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Söderholms plötzlicher Abschied

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Von: Günter Klein

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Toni Söderholm kehrt der deutschen Nationalmannschaft den Rücken zu.
Toni Söderholm kehrt der deutschen Nationalmannschaft den Rücken zu. © Imago

Der Eishockey-Bundestrainer verlässt den deutschen Verband Ricktung Bern und hinterlässt beim DEB eine große Lücke

Als am Dienstagabend das Gerücht aufkam, Toni Söderholm wolle nicht mehr Trainer der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft sein, hatte der 44-jährige Finne schon bei seinem neuen Arbeitgeber, dem SC Bern, eingecheckt. Und als am Mittwochmittag in einer eilig einberufenen Video-Sitzung Andreas Niederberger und Christian Künast, Vizepräsident und Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), die vergangenen Tage an sich vorbeiziehen ließen, leitete Söderholm beim Tabellensechsten der Schweizer National League bereits das Training. Es war alles schnell gegangen.

Nur der Reiz des Neuen?

Am Sonntag, nachdem seine stark verjüngte Nationalmannschaft den Deutschland Cup in Krefeld gewonnen hatte, informierte Söderholm den DEB über das Angebot aus Bern und dass er es anzunehmen gedenke. Es sei für ihn immer klar gewesen, dass er „eines Tages wieder Klubtrainer sein“ wolle, die Chance, in Bern einzusteigen, wo er selbst mal gespielt hatte, „ist attraktiv“. DEB-Vize Niederberger sagt: „Wir waren natürlich überrascht, dass Toni an uns herantrat, nachdem er den Vertrag erst im Sommer verlängert hatte.“ Bis 2026 sogar – nachdem Söderholm 2019 beim Verband angefangen hatte.

Der DEB erteilte die Freigabe. Und empfindet es nicht als Niederlage, dass ihn nach Marco Sturm zum zweiten Mal in Folge ein ja durchaus erfolgreicher Bundestrainer Richtung Vereinsgeschäft verlässt. Sportdirektor Künast: „Es zeigt, wie gut wir ausbilden. Wir führen in der Ausbildung vielleicht sogar weltweit und sind so interessant, dass unsere Trainer begehrt sind.“

Doch ist der Reiz des Neuen die einzige Geschichte hinter Söderholms abruptem Aufbruch? Ein Manager aus der DEL verrät, Söderholm habe beim Verband eigentlich nur verlängert, nachdem sich die Aussicht auf eine Anstellung bei den Adlern Mannheim zerschlagen habe. Er habe dann nur auf die nächste Chance gewartet – obwohl seine Machtfülle beim DEB immer größer wurde.

Die Rede ist auch von einem Zerwürfnis mit Künast während der Tage in Krefeld, der Sportdirektor dementiert: „Wir haben den Deutschland Cup vorbereitet, durchgezogen, zielführend und vertrauensvoll zusammengearbeitet.“

Und jetzt? Geht der DEB auf Nachfolgersuche. Heute will er damit beginnen, ein Profil zu erstellen. Künasts erste Umschreibung: „Die Überschrift lautet: .Es muss ein guter Trainer sein.‘“

Doch wer könnten Kandidaten sein?

Thomas Popiesch: Der 57-Jährige ist erfolgreich mit Bremerhaven, sprang beim Deutschland Cup 2020, als Söderholm mit Corona ausfiel, schon einmal ein.

Marcel Goc: Der Ex-NHL-Spieler (39) gilt als Trainertalent, wird derzeit in Mannheim auf der Assistentenstelle aufgebaut.

Don Jackson: Ja, auch der Senior (66) vom EHC München kommt in Frage. Angeblich drängt Matt McIlvane (37), beim Schwesterclub in Salzburg geparkt, darauf, 2023 die Jackson-Nachfolge in München anzutreten.

Tobias Abstreiter: Der 52-Jährige wäre die interne Lösung, er coacht die U 20. Sollte der DEB bis zur nächsten Maßnahme (U 25 im Februar) niemanden haben, könnte er da zumindest einspringen.

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