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Blüht zurzeit beim SC Freiburg auf: Robin Koch.

Fußball-Nationalmannschaft

Schwarzwälder Blockbildung

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Der gebürtige Freiburger Matthias Ginter und die SC-Entdeckung Robin Koch verteidigen gemeinsam für Deutschland.

Es gibt momentan den einen oder anderen Zweifel am deutschen Fußball-Nationalteam, aber eines gibt es derzeit sicher nicht: Zweifel des Bundestrainers am Abwehrspieler Matthias Ginter. Für Joachim Löw steht jedenfalls fest: Sein badischer Landsmann wird „auf jeden Fall“ spielen gegen Weißrussland. Und überhaupt, aus seiner Sicht werde Musterschüler „Matze“, wie Löw im erhobenen Tonfall erklärte, ohnehin von der Öffentlichkeit „immer ein bisschen unterschätzt“. Er wisse aber, „wie zuverlässig er ist und was er leisten kann“.

Der 25-Jährige ist schließlich Weltmeister (2014), Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen (2016) und Confed-Cup-Sieger (2017) geworden. Eine Erfolgsstory mit Alleinstellungsmerkmal. Klar, beim WM-Titel in Brasilien spielte der Defensivallrounder gar nicht, aber das war nach seinem Debüt im März 2014 als Einwechselspieler für Mesut Özil auch nicht zu erwarten. Dass sich der gebürtige Freiburger nicht nur bei der Nationalmannschaft, sondern auch nach seinem Wechsel zu Borussia Dortmund unter dem Radar bewegte, sagte der schon im Kindesalter beim SC Freiburg ausgebildete Ginter am Freitag ohne jeden Anflug von Verbitterung, „bin ich fast gewohnt, mir wurde wenig bis gar nichts geschenkt.“ Die externe Wertschätzung ist bei ihm meist geringer gewesen als die interne Anerkennung.

Ginter gibt bei der DFB-Auswahl aktuell den einzigen Abgesandten vom Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach und will als Abwehrchef „in meinem Wohnzimmer“ weiter an der Profilierung arbeiten. „Nach der WM hat die Spielzeit für mich gut gepasst. Ich bin einer, der mit am längsten dabei ist. Ich will mich natürlich weiterentwickeln.“ Das kann bei ihm dann nur heißen, zum Stammspieler zu reifen. Ihm kann es nur recht sein, dass es im Borussia-Park in der Abwehrzentrale vermutlich zur Blockbildung aus dem Schwarzwald kommt.

Viel spricht dafür, dass der Freiburger Robin Koch sein zweites Länderspiel bestreitet. Bei dessen Entwicklung, sagte Ginter, erkenne er durchaus Parallelen: „Auch er hat sich alles sehr, sehr hart erarbeitet. So wie Christian Streich als Trainer für mich sehr wichtig war, ist er das auch für ihn: Was Arbeitseinstellung, Willen und Mentalität angeht, wird einem viel mitgegeben.“ Eine Freiburger Schule fürs Leben, die auch Löw kennt und hilft, der oft im Schwarzwaldstadion vorbeischaut.

Koch rückte im Oktober überraschend in seinen Kader und debütierte zwar nicht fehlerlos, aber insgesamt ordentlich gegen Argentinien (2:2). Da könnte Löw dem 23-jährigen Sohn der Betzenberg-Legende Harry Koch gleich auch gegen den limitierten Weltranglisten-86. Weißrussland vertrauen, wiewohl der Bundestrainer angeblich über die Besetzung des zweiten Innenverteidigers noch nicht entschieden hat. Aber Pechvogel Niklas Stark, der sich in der vergangenen Woche einen Nasenbeinbruch zuzog und nur eingeschränkt mit einer Gesichtsmaske trainierte, kommt für einen Einsatz nicht infrage. Bei Jonathan Tah traten bis Donnerstag noch muskuläre Probleme auf, so dass ein Mitwirken wenig sinnvoll erscheint. Warum also nicht einen Akteur aufstellen, der mit dem SC Freiburg ohnehin eine Erfolgswelle reitet? Zumal Koch nach eigenem Bekunden in der DFB-Auswahl seine Berührungsängste abgelegt hat: „Man ist ein Stück weit entspannter. Man kennt jetzt die Jungs schon und fühlt sich mehr angekommen.“

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