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Manchmal wünscht man sich  die Zeit zurück, als der Sat1-Ball noch bunt war.
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Manchmal wünscht man sich die Zeit zurück, als der Sat1-Ball noch bunt war.

Eurotisch

Schult und Sühne

  • Jakob Böllhoff
    VonJakob Böllhoff
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Getreu dem Motto eines meyerhoffschen Romantitels: „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ wünscht man sich manchmal die Zeit zurück, als der Sat1-Ball noch bunt war und der Ran-Moderator Reinhold Beckmann aussah, als habe die Mama ihn als Zirkusdirektor verkleidet? Die Kolumne.

Als der schmatzende Kommentator Werner Hansch bei seinen Spielberichten zur Bundesliga „gleich mal in die Bilderkiste packt“ und dann den Dortmunder Stürmer Flemming Povlsen daraus hervorkramt, der mit einem Fallrückzieher am Nürnberger Torwart Andy Köpke scheitert? Selbstverständlich wünscht man sich das, irgendwie. Dafür gibt es Youtube, dort kann man sich wunderbar eine schnelle, wohltuende Wanne Fußballnostalgie einlassen. Reicht dann aber auch.

Und damit zur Fußball-EM und zum vorläufigen Höhepunkt einer Entwicklung, die Beckmann und Hansch in den Neunzigerjahren mit anschoben. Keine Frage, dass die Eventisierung des Sports und seiner Übertragung, damals noch roh und kokett, inzwischen ein sehr fortgeschrittenes Stadium erreicht hat. Auf den Kanälen der Telekom (Magenta-TV) werden alle Spiele dieses Turniers übertragen, 51 an der Zahl, während ARD und ZDF sich mit insgesamt 41 begnügen müssen. „Wer Fußball liebt, kommt an Magenta-TV nicht vorbei“, hat ein Telekom-Manager daraus gefolgert und das Publikum so zu ein paar grundsätzlichen Gedanken gezwungen: Was ist Liebe? Was Fußball? Und was, um Himmels Willen, Magenta-TV?

Jetzt, da diese Europameisterschaft auf die Zielgerade einbiegt, lässt sich festhalten, dass die Telekom mit ihrem Angebot dann doch vieles richtig gemacht hat. Wie ein Mittler der Zeiten fungiert Johannes B. Kerner, selbst vor 25 Jahren ins grelle Rampenlicht der Ran-Ära getreten, als Moderator, und belustigt fragt er sich in der digitalen Studiowelt, aus welcher Richtung als nächstes die Startaufstellung angeflogen kommt, als hätten Beckmann und Hansch sie 1995 losgeschickt. Verwundert stellt man fest, dass einem das nichts ausmacht, und nicht einmal die alte Laberbacke Kerner geht einem auf den Keks.

Ballack weiß zu gefallen

Am Ende ist eben alles eine Frage der Qualität, damals wie heute. Die Telekom hat sein Millioneninvestment gut eingesetzt. Die teuer eingekauften Experten bieten, was sie versprechen, vor allem der ehemalige Nationalmannschaftskapitän und Weltklassefußballer Michael Ballack, der mit seinen sächselnden Analysen zu überzeugen weiß, die mitunter ins Angelsächsische reinragen (neulich fand Ballack, die Holländer müssten ihr Spiel „increasen“).

In einem überraschenden Twist der TV-Geschichte bringen also Kerner und Ballack neues Leben ins klassische Duo-Prinzip, während man in ARD und ZDF auf mehrköpfige Expert:innenrunden vertraut. Was auch funktioniert. Stichwort: Qualität. Beim ZDF gefallen Per Mertesacker und Christoph Kramer, und bei der ARD ragt eine Figur ganz besonders heraus: Nationaltorhüterin Almuth Schult. Witzig, klug, und fachlich einwandfrei. So gut einfach, dass man ausnahmsweise einmal geneigt ist, die Zukunft zu verklären.

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