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Skisprung-Trainer Heinz Kuttin: Der China-Experte

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Von: Patrick Reichelt

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Einer der weltbesten Skisprung-Trainer: Heinz Kuttin.
Einer der weltbesten Skisprung-Trainer: Heinz Kuttin. © imago/Newspix

Trainer Heinz Kuttin soll deutschen Kombinierern den entscheidenden Schub für Peking bringen - auch mit Hilfe seines Wissensvorsprungs.

Den ersten Nachrichten aus dem Olympia-Land hat Heinz Kuttin lieber gar keine Beachtung geschenkt. Auch den Berichten des Teamkochs nicht, der dem Tross der Nordischen Kombinierer bereits vorausgereist war. „Das zieht nur Kräfte“, sagt Kuttin, der Mann, der die deutschen Skizweikämpfer auf der Schanze an die Ausnahmekönner wie Jarl-Magnus Riiber heranführen soll. Aber was soll man dem Kärtner auch erzählen? Kuttin weiß, wie kaum ein anderer, was er in China zu erwarten hat. Es ist noch nicht allzu lange her, da war selbst mittendrin im chinesischen Unternehmen Olympia. 2018 hat das Reich der Mitte den einstigen Chefcoach Österreichs an Bord geholt, um die Skispringerinnen des Landes an die Olympia-Form heranzuführen.

Deutsche „Weltspitze“

Man hatte das Projekt ja für ihn modelliert. Dank einer Kooperation der Verbände durften Chinas Springerinnen weitgehend in Österreich üben. Nur punktuell musste Kuttin beim Arbeitgeber vorstellig werden. So wie bei jenem dreiwöchigen Trainertreffen im Sommer 2019. 1000 Menschen schworen sich da in einer Halle im chinesischen Hinterland auf die Dinge ein, die da kommen mögen. Am Ende „war ich froh, dass ich wieder im Flieger war.“ Keine Selbstverständlichkeit, zunächst hatte man ihm das Rückflugticket verweigert.

Und das passte zur Entwicklung seines Engagements. Die Führung machte mehr und mehr Druck und mischte sich in sportliche Belange ein. Man solle mehr trainieren, härter trainieren, weniger Regenerationseinheiten einlegen. „Wenn man weiß, wie sehr Skispringen davon abhängt, dass man im Kopf frei ist, dann weiß man auch, dass das nicht gut gehen kann.“ Es ging auch nicht gut, eine Verletzung „folgte unter den Athletinnen der nächsten“. Anfang 2020 schmiss Kuttin hin. Weil er die Entwicklung „nicht mehr mit meinem Verständnis als Trainer vereinbaren konnte.“

Dem Deutschen Skiverband (DSV) dürfte diese Entwicklung ganz Recht gekommen sein. Der DSV hatte sich schon geraumer Zeit nach einem Fachmann umgesehen, der den Kombinierern im Wettbewerb gegen Superstar Riiber oder Österreichs Aufsteiger Johannes Lamparter zu mehr Weite auf der Schanze verhelfen konnte. Kuttin flirtete zwar bereits mit dem französischen Verband, aber wenn DSV-Sportchef Horst Hüttel nach Österreich fährt, kehrt er selten alleine zurück. Und so war es auch diesmal. Kuttin sagte Ja: „Weil du in Deutschland einfach mit Weltspitze arbeitest.“

Steigerung auf der Schanze

Auch die Kombination war ihm nicht neu. In Österreich hatte er auch schon Nachwuchskader der Zweikämpfer trainiert, dazu gehörte unter anderem auch sein Sohn Philipp.

Und die Sache hat im zweiten Jahr der Zusammenarbeit bereits Früchte getragen. Die deutschen Spitzenkräfte um Eric Frenzel oder Vinzenz Geiger haben sich auf der Schanze zumindest näher an Riiber herangeschoben, auch wenn der filigrane Norweger gegenüber den muskulöseren Deutschen im Vorteil ist.

Aber die Entwicklung soll weitergehen. Der 51-jährige Kuttin will die Deutschen in die Position bringen, auch um den Sieg auf der Schanze mitzuspringen. In der Zukunft, aber vielleicht auch schon in Peking. Auf einer Anlage, die corona-bedingt „keiner so wirklich kennt“, wie Kuttin sagt: „Wenn Riiber dort eine Schwäche zeigt, dann werden wir da sein.“

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