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Bedankt sich bei den Fans von Preußen Münster für ihre Solidarität: Leroy Kwadwo.

Kommentar

Das Signal aus Münster

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In der Dritten Liga wird Leroy Kwadwo von den Würzburger Kickers rassistisch beleidigt. Die Fans von Preußen Münster haben Anstand und Zivilcourage bewiesen. Ein Beispiel das Schule machen sollte. Der Kommentar.

Nicht jeder ist so geistesgegenwärtig wie Dani Alves und isst die von einem Trottel aufs Feld geworfene Banane einfach auf. Er möchte dem Werfer dafür danken, schickte der Brasilianer im Dress des FC Barcelona seinerzeit im April 2014 hinterher, denn die Banane habe ihm neue Energie gegeben, die er zur Vorbereitung eines Tores nutzen konnte. Dani Alves hat sehr souverän auf diese unmögliche Aktion reagiert, gegen „rassistische Dummköpfe“ helfe vor allem Missachtung, twitterte damals Gary Lineker, die britische Stürmerlegende. Damit liegt der Mann falsch.

Das Bepöbeln von schwarzen Fußballern, die unsäglichen Affenlaute, diese hirnlose Hetze gegen anders aussehende Menschen lässt sich mit Missachtung allein sicher nicht bekämpfen. Dadurch und wenn kein Widerstand zu spüren ist, fühlen sich Rassisten im Gegenteil eher bestärkt. Und es ist ja in letzter Zeit nicht besser geworden mit den Parolen, Jordan Torunarigha von Hertha Berlin war in der Bundesliga das jüngste Opfer, als er auf Schalke von Zuschauern beleidigt wurde. Und ist es wirklich nur Zufall, dass die rassistischen Äußerungen just im Schalker Stadion zu hören waren? Dort, wo ein Klub spielt, dessen Aufsichtsratschef in einer Rede beim Tag des Handwerks rassistisch entgleist und der – bis auf eine dreimonatige Ruhepause im Amt – damit weitgehend sanktionsfrei durchkommt. Ist ja offenbar alles halb so schlimm, hat der Clemens Tönnies ganz anders gemeint. Wirklich?

In Sofia, ein anders drastisches Beispiel, muss ein EM-Qualifikationsspiel zwischen Bulgarien und England zweimal unterbrochen werden, weil die heimischen Zuschauer die dunkelhäutigen englischen Spieler massiv beleidigen. Hätte es da nicht einer anderen Reaktion bedurft? Einer deutlicheren? Hätten die Briten nicht geschlossen den Platz verlassen müssen? Einzelfälle sind das schon lange nicht mehr. Frag nach bei: Mario Balotelli, Kevin-Prince Boateng, Antonio Rüdiger, Raheem Sterling.

Reaktion der Anständigen

Ein ermutigendes Signal ist jetzt aus Münster gesendet worden. Bei einem Drittligaspiel zwischen Preußen Münster und den Würzburger Kickers haben Zuschauer auf den Mann gezeigt, der den gegnerischen schwarzen Spieler Leroy Kwadwo, ein Deutscher mit ghanaischen Wurzeln, mit Affenlauten bedacht und rassistisch beleidigt hatte („Geh zurück in dein Loch“). Der Mann, ein 29-Jähriger, konnte schnell ausfindig und von Ordnern festgehalten werden, ihm droht eine Anzeige wegen Volksverhetzung. Das besondere daran ist eigentlich etwas Selbstverständliches: Zuschauer haben Zivilcourage und Anstand bewiesen, haben es dem Pöbler nicht gestattet, sich in einer anonymen Masse zu verstecken – sie haben ihn identifiziert, ausgegrenzt und dingfest gemacht. Genau so kann es funktionieren: Dass nämlich keiner, der hetzt, erniedrigt, belästigt oder herabsetzt damit durchkommen kann, dass er weiß, öffentlich an den Pranger gestellt zu werden.

Natürlich ist nicht jeder Schreihals ein ausgewiesener Rassist und Nazi. Im Fußball basiert Identifikation mit dem eigenen Verein auf einem starken Wir-Gefühl. Die eigene Gruppe wird durch die Abwertung des Gegners stabilisiert, die Anderen sollen klein gemacht werden. Die Übergänge sind fließend, wegen des hohen gesellschaftlichen Stellenwertes des Fußballs und damit einhergehender Medienpräsenz benutzen Rechtsradikale und Rassisten die Stadien aber durchaus als Bühne.

Gegen diese Unbelehrbaren hilft aber nur Konsequenz, Unnachgiebigkeit und Entschiedenheit. Sie müssen gestellt werden, müssen identifiziert werden. Wie in Münster. Iim Endeffekt müssen bei rassistischen Ausfällen auch Spiele abgebrochen werden. Allein mit wohlfeilen Parolen a la „Say No to Racism“ ist es nicht getan.

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