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„Ein absolutes Privileg“: So empfindet Sebastian Gleim (links) seinen Trainerjob in Corona-Zeiten.
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„Ein absolutes Privileg“: So empfindet Sebastian Gleim (links) seinen Trainerjob in Corona-Zeiten.

Skyliners-Trainer Gleim

„Wir werden uns belohnen“

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Skyliners-Cheftrainer Sebastian Gleim über den Austausch des Spielmachers, das Ziel Klassenerhalt und die Freude über die Arbeit als Basketballtrainer in Zeiten von Corona.

Herr Gleim, Sie haben Emmanuel Lecomte kürzlich den Vertrag aufgelöst. Dabei war der belgische Spielermacher ja schon früh im Sommer dabei. Warum hat man jetzt erst gemerkt, dass es nicht passt?

Lecomte war der einzige Spieler, der in Europa in Zugverbindungsnähe war und im Sommer der in einen offenen Tryout-Vertrag gegangen ist. Ich habe alle Agenten angeschrieben und es gab keine Auswahl, sondern nur Lecomte. Jetzt kann man sich die Frage stellen: Warum haben wir das so lange versucht? Die ersten sechs Wochen waren von seinem Verhalten her völlig in Ordnung, danach sind Dinge vorgefallen, die nicht gut für die Teamchemie waren. Deshalb haben wir den Vertrag aufgelöst. Es geht um die Fraport Skyliners, unsere Mannschaft, nicht um einzelne Spieler.

Bei der Suche nach einem Ersatz sind Sie mittlerweile fündig geworden. Joe Rahon, der bereits vergangene Saison hier gespielt hat, kehrt zurück. Warum haben Sie sich für ihn entschieden?

Wir glauben, dass es für uns in der jetzigen Situation eine sehr gute Lösung ist, weil Joe unsere Systeme kennt. Wir haben mit Jon-Axel Gudmundsson diese Saison den besseren Combo-Guard als mit Lamont Jones. Wir haben mit Matt Mobley einen besseren Scorer als der Rookie Matt McQuaid. Und wir haben mit Konstantin Konga einen besseren Point-Guard-Backup als Daniel Schmidt. Und mit Len Schoormann einen anderen Spielertyp als Akeem Vargas.

Was bedeutet das für Rahon?

Konsti und Len können Joe in verschiedensten Bereichen unterstützen, sodass er in dieser Konstellation besser funktionieren kann, als im letzten Jahr. Joe ist ein Spieler, der teamorientiert ist, der andere Spieler auf ein besseres Level bringt. Es geht darum, dass wir Lösungen finden, wie wir als Mannschaft besser werden, wie wir Spieler weiterentwickeln und es geht primär darum, in der Liga zu bleiben. Dabei wird uns Joe helfen.

Gibt es die Möglichkeit statt Richard Freudenberg oder Bruno Vrcic, die ja noch länger ausfallen, jemanden zu verpflichten?

Wir schauen stetig auf dem Markt, ob es kurzfristige oder langfristige Optionen gibt, die Ausfälle der beiden zu kompensieren.

Gerade im Frontcourt haben Sie durch den Ausfall von Freudenberg große Probleme. Wie sehen Sie die Besetzung der großen Positionen im Team?

Nach dem Abgang von Leon Kratzer haben wir uns um einen deutschen Spieler bemüht, der die Position Fünf spielen kann. Michael Kessens hat mit Vechta, als einer der Core-Spieler, einen Playoff-Platz erreicht. Er hat ein anderes defensives Konzept gespielt und muss jetzt ein neues lernen. Er ist ein Spieler, der kein typischer Big Man mit einem post-up-Spiel ist. Er ist ein mobiler Großer, der den Ball bewegen kann und spezielle Fähigkeiten hat, die man nutzen muss. Da sind wir immer noch in einem Prozess, das noch besser zu nutzen. Michael war für uns die beste Lösung so spät im Sommer. Er ist ein sehr guter Teammate und er arbeitet sehr intensiv mit Athletiktrainer Dennis Wellm, dass er körperlich wieder sein bestes Level erreicht. Ich bin sehr froh, dass Michael bei uns ist.

Und als Back-Up agiert vor allem Kamari Murphy. Wie kamen Sie auf ihn?

Hinter Michael habe ich einen Spieler gesucht, der sehr gut pick-and-roll verteidigen und switchen kann sowie sehr mobil ist. Da haben wir mit Kamari jemanden gefunden, der das sehr gut kann. Er ist ein ähnlicher Spielertyp wie Mike Morrison, der hier vier Jahre lang gespielt hat. Wir spielen ja in einigen Phasen mit zwei Großen. Es gibt uns ein anderes Spacing mit drei Außenspielern und zwei Innenspielern, so wie früher mit Danilo Barthel und Johannes Voigtmann oder Johannes Voigtmann und Mike Morrison. Durch den Ausfall von Richard hat die Verpflichtung von Kamari viel Sinn gemacht, da er auch einige Minuten auf der Position Vier spielen kann. Insgesamt muss Kamari noch lernen, besser den Ring zu beschützen und konstant winning plays zu machen.

Spielerisch müssen sie ja aber doch einiges umstellen nach dem Abgang von Kratzer.

Klar ist, dass wir weniger post-up-Spiel haben. Wir arbeiten immer noch daran, dass wir den Ring besser beschützen. Du musst früher und aggressiver helfen, wenn du keine 2,10-Meter-Spieler unter dem Korb hast. Trotzdem sind wir jetzt schon unter den Top-Fünf-Defensivteams der Liga, obwohl wir gegen die drei besten Teams gespielt haben. Wir müssen von Spieltag zu Spieltag immer etwas anders verteidigen. Mit anderen Mannschaften ziehst du dein Konzept durch und musst nur eine Sache justieren. Dieses Jahr ist das anders.

Geschäftsführer Gunnar Wöbke hat den Klassenerhalt als Ziel ausgerufen. Ist die Teamstärke dann letztlich im unteren Drittel anzusiedeln?

Der Klassenerhalt hat aufgrund der wirtschaftlichen Gesamtsituation für uns absolute Priorität. Grundsätzlich möchte man immer mehr erreichen. Ich glaube, dass wir, wenn wir uns weiterentwickeln, gesund bleiben und nicht in Quarantäne müssen, den Klassenerhalt auch frühzeitig sichern können und nicht erst drei Spieltage vor Ende der Runde. Wir müssen uns bewusst sein, egal wie wir fighten und kämpfen, dass es manchmal nicht reichen kann – so wie gegen München. Da kann uns keiner vorwerfen, dass wir nicht alles versucht haben. Das müssen wir immer tun, dann werden wir uns belohnen – auch gegen stärkere Mannschaften.

Wie viel Freude bereitet Ihnen der Job als Cheftrainer der Frankfurt Skyliners in Corona-Zeiten?

Ich empfinde es als absolutes Privileg, meinen Job machen zu können und einen zu haben. Ich kenne einige Menschen, die ihren Job nicht nachgehen können oder kurzfristig nicht mehr nachgehen dürfen, weil in ihren Firmen Personal abgebaut wird. An dem, was ich als Coach beeinflussen kann, habe ich immer große Freude. Training, Coachen, einzelne Spieler und die Mannschaft besser machen. Keinen Spaß macht es, wenn man in Quarantäne muss oder sehr komplexe, ungewisse Dinge auf einen treffen, die man nicht selbst beeinflussen kann. Da gilt es, entspannt zu bleiben und die Dinge nicht zu sehr an sich ranzulassen.

Die ungewissen Dinge waren zum Beispiel die Verletzungen in der Vorbereitung.

Seit meiner Übernahme als Headcoach würde ich vorsichtig behaupten, dass ich in der schwierigsten Phase des Basketballs und der Fraport Skyliners Headcoach bin. Das ist eine ganz besondere und nicht einfache Erfahrung. Die Verletzungen tun immer einem besonders weh als Coach. Vergangene Saison war es Niklas Kiel einen Tag vor der Preseason. Jetzt haben wir die Situation mit Richard. Er hat letztes Jahr einen guten Fortschritt gemacht. Wir haben sein BBL-Profil klar geschärft und dann kommt der Junge nicht vorwärts, weil er körperliche Einschränkungen durch die Verletzung hat.

Dann kommen die Spieler auch noch in unterschiedlichen körperlichen Zuständen nach Frankfurt. Wie kriegt man sie dann auf ein Level im Training?

Die Spieler, die den ganzen Sommer mit uns gearbeitet haben, sind alle körperlich auf einem sehr ordentlichen Level. Es gibt ein paar Spieler, die teilweise eigene Lockdown-Situationen hatten. Das habe ich schon gemerkt, als ich mit vielen Spielern im Sommer gesprochen habe. Viele konnten gar nicht in eine Halle gehen. Bei Spielern, die wir früh verpflichtet haben, wie Rasheed Moore und Jon Axel Gudmundsson, waren wir die ganze Zeit über Zoom, Facetime und Telefonaten in Kontakt und haben sichergestellt, dass sie trainieren. Bei Spielern wie Mobley oder Kamari Murphy, die wir später geholt haben, war das schwieriger.

Wie ist der körperliche Zustand der ausländischen Profis?

Mobley hat immer noch einen körperlichen Rückstand und da hoffen wir, dass er sich in den nächsten Wochen steigert und an sein Spiel rankommt, was er eigentlich spielen kann. Bei Quantez Robertson ist es eine Mischung aus Alter und Kilometern, die er schon auf dem Buckel hat. Man darf nicht vergessen, wie viel er in seinem Leben schon gespielt hat. Tez ist ein besonderer Spieler, er hat kein normales Schmerzempfinden. In seinem Alter so einen Körper und Energie zu haben, finde ich besonders. Aber er muss immer trainieren, immer Fünf-gegen-Fünf spielen, damit er auf sein Level kommt. Die vergangenen zwei, drei Wochen hat er vom körperlichen Zustand her einen Schritt nach vorne gemacht.

Wie ist die aktuelle Trainingssituation mit Profis und der zweiten Mannschaft, der Pro B?

Wir müssen Trainingsgruppen einhalten. Es gibt eine BBL-Bubble und eine Pro-B-Bubble. Die Pro-B-Bubble trainiert immer abends, so dass es keine Kontakte gibt. Wenn wir mit dem BBL-Team um 10 Uhr Teamtraining haben, machen wir jetzt nicht wie früher immer um 9.30 Einzeltraining mit den Pro-B-Spielern. Wir müssen jede Woche zwölf Spieler festlegen, die sogenannten Corona-Zwölf. Wenn fünf von denen positiv auf Corona getestet werden sollten, kann ein Spiel abgesagt werden. Zusätzlich zu den Profispielern sind das Maxi Begue, Matthew Meredith und Alvin Onyia, die ins BBL-Training kommen. Die haben nichts mit der Pro B zu tun – außer, wenn sie spielen. Das ist die neue Regel.

Was beinhaltet die noch?

Die Spieler müssen negativ getestet werden, um in die BBL-Bubble zurückzukommen. Ich muss als BBL-Trainer entscheiden, ob sie spielen, was sie immer sollen, dann sind sie die nächsten Trainingseinheiten nicht da, sodass wir nicht Fünf gegen Fünf trainieren können. Jordan Samare, der sich in der Vorbereitung einen Bänderriss zugezogen hatte, sollte eigentlich in der BBL-Bubble sein, hat seine Reha aber in der Pro-B-Bubble gemacht. Bevor wir den hochziehen können, braucht er zwei negative Tests. Er konnte also nicht einmal das Training beobachten und muss sechs Wochen Inhalt aufholen. Früher konnte der einfach zugucken. Damit er überhaupt mittrainieren kann, müssten wir ihn zwei Wochen einarbeiten.

Was wird in den kommenden Wochen, außer dass alle gesund bleiben, das Wichtigste sein?

Es kommen jetzt enorm viele Spiele auf uns zu. Es wird sehr wichtig sein, dass wir mit viel Selbstbewusstsein und mental stark in diese Phase gehen. Für die Spieler ist es sehr ungewohnt, nur zwischen Halle und Wohnung hin- und herzupendeln. Wir müssen positiv bleiben und wollen möglichst viele Spiele gewinnen.

Interview: Timur Tinç

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