1. Startseite
  2. Sport

Severin Freund über sein Karrieende: „Ich bin sehr stolz“

Erstellt:

Von: Patrick Reichelt

Kommentare

Severin Freund, 33, hat etwas überraschend seine Karriere beendet.
Severin Freund, 33, hat etwas überraschend seine Karriere beendet. © AFP

Skispringer Severin Freund über sein überraschendes Karriereende, die größten Erfolge und das bisher ungeplante Leben danach.

Herr Freund, was sind Sie im Moment? Noch Skispringer, Privatmann...?

(lacht) Zumindest weiß ich, dass ich nicht demnächst das Krafttraining anfangen muss. Aber bis das, was sich jetzt verändert, bei mir eingesickert ist, wird sicher noch eine Zeit vergehen.

Mit Ihrer Rücktrittsankündigung haben Sie überrascht. Aber es dürfte kein spontaner Entschluss gewesen sein.

Für mich ist die Saison ja nicht wirklich gut losgegangen. Ich war erst mal im Continental Cup und musste mich wieder in die Mannschaft kämpfen. Die Skiflug-WM in Vikersund war ein Ziel für mich. Auf dem Weg dorthin habe ich für die Zukunft eigentlich keinen Gedanken gehabt. Aber rund um die WM waren wir drei Wochen unterwegs, ich bin auch immer wieder gefragt worden: „Wie lange machst du eigentlich noch?“ Da habe ich dann das überlegen angefangen, wie es denn wäre, aufzuhören. Und der Gedanke fühlte sich gut an.

Sie haben nach der Anfangsphase im Continental Cup einen Sprung nach vorne gemacht, haben auch aus Vikersund Silber mit dem Team mitgebracht. Hat das den Schritt erleichtert oder erschwert?

Ui, gute Frage. Klar wären die Olympischen Spiele in Predazzo reizvoll. Endlich wieder Spiele in einem traditionellen Wintersportort. Auch die WM in Trondheim. Aber ich denke, mir hat die ganz gute Entwicklung den Schritt eher leichter gemacht. Ich habe mich zurückgekämpft, wenn auch nicht ganz dorthin, wo ich vor meinen Verletzungen war. In einzelnen Sprüngen hat es funktioniert, aber für ganz oben hat es nicht mehr gereicht.

Sie gehen in dem Wissen, einmal der weltbeste in Ihrem Fach gewesen zu sein. Was bedeutet Ihnen das, was nehmen Sie mit?

Natürlich geht es im Leistungssport immer um den maximalen Erfolg. Diese Erkenntnis wäre für mich als Motivation über all die Jahre aber nicht zielführend gewesen. Für mich stand immer der Prozess im Vordergrund. Wie kann ich mit meinen Voraussetzungen, in der jeweiligen Situation das maximale für mich persönlich zu erreichen? In der Nachbetrachtung macht es mich sehr glücklich, dass es mir gelungen ist, das maximale aus mir herauszuholen und damit dann auch ganz oben in der Weltspitze ankommen und bestehen zu können.

Sie haben eine Zeit lang gewonnen, was es zu gewinnen gab. Was steht ganz oben?

Da ist sicher der Gesamtweltcup 2014/15. Das ist etwas Besonderes, weil es die Leistungen einer ganze Saison widerspiegelt.

Im Unterschied zu den jüngeren Kollegen mussten Sie sich in einer Zeit ohne die Deckung von Siegspringern entwickeln. Wie war das möglich?

Jetzt kommen wir in den Bereich, in dem man Erfolg im Skispringen erklären muss. Das wäre ein abendfüllendes Thema. Wobei man schon sagen muss, dass es auch bei mir Aktive gab, deren Anwesenheit mir sehr geholfen haben. Die Mannschaft hat auch damals zusammengehalten. Da gab es vielleicht nicht die großen Erfolge, aber es war ein gutes Team. Das ist etwas, worauf ich auch heute sehr stolz bin. Dass wir die ganzen Jahre ein richtig gutes Team hatten.

Wie funktioniert so etwas?

Ich denke, es ist vor allem eine Frage der Charaktere. Es muss einfach passen.

Ihr letzter Flug in Planica ist erst wenige Tage her. Gibt es schon einen Plan für das Leben danach?

Nein, ich muss jetzt erst einmal in dem neuen Leben ankommen. Dass ich jetzt mal mein Kind mit dem Fahrrad zum Kindergarten bringen kann und anschließend nicht wieder den Rucksack zum Training packen muss. Die weiteren Gedanken werde ich mir machen, wenn es an der Zeit ist.

Interview: Patrick Reichelt

Auch interessant

Kommentare