht in den Sinn. „Das ist ein Derby und dann noch so ein besonderes Event, da gibt es keine Favoriten“, sagt der EC-Trainer. Er ist sich nur sicher: „Die Jungs werden zu 100 Prozent brennen.“

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