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Auf ihn wird Thomas Weikert besonders achten: Deutschlands Tischtennis-Ass Timo Boll.
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Auf ihn wird Thomas Weikert besonders achten: Deutschlands Tischtennis-Ass Timo Boll.

Olympia

„Sehr traurig, aber richtig“

Der deutsche Tischtennis-Weltverbandschef Thomas Weikert über Olympische Speile ohne Publikum und seiner Erwartungen ans deutsche Team.

Herr Weikert, unmittelbar vor der Abreise nach Japan: Werden Sie sich sicher fühlen in Tokio, was die Pandemie betrifft?

Die Japaner tun alles, damit sichere Spiele gewährleistet sind. Jetzt finden, was sehr traurig, aber richtig ist, die Spiele ohne Zuschauer statt. Ich habe keinerlei Sicherheitsbedenken, und freue mich, dass die Sportler die Chance haben, an Olympia teilzunehmen. Und ich habe großes Vertrauen in unsere japanischen Gastgeber – im Gegensatz dazu, was Organisatoren und Regierungen anlässlich der Fußball-EM geboten haben.

Welche Maßnahmen waren bereits vor dem Abflug notwendig?

Seit einigen Wochen gibt es für Offizielle, Athleten, Coaches, kurzum alle Teilnehmer, die sogenannten „Playbooks“, die die Verhaltensregeln in Tokio definieren. Unter anderem bin ich seit dem 4. Juli – 14 Tage vor meiner Abreise am 18. Juli – verpflichtet, täglich meinen Gesundheitszustand in eine App einzutragen, insbesondere, Fieber zu messen. Geimpft sein ist keine Verpflichtung, aber eine dringende Empfehlung – und der kann ich nur folgen. Ich selbst bin durchgeimpft. Zwei Tests in autorisierten Testzentren folgen am 15. und 16. Juli kurz vor dem Abflug. Darüber hinaus wurde schon jetzt für die ersten 14 Tage des Aufenthaltes genau abgefragt, wo ich mich in Tokio aufhalte, wobei es ohnehin lediglich innerhalb der „Blase“ möglich sein wird, sich zu bewegen, also ausschließlich zwischen Hotel und den einzelnen Wettkampfstätten. Ab der Ankunft wird der Gesundheitszustand über eine weitere App kontrolliert, in den ersten vier Tagen ab Ankunft werde ich täglich auf Covid 19 getestet.

Olympiafeeling ist sicher anders?

Es ist ganz klar: Das, was Olympische Spiele auch ausmacht, nämlich unter anderem der interkulturelle Kontakt zu Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen, wird es so nicht geben. Die Spiele sind für die Athleten, die jahrelang auf dieses Ereignis hintrainiert haben, und für die Medien. Und letztlich ist die Durchführung von Olympischen Spielen zentral für die Finanzierung vieler Sportarten, was wiederum für die Zukunft und Entwicklung des Sports enorm wichtig ist. Deshalb freue auch ich mich sehr, in Tokio dabei sein zu können. Positiver „Nebeneffekt“: Ich kann mich aufgrund von wenigeren Terminen und Sitzungen voll auf Tischtennis konzentrieren und viel Zeit in der Halle verbringen.

Werden Sie im Olympischen Dorf wohnen und zu den auserwählten VIPs gehören, die die Eröffnungsfeier im Stadion live erleben dürfen?

Ich wohne im offiziellen IOC-Hotel. Das Olympische Dorf ist dieses Mal zum Schutz der Athleten total abgeschottet, ich darf es nur in einem Notfall betreten, der hoffentlich nicht eintritt. An der Eröffnungsfeier nehme ich teil.

Wie sieht Ihr Programm in Japan aus? Wird es ein Hopping von Wettkampf zu Wettkampf sein, oder warten andere wichtige Aufgaben auf Sie?

Zur Person

Thomas Weikert ist seit vier Jahren Präsident des Tischtennis-Weltverbandes ITTF. In dieser Funktion fliegt er am Sonntag nach Tokio. Weikert selbst spielte in den 1980er-Jahren in der Tischtennis-Bundesliga. Der Jurist war von 2005 bis 2015 Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes. Weikert setzte sich für ein deutsches Anti-Doping-Gesetz ein und ist deshalb Träger des Bundesverdienstkreuzes.

Als Präsident eines Weltverbandes nehme ich ab dem 20. bis 22. Juli an den verschiedensten Sitzungen des IOC und von ASOIF (Zusammenschluss der Olympischen Sommersportverbände, Anm. der Red.) teil, die allesamt der Eröffnung der Spiele vorgeschaltet sind. Danach wird es verschiedene andere, kleinere Meetings geben, und natürlich werde ich in der Hauptsache die Wettkämpfe im Tischtennis beobachten.

Haben Sie Zugang zu allen Wettkampfstätten, und auf welche Sportarten freuen Sie sich besonders?

Die Präsidenten der Fachverbände haben glücklicherweise Zugang zu den Wettkampfstätten aller Sportarten, ich bin mir dieses Privilegs sehr bewusst. Ich werde vor Ort nach dem Zeitplan und der Gesamtsituation entscheiden, ob und wann ich andere Wettkämpfe besuchen werde. Traditionell werde ich als Hockeyfan unsere beiden Hockey-Mannschaften unterstützen, aber auch die Leichtathletik ist eine schöne Option. Und dann wird man sehen, ob neben meinen Aufgaben im Tischtennis noch Zeit vorhanden ist, um andere Sportarten zu besuchen.

Sie reisen als ITTF-Präsident nach Japan. Aber schlägt Ihr Herz nicht vor allem für die deutschen Tischtennisspieler?

Es wäre ja schlicht geheuchelt, wenn ich sagen würde, ich drücke nicht im Besonderen den deutschen Tischtennisteams die Daumen. Wenn man die Athleten und Athletinnen jahrelang privat und auch als Offizieller begleitet, wäre alles andere nicht normal. Klar: Ich hoffe auf ein gutes Abschneiden, mindestens eine Medaille für unsere Teams wäre schön. Als ITTF-Präsident möchte und erhoffe ich mir aber auch insbesondere, dass Tischtennis gerade in Japan wieder zu den erfolgreichsten olympischen Sportarten zählen wird. Die Präsentation und die Wettkampfbedingungen wurden mehrfach durch japanische Nationalspieler getestet und bewertet und es wurde versucht, sie perfekt wie möglich für die Athleten zu gestalten.

Im November endet Ihre Amtszeit als ITTF-Präsident. Werden Sie noch einmal kandidieren? Sie werden zudem als heißer Kandidat für den Posten des DOSB-Präsidenten und Nachfolger von Alfons Hörmann gehandelt.

Es gibt aktuell diverse Gespräche, deren Ergebnissen ich nicht vorgreifen möchte. Ich bitte deshalb um Verständnis, dass ich dazu zurzeit keine detaillierten Informationen geben kann.

Ihr Tipp: Wie viele Goldmedaillen wird das Team Deutschland mit nach Hause bringen?

In Rio 20216 gewann das „Team D“ 42 Medaillen, davon 17 goldene. Mit diesem Ergebnis könnte ich auch für die Spiele in Tokio sehr gut leben. Ich hoffe aber sehr, dass nicht nur auf den Medaillenspiegel geschaut wird. Jeder Athlet, jede Athletin, der oder die die Qualifikation für Olympische Spiele geschafft hat, ist in meinen Augen schon ein Gewinner oder eine Gewinnerin und verdient jegliche Anerkennung und Respekt. In vielen Sportarten gab es aufgrund der Pandemie nicht die Wettkämpfe und Vergleiche, die die Sportler benötigen, um zu sehen, wo sie stehen. Es ist also mehr als spannend zu beobachten, wie jeder mit dieser nicht einfachen Situation umgehen wird.

Interview: Marion Morello

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