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Schnee von gestern

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Von: Andreas Morbach

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In Zeiten des Klimawandels wird Schnee zur kostbaren Ressource.
In Zeiten des Klimawandels wird Schnee zur kostbaren Ressource. © Bongarts/Getty Images

Wie kann man einen Wintersport wie Biathlon nachhaltig gestalten? Benedikt Doll hat ein paar Ideen

Beim Anflug auf die neue Biathlon-Saison war bei Benedikt Doll neben der gespannten Vorfreude diesmal auch das schlechte Gewissen mit an Bord. Für den Sprint-Weltmeister von 2017 ging die Reise am Wochenende vom Schwarzwald, wo er ein paar Tage mit Frau und Kind verbracht hatte, nach Kontiolahti. Mit dem Einzel der Männer steht dort am Dienstag das erste Weltcuprennen des Winters auf dem Programm – 200 Kilometer südöstlich von Vuokatti, wo die deutschen Skijäger:innen zuvor ihr finales Trainingslager absolviert hatten.

„Für mich war es schon ein Dilemma, danach noch mal heimzufliegen, um jetzt wieder nach Finnland zu fliegen“, erklärt Doll im Gespräch mit der „Frankfurter Rundschau“. Er habe das wegen seines Sohns und wegen der Familie gemacht, betont der 32-Jährige, der im August zum ersten Mal Vater wurde – und dem der Kampf gegen den Klimawandel gerade wegen seines reiseintensiven Jobs am Herzen liegt. Deshalb verzichtet Doll zum Beispiel auf die in der Branche sehr beliebten Interkontinentalflüge in den Urlaub. Und denkt lieber intensiv darüber nach, welchen Beitrag der Biathlonsport in Sachen Umweltschutz leisten kann.

Zentraler Punkt hierbei: Die Suche nach geeigneten Anlagen. Doll erwähnt in dem Zusammenhang den Notschrei bei Freiburg, wo er selbst überwiegend trainiert. „Mit 1200 Meter ist das die höchstgelegene Biathlonanlage in Deutschland. Vielleicht ist es eine Option, zu sagen: Okay, wir schauen, dass wir Anlagen in einer Höhe bauen, wo für die nächsten 30 Jahre oder so noch eine gewisse Schneesicherheit existiert“, überlegt er – und fordert: „Man muss sich Gedanken machen, welche Anlagen Biathlon auf naturverträgliche Weise erlauben. Auch was die Reisewege und Ähnliches betrifft.“

Es geht um die Suche nach Orten, wo am wenigsten Kunstschnee produziert werden muss. „Man kann ja den Schnee vom letzten Jahr nehmen, ihn auf einen Haufen packen und im nächsten Jahr wieder ausfahren. Da müssen dann vielleicht nur fünf Zentimeter neuer Kunstschnee drauf – anstatt 50 oder 60 Zentimeter“, schlägt Doll vor. Seine Teamkollegin Denise Herrmann-Wick musste in der Vorbereitung einen geplanten Trainingsaufenthalt in Davos aufgrund der warmen Temperaturen dort streichen. Und nicht erst seit dieser Erfahrung weiß die Einzel-Olympiasiegerin von Peking: „Schneeproduktion ist natürlich ein großes Thema.“

Die Internationale Biathlon-Union (IBU), die sich zuletzt verstärkt bemühte, der biathletischen Sommervariante auf Roller-Ski einen Schub zu verleihen, gibt sich in Sachen Umweltschutz rege: Im Februar veröffentlichte der für die Skijägerei zuständige Weltverband seinen ersten Nachhaltigkeitsreport, mit dem er seine Selbstverpflichtung unterstrich, bis 2030 klimaneutral zu sein. „Ich denke schon, dass die IBU in dieser Frage definitiv eine Vorreiterrolle einnimmt“, sagt Herrmann-Wick. Ihre Mitstreiterin Franziska Preuß sieht das ähnlich, die 28-jährige Oberbayerin relativiert aber auch: „Es ist nicht einfach, vieles von Jetzt auf Gleich zu ändern. Das merkt man ja selbst oft in vielen Bereichen.“

„Im Vergleich kleines Licht“

So musste die IBU das geplante Komplettverbot des umweltschädlichen Fluorwachses vor knapp vier Monaten auf die Saison 2023/2024 verschieben – um das Prüfverfahren weiter zu verfeinern. Um Energie zu sparen, könnte man auf Rennen unter Flutlicht – wie sie jetzt beim Weltcup in Kontiolahti zum Teil stattfinden – verzichten, regt DSV-Skijäger Johannes Kühn seinerseits an. Und der Norweger Sverre Olsbu Røiseland findet: „Es wäre gut, den Saisonstart um ein, zwei Wochen nach hinten zu verschieben.“

Damit könnte man, argumentiert der neue Co-Trainer der deutschen Biathletinnen, die alljährliche intensive Reiserei auf der Suche nach einem Fleckchen echtem Schnee im November etwas eindämmen. „Wir dürfen uns gegenüber möglichen Einsparungspotenzialen in keinem Fall verschließen“, erklärt auch Røiselands Kollege Mark Kirchner. Der Männer-Bundestrainer betont aber zugleich: „Im Vergleich zu vielen anderen sind wir nur ein kleines Licht. Solange man es immer nur dort macht, wo es relativ einfach zu bewerkstelligen ist, die Auswirkungen im Vergleich zu anderen Bereichen, in denen es einfach immer so weitergeht wie bisher, aber relativ klein sind, bin ich nur bedingt bereit, Abstriche zu machen.“

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