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Rennfahrer und Fußballfan: Sebastian Vettel kickt mit seinem Ferrari-Kollegen Charles Leclerc.
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Rennfahrer und Fußballfan: Sebastian Vettel kickt mit seinem Ferrari-Kollegen Charles Leclerc.

Formel 1

„Ich habe das Fahren nicht verlernt“

  • vonRalf Bach
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Sebastian Vettel über blindes Vertrauen zu Formel-1-Autos, seine schwierige Zeit bei Ferrari und die Vorfreude auf Aston Martin.

Herr Vettel, mit einigen Tagen Abstand von Ihrem letzten Rennen für Ferrari: Wie sind Ihre Gefühle jetzt?

Abschied nehmen ist nie schön. Aber ich behalte die positiven Momente in Erinnerung. Die Freude der Tifosi, die Jungs, die mir immer beistanden. Der erste Sieg gleich im zweiten Rennen für Ferrari in Malaysia war etwas Besonderes. Da merkte ich, was für Ferrari Siege wirklich bedeuten. Es bestätigte sich, was ich vorher gehört hatte. In der Freude umarmen dich die Italiener mehr als alle anderen. Und feiern können sie auch. Ich habe in der Nacht mit meinen Jungs die ganze Hotelbar leer getrunken. Nie vergessen werde ich auch die Abende bei Mama Rosella in Fiorano. Mama Rosella ist schon seit Jahrzehnten die gute Seele Ferraris. Sie betreibt ein Restaurant gleich neben der Teststrecke von Ferrari in Maranello. Ihre Speisen sind legendär.

In dieser Saison kam das Wort Vertrauen oft in Ihren Aussagen vor. Wie wichtig ist Vertrauen innerhalb eines Teams, des eigenen Teams?

Extrem wichtig. Weil man ja zusammen was erreichen will und nicht allein auf weiter Flur stehen will. Da ist Vertrauen das Grundnahrungsmittel für. Das Gegenteil wäre ja Misstrauen. Und dann wäre der Weg, den man zusammen beschreiten will, sehr, sehr weit weg. Und da es in der im wahrsten Sinne des Wortes schnelllebigen Formel 1 nicht um Tage, Stunden oder Minuten geht, sondern um Hundertstel von Sekunden, erklärt sich das von selbst.

Warum war Michael Schumacher der Held Ihrer Jugend?

Weil er mit dem roten Auto schneller fahren konnte als alle anderen und in jedem Rennen immer das Maximum abrufen konnte. Und das über viele Jahre. Sportlich steht das für extreme Zuverlässigkeit. Das hat er dann später auch als Mensch bestätigt, nachdem ich ihn kennengelernt habe. Er hat immer zu dem gestanden, was er gesagt hat.

Als Sie 2015 zu Ferrari wechselten, wirkten Sie geradezu begeistert, was das das Vertrauen in Ferrari betrifft. Sie waren richtig geil darauf, den Fußstapfen Ihres Vorbildes Michael Schumachers zu folgen. Wie ernüchternd ist jetzt die Erkenntnis?

Natürlich ist man erst mal enttäuscht, weil man das Ziel, das man sich selbst gestellt hat, nicht erreichen konnte. Aber man hat am Ende nur zwei Möglichkeiten damit umzugehen: Entweder man zerbricht daran: Oder man kommt stärker nach dieser Enttäuschung zurück. Die erste Option kommt für mich nicht in Frage. Ich schaue immer gerne nach vorne und glaube fest daran, dass es irgendwie immer weitergeht. Und das Irgendwie ist entscheidend. Manchmal kannst du Dinge nicht ändern, die von außen beeinflusst sind. Aber entscheidend ist, wie du dann damit umgehst, dass du trotz allem positiv bleibst, was die Zukunft betrifft.

Trotzdem: Die vergangenen zwei Jahre, so war zumindest der Eindruck, ist die Anfangsbegeisterung verschwunden. Sie haben das anders formuliert: „Es ist keine Liebesbeziehung mehr.“ Gerade ein Mensch, der wie Sie emotionale Konstanz so groß schreibt, muss doch von der Erkenntnis, dass es in der Formel 1 keine Liebe auf Lebenszeit gibt, besonders getroffen worden sein...

Dafür gibt es viele Erklärungen. Unterm Strich geht es um Erfolg, um das Erreichen der Ziele, die man sich setzt. Die ersten Jahre waren auch vielversprechend, die letzten Jahre dann nicht mehr. Auch wenn jeder mit dem ganzen Herzen dabei war. Es hat am Ende aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert. Und dann nimmt logischerweise auch die Euphorie ab.

Jean Todt hat die Erfolge, die er zusammen mit Michael Schumacher bei Ferrari gefeiert hat, genau andersrum erklärt. Die vielen Rückschläge, die man hatte, haben den Zusammenhalt verstärkt, das Vertrauen vergrößert und am Ende zu dieser großen Stärke geführt. Haben Sie das in Ihrer Zeit nicht auch gerne so erlebt?

Ich glaube, im Prinzip war das am Anfang auch so. Dann hat man aber festgestellt, dass es eben nicht mehr so zusammen passt. Das sollte man aber nicht zu negativ sehen, denn für mich ist das eher normal. Wichtig ist, dass alle Parteien individuell positiv nach vorne schauen. Klar hätte man sich im Nachhinein manche Dinge anders gewünscht. Aber bereuen tue ich nichts. Wichtig ist, die verbleibenden gemeinsamen Aufgaben mit Anstand zusammen zu Ende zu bringen.

Ein Formel-1-Pilot ist mehr als die meisten anderen Sportler von seinem Werkzeug abhängig. In Ihrem Fall vom Auto. Und da hat Ihnen das Vertrauen ja grundsätzlich gefehlt.

Vertrauen ins Auto ist natürlich für uns extrem wichtig. Bei uns geht es ja wie anfangs erwähnt um Hundertstel. Wenn dein Auto dir da nicht ganz geheuer vorkommt, hast du in diesem engen Wettbewerb keine Chance. Dann zögerst du mal hier, verschenkst mal eine Zehntel da. In der Summe stehst du dann auf verlorenem Posten, wenn es darum geht, ganz oben anzugreifen. Da machen selbst kleine Dinge am Ende den Unterschied.

Zu Ihren glorreichen Red-Bull-Zeiten hatten Sie blinden Vertrauen zu Ihrem Auto. Sie konnten mit ihm spielen. Warum konnten Sie das nicht mit dem Ferrari?

Das ist eine komplexe Angelegenheit. Das Fahrverhalten eines Auto verändert sich ja quasi jede Runde, das Verhalten der Reifen ebenso. Grundsätzlich kann man sagen: Wenn du dein Auto kennst, wenn du ihm vertraust, weißt du schon vorher was es macht. Dann fährst du instinktiv, machst automatisch das richtige. Hast du aber Zweifel und musst vorher zu viel nachdenken, verlierst du eben die entscheidende Zeit. Beim Ferrari ist das bei mir leider so. Das Auto hat aber kein spezielles Problem, es ist die Summe von Kleinigkeiten. Im Qualifying, das steht fest, war ich weiter von dem Limit des Autos weg als dann in den Rennen.

Sie mussten einige Kritik einstecken. Hat Ihr Selbstvertrauen darunter gelitten?

Wenn man selbstkritisch ist, hat man immer Zweifel. Aber ich habe das Fahren nicht verlernt, sondern analysiere viel eher, woran es liegt, dass ich nicht meine Fähigkeiten nicht zu Hundertprozent abrufen konnte.

Themawechsel: Als Vater muss man Werte vermitteln. Haben sich diese Dinge bei ihnen verschärft, seit Sie Erziehungsberechtigter sind?

In der Theorie ist immer alles schön. Am wichtigsten ist die Praxis. Man muss seinen Kindern das richtige vorleben.

2021 bricht für Sie mit Aston Martin ein neues Kapitel an. Warum glauben Sie, dass dieses Projekt ein Erfolg wird?

Das ist eher eine Sache der Neugier. Ich bin extrem gespannt auf das Projekt und freue mich extrem darauf. Garantien kann dir keiner geben, aber im Begriff Neugier steckt ja schon viele positive Energie. Und auf die kann man vertrauen.

Interview: Ralf Bach

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