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Der Franzose Rudy Gobert, 27, Center der Utah Jazz in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA, spendete 500 000 US-Dollar zur Unterstützung der Hallenmitarbeiter, deren Einkommen ohne Spielbetrieb wegfällt.

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Solidarität ist Pflicht

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Warum fürstlich verdienende Sportstars einen Obolus zur Linderung der Corona-Krise entrichten sollten. Ein Kommentar.

Da wären wir dann. Willkommen in der schönsten, intensivsten Zeit des Sportjahres, in der sich alles zuspitzt und beschleunigt, in allen Ligen, allen Disziplinen. Ein gewaltiges Crescendo bis hinein in den Mai, Juni, wenn alles endet in den Bildern von feiernden und trauernden Fans und Fußballern, die sich gegenseitig mit Bier beschütten. Blöd nur, dass es diesmal anders kommt.

Mitten in der Beschleunigungsphase des Frühlings hat die Gesellschaft und letztlich auch der Profisport eine Notbremse gezogen, die man erst noch erfinden musste, so neu ist das alles, so unerwartet auch. Die Corona-Pandemie macht nicht einmal vorm Profisport halt mit seinem Nimbus der Unzerstörbarkeit, und vielleicht werden auf den Bildern, die von dieser Saison hängenbleiben, egal ob im Basketball, Handball, Eishockey, Fußball, keine Sportler und Sportlerinnen im klassischen Sinne zu sehen sein; sondern Profis, die mit blauen Säcken eine Stadionanlage verlassen, ohne zu wissen, wann sie wiederkommen. Leere Sitzreihen. Imbissstände, in denen sich riesengroße Plastiktüten mit Popcorn, das nie mehr verkauft wird, zu Bergen stapelt. Auch diese Bilder sind neu, eine geradezu nihilistische Schönheit geht von ihnen aus; muss ja nicht alles schlecht sein, nur weil alles schlecht ist gerade.

So erlebt man dieser Tage erstaunliche Zuckungen der Menschlichkeit im mitunter roboterhaften Profisport. Diejenigen, denen es so gut geht, dass ihnen diese Krise von ungeahntem und immer noch ungewissem Ausmaß nichts anhaben wird, solidarisieren sich bereits mit denjenigen, die schon nach ein paar Wochen des ökonomischen Stillstands vor existenziellen Fragen stehen. Der Franzose Rudy Gobert, 27, Center der Utah Jazz in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA, spendete 500 000 US-Dollar zur Unterstützung der Hallenmitarbeiter, deren Einkommen ohne Spielbetrieb wegfällt. Viele Kollegen folgten ihm, wie auch in anderen Sportarten in Nordamerika.

Nur so geht es, mit Solidarität. Auch im Fußball. Helge Leonhardt, Präsident des Zweitligisten Erzgebirge Aue, gibt die ungefähre Richtung vor, wenn er einen „Corona-Rettungsfonds“ vorschlägt: „Wichtig ist, dass unsere Arbeiter, Leute, die in der Pflege Dienst schrubben, Priorität haben. Die Fußballer werden abgefedert. Die sollten Abstriche machen.“ Auch Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, sieht die Topverdiener der Klubs in „einer besonderen Verantwortung, ihren Vereinen und deren Mitarbeitern aktiv zu helfen.“ Ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Solidarität sei nun gefragt.

Wenn die Starken die Schwachen in die Mitte nehmen, kommen alle aufrecht durch die Turbulenzen. Der nächste Frühling kommt bestimmt.

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