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Kaum zu halten: Leroy Sané. afp
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Kaum zu halten: Leroy Sané. afp

Deutsche Nationalmannschaft

Siegen ohne Leckerlis

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Die Zeit der Experimente im DFB-Team ist erst einmal vorbei. Bundestrainer Joachim Löw wähnt sich auf dem richtigen Weg und muss wohl nicht einmal drei Weltmeister zurückholen.

Wenn alles läuft wie geplant, wird die deutsche Fußball-Nationalmannschaft sich am 25. Mai ins Trainingscamp nach Seefeld/Österreich zur Vorbereitung auf die Europameisterschaft begeben. Sollten der FC Bayern oder Borussia Dortmund es nicht ins Finale der Champions League am 29. Mai geschafft haben, könnten auch Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels mit zum Aufgebot fürs Seefeld-Camp gehören.

Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.

Denn es gibt ein paar Nachrichten aus dem tief in der Nacht zu Dienstag ohne die drei Musketiere außer Dienst in Köln zur Weiterfahrt nach Düsseldorf gelandeten Kader, die die Dringlichkeit der möglichen Rückholaktion nicht mehr wie eine absolute Unbedingtheit aussehen lassen. Sondern nur noch wie eine schlichte Option.

Der zweite Zu-Null-Sieg in Folge hat sowohl in der WM-Qualifikation als auch mit Blick auf die EM ein bisschen Druck aus dem Kessel genommen. Erst das 3:0 gegen Island, nun das 1:0 in Rumänien waren Ergebnisse, die den Verlierern jeweils schmeichelten. Und die also kein neues Benzin ins Feuer um eine Müller/Hummels/Boateng-Debatte gossen, die natürlich dennoch im Mai mit Inbrunst geführt werden wird.

Am Mittwochabend (20.45 Uhr/RTL) endet gegen Nordmazedonien - ein Team, das gar nicht mal so schlecht unterwegs ist - das deutsche Auftaktprogramm auf dem geplanten Weg nach Katar 2022. Noch ein Erfolg mit blütenreiner weißer Weste wäre für die aktuell berufenen Nationalspieler aus purem Eigeninteresse förderlich. Es würde die Chancen für eine EM-Nominierung erhöhen.

Löw hat den Experimentiermodus des Vorjahres verlassen. Dass er zweimal in Folge die selbe Startelf aufbietet, kommt nur alle vier bis fünf Jubeljahre mal vor, diesmal war es mal wieder so. Der Bundestrainer verteilt auch keine süßen Bonbons mehr, sondern nur noch saure Drops.

Die Einwechselspieler Florian Neuhaus und Amin Younes wurden erst in der Nachspielzeit gebracht, um Zeit zu schinden, als die ansonsten gut betonierte deutsche Abwehr um die starken Innenverteidiger Antonio Rüdiger und Matthias Ginter dann doch zweimal wackelte. Und auch Timo Werner bekam von Löw lediglich eine Schlussviertelstunde geschenkt, weil Kai Havertz nach starkem Beginn etwas aus der Puste geraten war.

RTL-Experten uneins

Der Bundestrainer hatte wahrscheinlich Recht mit seinem zurückhaltenden Wechselwesen, auch wenn RTL-Fachkraft Steffen Freund - zum heiligen Unverständnis des Experten-Kollegen Uli Hoeneß - ein wenig ins Zetern geriet: Es gab nicht allzu viele gute Gründe, das vertrauensvoll kooperierende Mittelfeld mit Joshua Kimmich (in Manndeckung), Leon Goretzka und Ilkay Gündogan zu sezieren.

Hinten verrichteten Lukas Klostermann, Ginter, der auffällige Rüdiger und der noch auffälligere Emre Can zuverlässige Arbeit, vorn rannten Torschütze Serge Gnabry, Havertz und Leroy Sané „auf verschiedenen Ebenen“ (Löw trotz Optimierungswunsch zufrieden) viel durcheinander und hätten bei etwas mehr „Willen“ (Kapitän Manuel Neuer leise kritisch) durchaus mehr Tore machen können.

Schludrigkeiten in der Chancenauswertung, die in der EM-Vorrunde gegen Frankreich, Portugal und Ungarn unter Strafe des Ausscheidens gestellt werden könnten. Löw will mit seinen Männern am Abbau derlei Fahrlässigkeiten arbeiten.

Vor dem nächtlichen Abflug aus der rumänischen Kapitale sah der wieder jugendlicher wirkende 61-Jährige jedenfalls zufriedener aus als im Herbst 2020, und klar ist nun auch, dass er nach wie vor das gepflegte Kurzpassspiel bevorzugt. 90 Prozent positive Passquote gegen Rumänien, gar 93 Prozent gegen Island zeugen von diesem Ansatz, der gern auch mal mit einem risikoreicheren langen Ball unterbrochen werden darf. So vor dem einzigen Tor in Bukarest, als der unter Thomas Tuchel beim FC Chelsea mit Selbstvertrauen vollgepumpte Rüdiger exzellent auf Havertz spielte, der nicht minder klug Gnabry zu dessen bereits 15. Länderspieltor im erst 19. Einsatz für Deutschland verhalf.

Auch die Nebengeräusche gerieten frei von lästigem Knirschen. Der non-verbale Hinweis auf die Menschenrechte vor dem Spiel mit umgedrehten Trikots auch der Ersatzspieler musste vom DFB per Twitter erklärt werden. Die nach vorne gerichteten Rückennummern sollten die Zahlen der insgesamt 30 Artikel in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen symbolisieren.

Offenbar bleiben die Spieler an dem Thema dran. Die Beteiligten legten Wert darauf zu betonen, dass die Aktion, wie Löw nach der geballten Kritik an einem DFB-Imagefilm ausdrücklich betonte, „wirklich ganz alleine aus der Mannschaft kam“ und keineswegs marketinggetrieben sei. Kapitän Manuel Neuer bestätigte das mit Verve: „Wir stehen alle für Fairplay, auch außerhalb des Platzes. Wir stehen für diese 30 Menschenrechtsartikel, für Vielfalt und gegen Diskriminierung. Das wollten wir damit zeigen.“

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